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Freiheit trotz Begrenzung finden

Ein Experiment wagt das Altentanztheater „Zartbitter“. In seinem Stück „Miniaturen“ improvisiert es einen Großteil der Szenen und lotet damit die Grenzen von Zeit und Raum aus.

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Grenzen erfahren und Freiräume entdecken, das steht bei dem Stück „Miniaturen“ im Mittelpunkt. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Kann man frei sein, obwohl der Rahmen, in dem man sich bewegen kann, begrenzt ist? Die fünf Frauen und vier Männer zwischen 60 und 75 Jahren haben sich auf das Stück „Miniaturen – Golden Age Miniaturen“ eingelassen, in dem es um die Erfahrung neuer Grenzen geht, die das Älterwerden mit sich bringt. Doch sie schaffen es, den knapp bemessenen Spielraum zu nutzen und sich neue Freiräume zu schaffen, indem sie das kreative Potenzial ihres Körpers ausschöpfen.

Wenige Tage vor der Premiere wird intensiv geprobt. Die künstlerische Leiterin Lisa Thomas hat es geschafft, dass die über 60-Jährigen sich auf dieses Experiment eingelassen haben. „Sie probieren sich auf der Bühne aus und lassen ihr Publikum teilhaben“, beschreibt sie den Prozess der Improvisation. „Nicht mit dem Gesicht kommentieren, mit den Bewegungen sprechen“, lautete eine Regieanweisung. „Achtung, klare Statements“, richtet sie sich an die Akteure, als Helmut Rumpf-Hufnagel mit einem überdimensionalen Zeigefinger aus Gummi die Gruppe dirigiert. In einer anderen Szene sind die Körper ineinander verschränkt. Nach und nach lösen sich die Mitwirkenden aus der Gruppe, um ihren eigenen Weg zu beschreiten.

Lisa Thomas spricht von der „Essenz des Lebens“ – ähnlich einem Parfüm, in der alle Erfahrungen und Gefühle zu einem großartigen Duft vereint sind. Ausgangspunkt bildet die Auseinandersetzung mit den Grenzen, die das Alter aufzeigt, in Kombination mit den kurzen Musiksequenzen der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. Nicht nur der Raum, auch die Zeit, die für die einzelnen Improvisationen zur Verfügung steht, ist begrenzt. Lisa Thomas findet es deshalb spannend, zu beobachten, welche Bewegungen angesichts der Reduktion möglich sind.

Für sie besteht ein besonderer Reiz darin, mit älteren Menschen zu arbeiten. „Bei ihnen reicht es oft schon aus, einfach da und wahrnehmbar zu sein“, findet sie, dass sich in Gesichtern Älterer die Fülle des Lebens spiegelt. Seit 2008 wird in der Tanz- und Theaterwerkstatt Tanztheater für ältere Menschen angeboten, seit dem Jahr 2010 arbeitet die Gruppe in wechselnder Besetzung an Aufführungen.

„Ich vertraue darauf, dass die Bewegungen, die aus mir heraus kommen, schön sind und anderen gefallen werden“, so Elisabeth Eberle. Der Frau gefällt es, dass sie nicht Theater spiele, sondern authentisch bleiben könne.

Der 74-jährige Helmut-Martin Eglmeier gehört dem Ensemble seit der Gründung an, ein Youngster ist dagegen der 60-jährige Stefan Mohr-Bender. „Es ist eine weitere Möglichkeit, zu tanzen und Theater zu spielen“, erklärt er, warum er sich dem Ensemble angeschlossen hat. Dass der gestiegene Männeranteil der Gruppe gut tut, findet Regina Boger (66): „Männer haben eine andere Dynamik und Energie als Frauen.“ Helmut Rumpf-Hufnagel ist ebenso erstaunt wie erfreut darüber, dass er auch ohne tänzerische Ausbildung allein durch die Proben zu einer künstlerischen Ausdrucksweise gefunden hat. Beim Zuschauen fällt auf, mit welch geschmeidigen Bewegungen sich die Zartbitter-Akteure bewegen und dass es für sie keine Grenzen zu geben scheint.

Info: Tanztheater „Miniaturen”, Kunstzentrum Karlskaserne, Kleine Bühne. Die Premiere findet am Donnerstag, 14. April, um 19 Uhr statt; weitere Aufführungen sind am Freitag, 15. April, um 19 Uhr, am Sonntag, 17. April, um 17 Uhr sowie am Montag, 18. April, um 11 Uhr. Kartenbestellungen bei der Tanz- und Theaterwerkstatt, Telefon (0 71 41) 7 88 91 50, per Mail unter info@tanzundtheaterwerkstatt.de oder an allen Reservix-Vorverkaufsstellen.