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Porträt

Im Gespräch mit Silke Gericke (Die Grünen) - „Geld für die Mobilitätswende ist da“

Silke Gericke (46), die im Wahlkreis Ludwigsburg für die Grünen in den Landtag einziehen möchte, will im Land etwas bewegen – beispielsweise beim Ausbau des Nahverkehrs. Sie will aber auch dafür sorgen, dass das Land mit grünen Ideen die Bundespolitik befruchtet, etwa in Flüchtlingsfragen. Das erzählt sie bei einem Spaziergang in Asperg.

Silke Gericke erzählt im Schneetreiben von ihren Zielen. Foto: Holm Wolschendorf
Silke Gericke erzählt im Schneetreiben von ihren Zielen. Foto: Holm Wolschendorf

Asperg/Ludwigsburg. Es schneit, der Wind bläst die Flocken ins Gesicht, dass man die Augen kneifen muss. Die Menschen, den Kragen hochgezogen und mit Mützen ausgestattet, eilen vorbei. Es ist ein Wetter, das die Ludwigsburgerin nicht schreckt. „Die Kinder freut’s“, lächelt Silke Gericke das Schneetreiben weg. Die 46-Jährige hat in die neue Mitte nach Asperg eingeladen, wir wollen von ihr bei einem Spaziergang mehr über sie erfahren.

Doch warum Asperg und nicht Ludwigsburg? Mit ihrem Parteikollegen Jürgen Walter, der Asperger ist und den sie mit ihrer Kandidatur ausstach, hat es nichts zu tun, sagt sie. Der Hohenasperg sei neben dem Lemberg einer ihrer Lieblingsplätze. „Von oben hat man einen guten Überblick“, ergänzt sie. Sieht Asperg, sieht Tamm – und beide gehören neben anderen mit zum Wahlkreis Ludwigsburg.

Den Hohenasperg lassen wir aus, dafür ist es doch zu weit und zu kalt. Es wird eine Runde durch die Ortsmitte, bis hinüber zum Bürgerpark. Ein grüner Park mit Spielgeräten und Bänken unter Bäumen. „Als wir noch in der Ludwigsburger Abel-straße gewohnt haben, sind wir oft hier gewesen“, erzählt sie. Eine Attraktion für die Familie war der Boule-Platz, wo man sich mit den Kindern aufhielt, mit anderen ins Gespräch kam.

Es ist auch ein Ort, der für sie beispielhaft ist. Städte brauchen solche Plätze, sagt Silke Gericke, die für die Grünen im Gemeinderat sitzt. Und, sollte sie ein Mandat für den Stuttgarter Landtag bekommen, würde sie als Stadträtin ihr Amt beibehalten und weiterhin dafür kämpfen, dass Ludwigsburg sich verändert. Dass der Karlsplatz hinter der Friedenskirche zu einem Platz wird, der Aufenthaltsqualität bietet. „Gerade wer im Landtag sitzt, sollte den direkten Austausch vor Ort suchen.“

Trotz derzeit guter Prognosen für die Grünen, die im Wahlkreis zuletzt das Direktmandat holten, bleibt Silke Gericke zurückhaltend. „Ich will den Tag nicht vor dem Abend loben“, betont sie. Politisch will sie aber was bewegen, gerade auch auf Landesebene. Als Büroleiterin der grünen Landtagsabgeordneten Elke Zimmer ist sie nah dran an den Themen, die Baden-Württemberg bewegen. Wie elektrisiert spricht sie davon, was die Landespolitik bewegt. „Ich will was gestalten, mit meiner Meinung nicht zurückhalten“, sagt sie, wobei sie versucht, sich digital über Onlineangebote und Videochats mit den Wählern auszutauschen.

Sie versteht sich als politischer Mensch, der früh mitbekommen hat, was es heißt, für etwas einzutreten. Am „Eisernen Vorhang“ aufgewachsen, erlebte sie den Kampf um die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf mit. Ihr Vater stand als Bundesgrenzschutzbeamter auf der einen, ihre Freunde auf der anderen Seite des Zauns. Entscheidend für ihren Weg zu den Grünen wurde 1998 der Bundestagswahlkampf. Joschka Fischer, damals die Führungsfigur bei den Grünen, hat sie überzeugt.

Ihre Familie weiß sie hinter sich

Sie studierte Sprach- und Literaturwissenschaften, in Stuttgart arbeitete sie für einen Kinderbuchverlag und kümmerte sich, wie sie erzählt, um ein Käpt’n Blaubär Magazin – ein bei Kindern recht beliebte Geschichtenfigur. Nach ihrer Erziehungspause für ihre drei Kinder, die heute 13, 14 und 16 Jahre alt sind, arbeitete sie im Büro des Grünen-Abgeordneten Daniel Renkonen.

Jetzt hängen überall in den Straßen Plakate mit ihr als Kandidatin. Auch in Asperg entlang der Straße, wo das Schneetreiben etwas nachgelassen hat. Ihre Familie weiß sie hinter sich. Ihr Mann arbeitet im Verkehrsministerium bei Winfried Hermann, ihr ältester Sohn hat für den Ludwigsburger Jugendgemeinderat kandidiert. „Wir reden schon darüber, warum manches so ist und nicht anders“, erzählt sie. Die Kinder fragen nach, manchmal hätten sie es aber auch lieber, wenn sie als Grüne nicht so in der Öffentlichkeit stünde. Vor allem dann, wenn ihnen Vorwürfe gemacht würden, etwa wegen des Fahrverbots in Stuttgart.

Silke Gericke versteht das, sagt ihnen aber auch, dass es immer so ist, wenn man für etwas eintritt. Ohne das würde sich nichts ändern. Zu ändern gibt es ihrer Ansicht nach genug. Allein im Bereich Mobilität, wo es in ihrem Wahlkreis nicht reicht, eine „kleine Kreisbahn“ zu reaktivieren. Man brauche eine richtige Stadtbahn, die Remseck anbindet und genauso Schwieberdingen mit der Firma Bosch berücksichtigt.

Bildungsgerechtigkeit liegt ihr am Herzen

Dass Fahrradfahren derzeit im Trend liegt, „freut mich“, stellt sie fest. Sie selbst fährt mit Rad und S-Bahn zur Arbeit nach Stuttgart. Das Land biete auch enorme Fördermöglichkeiten, für Radschnellwege oder, wie jüngst in Ludwigsburg, für eine zweite Bahnunterführung. Auch die Planung dazu werde vom Land unterstützt. „Geld für die Mobilitätswende ist da.“ Sie hält das für den richtigen Weg, auch wenn die Projekte in die Millionen gehen. Die Westrandstraße, die derzeit gebaut wird, hält sie für genauso unnötig wie den oft von anderer Seite herbeigewünschten Nord-Ost-Ring, der die Landschaft verschandele.

Das Thema Bildungsgerechtigkeit liegt ihr am Herzen, zumal sie schon zu Hause durch ihre Kinder viele Eindrücke bekommt. Dass die Digitalisierung an Schulen jetzt endlich greift, sei bitternötig gewesen. Corona habe hier als Beschleuniger gewirkt.

Am Parkhaus in der neuen Mitte angekommen, die Füße werden kalt, fordert sie mit Feuereifer mehr Toleranz in der Gesellschaft und eine bessere Flüchtlingspolitik ein. „Da kann Baden-Württemberg mehr tun“, sagt Silke Gericke und wundert sich. Ihr sei gar nicht kalt.

Info: Auf unserem Instagram-Kanal (@ludwigsburgerkreiszeitung) unter dem Highlight „Landtagswahl“ finden Sie zudem kurze Porträts der Kandidaten in Videoform.

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