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Engagement

Dem Gestrüpp den Garaus machen

Stück für Stück soll ein einst völlig verwildertes Grundstück unterhalb der Schule am Steinhaus wieder kultiviert werden

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Die Schüler setzen sich tatkräftig für ihren Schulgarten ein. Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Wie ausgestorben liegt das Gelände der Schule am Steinhaus wie an jedem Wochenende da. Doch von dem Hanggrundstück dahinter hört man am Samstag das laute Surren von Motorsensen. Schüler, Eltern, Lehrer und ehrenamtliche Helfer rücken dort Sträuchern und Bäumen zu Leibe, um einen Schulgarten anzulegen. Selbst die Rektorin der Besigheimer Förderschule, Sabine Müller, packt mit an.

Vor vier Jahren rief der Lehrer Markus Raichle das Projekt ins Leben beziehungsweise belebte es wieder. Völlig verwildert war das von der Stadt zur Verfügung gestellte Grundstück gewesen, als Raichle sich damals zusammen mit Schülern darum gekümmert hatte. „Wir mussten uns erst einmal einen Zugang schaffen“, berichtet er davon, wie er sich mit seiner Klasse zunächst einen Weg durch das dichte Brombeergestrüpp hatte bahnen müssen. Eine Freifläche im oberen Teil des Grundstücks konnte so dem Wildwuchs schon abgetrotzt werden.

Kräuterschnecke und Gemüsefelder

Aber so richtig nach gepflegtem Schulgarten sieht diese nicht aus – noch nicht. Das soll sich jetzt ändern. Christof Hettich, der Vorsitzende des BUND-Bezirksverbands Stromberg-Neckartal, hat für die Gestaltung des Schulgartens Pläne erstellt. Der Bestand an Obstbäumen soll danach ergänzt, eine Kräuterschnecke angelegt und – als krönender Abschluss – ein grünes Klassenzimmer eingerichtet werden. Auch kleine Gemüsefelder anzulegen, welche die Schüler selbst bestellen dürfen, ist geplant.

Erste Sponsoren hat die Schule am Steinhaus in der VR-Bank Neckar-Enz und dem Werkzeugmacher Komet bereits gefunden. Zudem gewann Markus Raichle Sabine Schönfeld vom Verein Streuobst-Pädagogen für das Vorhaben. Sie wird die Schule bei der Umsetzung naturpädagogischer Projekte unterstützen. Schließlich sollen die Schüler in dem Garten auch etwas über Pflanzen und Tiere lernen, etwa durch den Bau von Wildbienenhäusern.

Doch für all das muss dem Gestrüpp erst einmal dauerhaft der Garaus gemacht werden. Mit Motorsensen kurz und klein schneiden allein reicht da nicht.

Auch die Wurzeln müssen weg. Unermüdlich hackt Christof Hettich Wurzelstöcke von wild aufgegangenen Zwetschgenbäumen, Hartriegel- und Brombeersträuchern aus. Der Schweiß steht ihm auf der Stirn. Aber selbst das reicht nicht aus, erklärt er in einer Verschnaufpause Markus Raichle und dessen Kollegen Markus Schlonsok.

Mit Kopf, Herz und Hand dabei sein

Um Gras säen zu können, muss der Boden umgegraben werden. „Dafür braucht man nicht unbedingt eine Motorfräse. Das geht auch so“, sagt Hettich und rammt einen Spaten kraftvoll in die Erde, hebt das ausgestochene Bodenstück heraus und wirft es umgedreht wieder in das Loch. „Da können meine Achtklässler mit Kopf, Herz und Hand dabei sein“, kommentiert Markus Schlonsok, der in den kommenden Wochen mit seiner Klasse diese Aufgabe angehen möchte.

Derweil helfen jüngere Schüler bereits bei dem Arbeitseinsatz tüchtig mit. So versuchen Debora und Caroline auf der anderen Seite des Grundstücks, die Freifläche noch weiter zu vergrößern. Mit festen Lederhandschuhen und Astscheren ausgerüstet schneiden die 15 und 13 Jahre alten Mädchen Brombeerranken zurück. Die Fünftklässler Kevin, Jochan und Ingolf rechen das Schnittgut zusammen und laden es zum Abtransport auf eine Schubkarre. Mit Feuereifer sind die Förderschüler bei der Sache. Zum Arbeiten motiviert werden brauchen sie nicht. „Wir müssen sie eher ein bisschen bremsen“, sagt Markus Raichle. Schließlich sollen ja nicht alle Bäume und Sträucher zu Kleinholz werden.