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Klänge unter Starkstrom

Junge Ensembles glänzen beim „Generation Zukunft Musik“ der Schlossfestspiele im Forum

Lichte Reihen wider Willen: Das Kammerorchester des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Stuttgart in Aktion im Forum. Foto: Andreas Becker
Lichte Reihen wider Willen: Das Kammerorchester des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Stuttgart in Aktion im Forum. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Was für ein Konzertabend! Ensemble-AG des Helene-Lange-Gymnasiums Markgröningen, Celloquartett und Streichquartett der Jugendmusikschule Ludwigsburg und Kammerorchester des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Stuttgart: Was sich etwas sperrig liest, verheißt in der Praxis am Donnerstag im Forum ein wahrlich festspielwürdiges Programm – auch ohne jede Form von Schülerbonus. Unter Jochen Sandigs Vorgänger als Intendant der Schlossfestspiele, Thomas Wördehoff, noch stets als „Schools Day“ betitelt, ist die Veranstaltung seit diesem Jahr als „Generation Zukunft Musik“ im Spielplan eingetaktet – allerdings fiel das Konzert im Sommer der Coronapandemie zum Opfer. Mit gleichem Personal auf der Bühne und gleichem Programm sollte der Abend aber unbedingt noch dieses Jahr über die Bühne gehen. Nun sitzen die Zuschauer im Theatersaal des Forums wegen der Abstandsregeln weit auseinander und tragen während der rund 90 Minuten Maske (siehe Text rechts) – besser so als gar nicht, lautet das Motto. Zu Recht, ebenso wie die Umbenennung, die das Format aus seiner unverschuldeten Nische holt.

Die Musik von Dmitri Schostakowitsch bildet einen zarten roten Faden an diesem Abend, drei von vier Ensembles widmen sich dem russischen Komponisten, den man keinesfalls leichtfertig angehen sollte. Doch schnell kann Entwarnung gegeben werden. Herrlich geschmeidig der Klang des Markgröninger Ensembles (Leitung: Corinna Liebler) – wie alle großzügig auf der Bühne verteilt und mit vereinzelten Plexiglaswänden ausgestattet – beim Walzer Nr. 2 aus Schostakowitschs Suite für Varieté-Orchester. Transparent und präzise wandert das Thema durch die Instrumentengruppen bis ins Cello. Abgeklärt und doch höchst vital kommen die Medleys aus „Die Schöne und das Biest“ und „Star Wars“ daher, richtig fesselnd ist aber vor allem „Thankful“ von Carole Bayer Sager, David Foster und Richard Page, mit dem die Cellistin Elena Müller und der Hornist Nico Hesse in einem wunderbar austarierten gesanglichen Zwiegespräch ihre Qualitäten beweisen – und damit erste Bravorufe und begeisterte Pfiffe ernten.

Streichquartett links, Celloquartett rechts, bestreitet die Jugendmusikschule ihren abwechselnden musikalischen Block – wenig umbauen, wenig bewegen, lautet auch hier die Devise. Das Celloquartett bietet mit einem Auszug aus Christoph Willibald Glucks „Orfeo ed Euridice“, südamerikanischen Klänge und „Der kleine grüne Kaktus“ eine Insel der Leichtigkeit. Zarte tonale Verknotungen gibt es beim großartig vom Ludwigsburger Streichquartett interpretierten Streichquartett Nr. 8 von Schostakowitsch, später gefolgt von einem federleicht und elegant justierten Mozart-Streichquartett (KV 421), das mit Blick auf die Länge des Programms auf einen Satz reduziert wird.

Klänge unter Starkstrom bietet schließlich das Kammerorchester des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Stuttgart, das über den Status eines Amateurorchesters qualitativ weit hinausreicht, mit Schostakowitschs viersätzigem Konzert Nr. 1 für Klavier, Trompete und Streichorchester. Das liegt nicht zuletzt an seinem wie entfesselt aufspielenden Pianisten Christian Märkle, der unter der Leitung von Gereon Müller zum Epizentrum dieses wilden Ritts wird.

So hochklassig der Abend, so düster die Perspektiven mit Blick auf die Pandemie: In den Umbaupausen verdrängen Einspieler mit Sätzen zur Coronakrise von beteiligten Schülern als apokalyptische Klangcollagen die Stille. Es sei eine echte Punktlandung, dieses Konzert jetzt noch veranstalten zu dürfen, erklärt Intendant Jochen Sandig, der an diesem schillernden Abend fleißig seine knallbunten Festspielmasken als Dankeschön an die Ensembleleiter verteilt, vielsagend. Wie viele Konzerte im Forum in diesem zehrenden Corona-Jahr noch stattfinden können, wird sich zeigen.

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