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2338 Unterschriften für mehr Menschlichkeit am Bahnhof

Initiatoren übergeben die Listen gegen die Schließung des DB-Reisezentrums in Korntal an den VRS – Regionaldirektorin und Bahn widersprechen Befürchtungen

Nicola Schelling bei der Unterschriftenübergabe mit Dagmar Müller-Buchalik und Otto Koblinger (von links) und weiteren Vertretern. Foto: Julia Schweizer
Nicola Schelling bei der Unterschriftenübergabe mit Dagmar Müller-Buchalik und Otto Koblinger (von links) und weiteren Vertretern. Foto: Julia Schweizer

Korntal-Münchingen/ Stuttgart. Es war ein kleines Wort, das für Dagmar Müller-Buchalik nach dem Termin bei Regionaldirektorin Nicola Schelling am einprägsamsten war: „sogar“. Denn sie selbst, so die Chefin des Verbands Region Stuttgart (VRS), habe schon in einem Video-Reisezentrum ein Ticket gekauft, das habe sogar funktioniert, sagte sie im Gespräch mit der Delegation aus Korntal-Münchingen. Diese hatte 2338 Unterschriften mitgebracht, weil sie solche Erlebnisse an ihrem Bahnhof nicht will, zumindest nicht ausschließlich.

Denn gerade für Ältere oder Menschen mit Beeinträchtigungen seien die Pläne, zum Jahreswechsel den Schalterverkauf einzustellen, „nicht hinnehmbar“ (wir berichteten). Viele hätten Berührungsängste, wenn sie stattdessen über einen Automaten Kontakt mit einem Bahn-Mitarbeiter aufnehmen müssten, appellierte der VdK-Ortsvorsitzende und zweite Initiator der Unterschriftenaktion, Otto Koblinger, die vom VRS abgesegneten Änderungen zurückzunehmen. Man könne doch beide Systeme parallel anbieten, so wie das für andere Standorte in der Region geplant ist. Viele in Korntal sahen das offenbar ähnlich, denn es sei „sehr einfach“ gewesen, die 2338 Unterschriften zusammenzubekommen, sagte er. Eine Zahl, die auch Schelling ein „Wow!“ entlockte.

Allerdings machte sie auch ihren Standpunkt deutlich: Man dürfe sich die Videoautomaten nicht wie ein kompliziertes digitales System vorstellen. Sondern es gebe einen Knopf, den drücke man, und dann erscheine das Bild von jemandem, der mit einem spricht. Einiges werde mit der Umstellung besser, die Öffnungszeiten ab Januar auf das Doppelte verlängert. Und auch nach der Servicezeit könne man per Knopfdruck im Notfall Hilfe oder nachts ein Taxi rufen, zählte Schelling auf. Auch sei die Video-Zentrale von Krankheitsausfällen nicht so betroffen wie ein Ein-Mann-Schalter, ergänzte ihr Kollege Daniel Deubel.

Angesiedelt sind die Bahn-Mitarbeiter in Ludwigsburg. Und das werde auch so bleiben und nichts ausgegliedert, entgegnete DB-Verkaufsbezirksleiter Michael Koeßler der Befürchtung des Korntalers Michael Seehoff. Er hatte auch die Frage nach der Zuverlässigkeit gestellt, die laut Deubel dem VRS ebenfalls sehr wichtig gewesen sei. „Die Bahn muss eine Verfügbarkeit von 97 Prozent garantieren.“ Sollte es einen Ausfall geben, müsse der laut Vertrag nach 24 Stunden behoben sein.

Deubel und Schelling appellierten, sich das Ganze in Ruhe in der sechsmonatigen Testphase anzuschauen. In dieser Zeit werde in Korntal und Marbach, wo das Gleiche geplant ist, auch die Zufriedenheit evaluiert. Wer das System nicht nutzen wolle, werde dabei aber nicht erfasst, kritisierte Koblinger. Zurücknehmen könne man die Pläne nicht, so Schelling. Das sah Müller-Buchalik ein und sagte: „Man kann die Entwicklung vielleicht nicht aufhalten, aber menschlicher gestalten.“

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