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So traurig beerdigen wir Covid-Tote

Für Bestatter ist das Arbeiten unter Pandemiebedingungen eine schwierige Angelegenheit. Der Umgang mit Covid-Verstorbenen ist nur unter strengen Hygienevorschriften möglich. Auch im Krematorium in Ludwigsburg ist die Coronakrise spürbar.

Auch nach dem Tod sind Covid-Verstorbene noch infektiös. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Auch nach dem Tod sind Covid-Verstorbene noch infektiös. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Ludwigsburg. Die Schreckensmeldungen, dass die Krematorien deutschlandweit überfüllt sind und mit Kühlcontainern ausgeholfen werden muss, sind momentan häufig zu lesen. Die Todeszahlen im Zusammenhang mit dem Coronavirus sind weiterhin auf hohem Niveau. Das macht sich auch im Krematorium in Ludwigsburg bemerkbar. Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, ist das Krematorium ausgelastet. Pro Tag können in Ludwigsburg im Normalbetrieb acht Verstorbene kremiert werden. Bisher gebe es in Ludwigsburg allerdings keine Notwendigkeit für einen Kühlcontainer, wie die Stadtverwaltung versichert.

Für Bestattermeisterin Katja Raible von Bestattungen Gölz Raible ist der Tod ein ständiger Begleiter. Doch die Coronakrise stellt die Branche vor neue Herausforderungen „Wir können nicht einfach ins Homeoffice. Es ist wichtig, dass wir auch weiterhin persönlich für die Angehörigen da sind“, sagt Raible. Seit 20 Jahren arbeitet sie nun schon in ihrem Beruf, führt das Familienunternehmen mit Standorten in Ludwigsburg und Kornwestheim mit ihrem Bruder in vierter Generation. Die Auswirkungen der Krise bekommt das Bestattungsunternehmen täglich zu spüren. Dabei spielen nicht nur die strengen Hygieneregeln zum Umgang mit Covid-Verstorbenen eine Rolle. „Die Gespräche mit den Angehörigen sind durch die Distanz schwieriger. Es ist nur schwer möglich, eine Verbindung aufzubauen“, sagt Raible. Durch den Mund-Nasen-Schutz fehle die Mimik. Für Angehörige von Covid-Toten ist die ohnehin schon schwierige Situation noch einmal prekärer. Da die Verstorbenen noch infektiös sind, wird ihnen das Abschiednehmen verwehrt.

Wenn Katja Raible und ihre Kollegen zu einem Todesfall gerufen werden, dann steht die Frage, ob die Person an oder mit Corona verstorben ist, ganz oben auf der Liste. „Wir müssen vorbereitet sein, um die Mitarbeiter zu schützen“, so Raible. Während die Covid-Toten, die im Klinikum versterben, komplett vorbereitet sind, übernehmen die Bestatter an anderen Orten diese Aufgabe. Mundschutz, Schutzbrille, Faceshield oder mehrfach Handschuhe gehören mittlerweile zur Ausrüstung. „Eigentlich sind wir so gekleidet, wie die Pfleger und Ärzte auf den Covid-Intensivstationen“, sagt Katja Raible.

Da der Verstorbene auch nach dem Tod noch restliche Luft aus den Lungen ausstoßen kann, bekommt auch er einen Mundschutz aufgezogen. Der Leichnam wird in einen Hygienesack, auch Bodybag genannt, gelegt. Die Toten dürfen weder gewaschen, noch umgekleidet werden. So wie sie versterben, werden sie in den Bodybag gehüllt und in den Sarg gelegt. „Wir versuchen, die Toten so wenig wie möglich zu bewegen“, sagt die Bestattermeisterin. Nach jedem kleinen Schritt kommt Desinfektionsmittel zum Einsatz. „Ist der Sarg einmal verschlossen, wird er nicht wieder geöffnet“, so Raible. Eine Ausnahme würde nur eine zweite Leichenschau bei der Feuerbestattung darstellen, um unnatürliche Todesursachen auszuschließen.

„Ab dem Moment, in dem der Tod eintritt, gibt es für die Angehörigen keine Möglichkeit mehr, Abschied zu nehmen“, sagt Raible. „Die Aufklärungsarbeit, die wir leisten müssen, hat sich dadurch deutlich erhöht.“ Für viele sei es schwierig, die Vorgehensweise zu akzeptieren.

Während des ersten Lockdowns habe ihr Bestattungsunternehmen rund 15 Covid-Tote versorgt. „Im Sommer waren es hingegen gar keine“, so Raible. Aktuell würden die Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus wieder zunehmen. „Seit Mitte November sind es bei uns rund 25“, so die Bestattermeisterin. Zahlenmäßig sei dies allerdings nicht wesentlich höher als die anderen Todesfälle auch.

Auch wenn die Verstorbenen nicht am offen Sarg verabschiedet werden können, weist Raible darauf hin, dass Trauerfeiern auch in diesen Zeiten möglich sind. „Es herrscht große Verunsicherung, was dieses Thema angeht“, sagt sie. „Doch der Friedhof ist einer der wenigen Bereiche, der wenig eingeschränkt ist. Eine Trauerfeier kann stattfinden, wenn auch ohne Sarg.“ Der werde je nach Bestattungswunsch direkt zum Grab oder Krematorium gebracht. Auf strikte Hygienekonzepte, Abstandsregelungen und regelmäßiges Lüften werde selbstverständlich geachtet. „Gerade in Zeiten der Distanz ist es wichtig, eine Verbundenheit aufzubauen“, sagt Raible. „Und eine Trauerfeier ist etwas, was verbindet.“

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