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Trauer
Friedhofskultur dreimal neu gedacht

Der EaD-"Garten der Erinnerung" in Ditzingen.
350_0900_110596_.jpg Foto: Susanne Müller-Baji
Menschen bei ihrer Trauer zu begleiten ist das Ziel dreier spannender Projekte im Kreis und in der Region.

Kreis Ludwigsburg, Ludwigsburg. Die Friedhofskultur befindet sich im Wandel. Klassische Erdgräber verlieren an Bedeutung, Urnen- und Gemeinschaftsbestattungen nehmen zu, und viele Menschen wünschen sich Formen des Erinnerns, die weniger mit Grabpflege, dafür stärker mit persönlichem Gedenken verbunden sind. Drei Projekte aus der Region zeigen beispielhaft, wie Friedhöfe und Orte der Trauer heute neu gedacht werden können: der „Campus Vivorum“ in Süßen, der „Garten der Erinnerung“ in Ditzingen und der Trauerweg in Renningen. Gemein ist ihnen der Versuch, Trauer sichtbar zu machen und Menschen einen Raum zu geben, in dem Erinnern, Abschied und Trost ihren Platz haben

Experimentierfeld für Friedhofskultur

Der „Campus Vivorum“ liegt auf dem Gelände der Kunstgießerei Strassacker in Süßen und versteht sich als „Experimentierfeld für den Friedhof der Zukunft“. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Menschen oft pflegefreie Bestattungsformen für sich wählen, ihre Angehörigen aber das Bedürfnis nach einem konkreten Ort der Erinnerung haben. Blumen, Kerzen oder kleine Andenken werden oft dort abgelegt, wo Hinterbliebene die Nähe zu den Verstorbenen spüren – auch an Stellen, an denen die Friedhofsordnung dies ausschließt.

Der Campus Vivorum greift dieses Bedürfnis auf und entwickelt Konzepte, die stärker von den Bedürfnissen Trauernder ausgehen. Gemeinschaftsgrabfelder, Erinnerungsorte und eine naturnahe Gestaltung zeigen, wie Friedhöfe zu Orten werden, die Trost spenden und doch dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen. Nicht die Verwaltung von Grabflächen steht im Zentrum, sondern die Frage, wie Friedhöfe Menschen in ihrer Trauer unterstützen können. Der Friedhof wird sozialer und therapeutischer Raum verstanden, der Begegnung und Rückzug ermöglicht. Unter raum-fuer-trauer.de gibt es weitere Infos.

Engagement für Trauende

Einen ähnlichen Gedanken verfolgt die ehrenamtliche Initiative „Ewig anders Ditzingen“ (EaD). Sie entstand aus einem Kulturprojekt zur Friedhofs- und Trauerkultur und hat auf dem Ditzinger Friedhof den „Garten der Erinnerung“, als offenen Erinnerungsort geschaffen. Menschen können dort Kerzen aufstellen, Blumen niederlegen oder einfach verweilen – auch dann, wenn ihre Angehörigen an einem anderen Ort bestattet sind oder in Baumgräbern ruhen, an denen persönliche Zeichen des Gedenkens oft nicht erlaubt sind. Die Gestaltung des Gartens greift symbolisch die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft auf. Ein Hügelbeet lädt dazu ein, Blumenschmuck und Erinnerungsstücke abzulegen. Ein Quellstein steht für das Verfließen der Zeit, geschichtete Grabsteine bieten Platz für Kerzen und Lichter. Bänke und Wege machen den Garten zu einem Ort der Begegnung ebenso wie der stillen Einkehr. Darüber hinaus organisiert die Gruppe Führungen, Ausstellungen, Vorträge und Filmabende rund um die Themen Sterben, Trauern und Erinnern, die auf ewig-anders-ditzingen.de gelistet werden.

Der Weg ist das Ziel

Der Trauerweg in Renningen setzt einen anderen Schwerpunkt. Hier wird Trauer nicht über einen gestalteten Erinnerungsort, sondern über einen symbolischen Weg erfahrbar gemacht. Entlang eines Pfades auf dem Friedhof werden verschiedene Phasen und Erfahrungen des Trauerprozesses dargestellt. Stationen regen dazu an, über Verlust, Schmerz, Erinnerung, Hoffnung und Neuorientierung nachzudenken. Der Weg soll Trauernden Orientierung geben und zugleich Menschen ohne aktuelle Verlusterfahrung dazu einladen, sich mit den Themen Sterben und Tod auseinanderzusetzen. Die Initiatoren wollen damit den Tod wieder stärker in die Mitte des gesellschaftlichen Lebens rücken. Unterstützt wird das Projekt von einem breiten Netzwerk aus Kirchen, Hospizgruppe, Vereinen, Bestattern, Gärtnern und der Stadtverwaltung. Der Trauerweg versteht Trauer ausdrücklich als Prozess, also als einen Weg, der unterschiedlich verläuft, aber weiterführt. Regelmäßige Führungen bieten Impulse und ermöglichen einen Gedankenaustausch. Die städtische Seite renningen.de bietet hier weitere Infos.

Trotz ihrer unterschiedlichen Ansätze verfolgen alle drei Projekte ein gemeinsames Ziel: Sie begreifen Friedhöfe und Erinnerungsorte nicht allein als letzte Ruhestätten für Verstorbene, sondern vor allem als Orte für die Lebenden. Sie reagieren auf gesellschaftliche Veränderungen, auf neue Bestattungsformen und auf den Wunsch nach individuellen Wegen des Erinnerns. Ob als Experimentierfeld für neue Friedhofskonzepte, als gemeinschaftlich gestalteter Erinnerungsort oder als symbolischer Weg durch die Trauer – Campus Vivorum, Ewig anders Ditzingen und der Trauerweg Renningen zeigen, dass moderne Trauerkultur vor allem eines leisten will: Menschen in schweren Zeiten begleiten und ihnen Räume schaffen, in denen Erinnerung, Trost und Zuversicht möglich werden. (sm)

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