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Muslimischer Flüchtling als Praktikant in der Metzgerei

Der Familienvater Faiz Mohammad Niyazi sitzt während einer Pause im Aufenthaltsraum der Metzgerei Schweiker. „Die Arbeit hier gefällt mir sehr gut“, sagt er – und zwar nicht deswegen, weil sein Chef Thomas Schweiker direkt daneben sitzt, wie er mit einem Lachen anmerkt. Vielmehr ist es so, dass der Afghane in der Metzgerei einiges anwenden kann, was er in seiner Heimatstadt Kabul zuvor auch getan hat. „Er hat dort in einem Geschäft gearbeitet, das Fleisch zerlegt und portioniert hat“, erklärt Thomas Schweiker. Überdurchschnittliche Kenntnisse und Fertigkeiten habe sein Praktikant diesbezüglich vorzuweisen.

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Ludwigsburg. Insgesamt sechs Wochen ist Faiz Mohammad Niyazi von Montag bis Donnerstag bei der Metzgerei im Einsatz, freitags bildet er sich über die in Ludwigsburg angesiedelte USS GmbH fort. „Er ist ein sehr aktiver Asylbewerber“, sagt Manfred Faißt, der sich im örtlichen Arbeitskreis Asyl engagiert. Nicht nur, dass Niyazi zu Hause fleißig Deutsch lerne und Kurse besuche, auch habe er sich die Fortbildung in Ludwigsburg selbst gesucht. „Ich möchte gerne als Metzger arbeiten“, erklärt der Afghane, dessen Frau im Mai ihr viertes Kind erwartet. Auch wenn das Metier für ihn nicht unbekannt ist, so gibt es große Unterschiede zu seiner Arbeit in Kabul. „Dort wurde in der Hauptsache zerlegt – und zwar Schaf, Lamm und Rind“, erklärt Thomas Schweiker. In der Gemmrigheimer Metzgerei hingegen werde zu 80 Prozent Schwein verarbeitet, auch gebe es eine sehr vielfältige Wurstproduktion. Die Arbeit mit Schweinefleisch ist für den Moslem kein Problem, „ich muss es ja nicht essen“. Für Niyazi sei es ein täglicher Lernprozess – und den meistert er offensichtlich gut, wie Schweiker sagt: „Er nimmt alles gut an.“

Der Gemmrigheimer hat nicht lange gezögert, als er die Anfrage nach einem Praktikumsplatz für Niyazi bekam. „Das war keine Frage für mich.“ Er ist der Auffassung, dass jeder eine Chance verdient habe. Dass ein Flüchtling in der Metzgerei mithelfe, passe nicht nur zur Ausrichtung des Gemmrigheimer Betriebs, sondern stimmt auch mit Schweikers Einstellung überein, der gerne als Rucksackreisender in der Welt unterwegs ist. „Ich schaue mir gerne andere Kulturen an“, sagt er und betont: „Das Wissen über verschiedene Kulturen vereint und bildet weiter.“ Flüchtlingspolitik sei immer das, was der Mensch selbst daraus mache.

Faiz Niyazi ist jeweils von 8 bis 13 Uhr in der Metzgerei. Er paniert Schnitzel, zerlegt Rindfleisch und schneidet Fleisch. „Das ist alles tipptopp. Er hat eine sehr gute dreidimensionale Vorstellung“, lobt Schweiker die Messertechnik des Praktikanten. Dieser wiederum gibt das Lob zurück: „Ich habe einen guten Chef und gute Kollegen.“ Gerne würde er im Anschluss an seine Fortbildung als Metzger arbeiten. Doch gegen eine Vollzeit-Festanstellung spricht derzeit auch die Familienkonstellation – eine hochschwangere Frau, zwei Kinder im Kindergarten, und die älteste Tochter besucht die Realschule in Bönnigheim. „Das wäre etwas schwierig“, meint Thomas Schweiker.

Doch es spreche nichts gegen eine Teilzeitbeschäftigung: „Eine stundenweise Anstellung wäre für beide Seiten sinnvoll.“ Faiz Mohammad Niyazi könnte so seine Deutschkenntnisse weiter vertiefen. Zumal, wie Manfred Faißt ergänzt, er im Betrieb auch das berufsspezifische Fachvokabular lerne.