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Am Ende werden‘s doch noch acht

Nach zähem Beginn nimmt das Kandidatenkarussell kurz vor Bewerbungsschluss Fahrt auf – Frauen melden keine Ambitionen an

Sie wollen Bürgermeister in Erdmannhausen werden (obere Reihe, von links): Marc Fuchs, Stephan Erdmann, Jürgen Olma, Robin Reindl. Untere Reihe von links: Marcus Kohler, Silvio Strauß, Andreas Oberman und Ulrich Raisch.Fotos: privat/LKZ-Archiv
Sie wollen Bürgermeister in Erdmannhausen werden (obere Reihe, von links): Marc Fuchs, Stephan Erdmann, Jürgen Olma, Robin Reindl. Untere Reihe von links: Marcus Kohler, Silvio Strauß, Andreas Oberman und Ulrich Raisch. Foto: privat/LKZ-Archiv

erdmannhausen. Gestern nach 18 Uhr gab es noch einmal einen letzten Blick in den Rathaus-Briefkasten und seither steht fest: Für die Bürgermeisterwahl am 15. März gibt es acht Bewerbungen. Wer den Chefsessel im Rathaus übernimmt, ist ungewiss, eines aber sicher: Auf Birgit Hannemann, die nach einer Amtszeit aufhört, folgt keine Frau, denn nur Männer haben ihren Hut in den Ring geworfen.

Der Eingang der Bewerbungen auf das Bürgermeisteramt in der über 5000 Einwohner zählenden Gemeinde folgte durchaus einer gewissen Dramaturgie mit zähem Beginn und einem Gedrängel auf der Zielgeraden. Mögliche Kandidaten hielten sich lange Zeit bedeckt, am Samstag gab es eine und am gestrigen Montag trafen noch vier Bewerbungen ein. Die Bürger haben jetzt eine echte Wahl, lange Zeit hat es aber gar nicht danach ausgesehen.

Nach dem Frühstart von Marc Fuchs aus Kleinbottwar, der schon Mitte November und damit einen Monat vor der offiziellen Stellenausschreibung aus der Deckung gekommen war, herrschte erst einmal lange Zeit Funkstille. Der 33-jährige gelernte Sozialversicherungsfachangestellte und selbstständige Berater von Politikern und Unternehmen geht als politisch unabhängiger Kandidat ins Rennen. Er beackerte das Feld lange Zeit völlig ungestört, vor vier Wochen war er immer noch der einzige Bewerber und die Gemeinderäte wirkten ratlos. Auch der CDU-Kreisrat und langjährige Gemeinderat Horst Stegmaier führte zahlreiche Gespräche, sondierte die Lage, pflegte Kontakte und war ernüchtert.

Es wurde gerätselt, woran es liegt, zumal die Gemeinde gut dasteht. Sie hat eine hervorragende Infrastruktur und ein künftiger Bürgermeister kann dieses Jahr die Früchte der Arbeit seiner Vorgängerin ernten: Kunstrasenplatz, Schulturnhalle und Kinderhaus stehen vor der Fertigstellung. Seinerzeit waren sich alle einig: Ein Verwaltungsprofi sollte Rathauschef werden.

Ende Januar traf schließlich die zweite Bewerbung ein. Der 43-jährige Stephan Erdmann aus Asperg, der als Netzwerk-Administrator in einer Firma in Murr tätig ist, meinte, dass er allein schon aufgrund seines Namens nach Erdmannhausen passe. Erdmann ist seit einem Jahr Mitglied der Piratenpartei und gehört mittlerweile dem Vorstand des Bezirksverbandes der Piraten an.

Am 11. Februar folgte schließlich die dritte Bewerbung: Jürgen Olma aus Oberstenfeld erklärte seine Kandidatur. Der 56-jährige ist Diplom-Bankbetriebswirt und hat an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl zusätzlich die Qualifikation für den gehobenen nichttechnischen Dienst erworben. Olma war bis Mitte 2019 Bürgermeister in der knapp 2000 Einwohner zählenden Stadt Widdern im Kreis Heilbronn, wo er nicht mehr wiedergewählt wurde. Olma verantwortet derzeit im Abwasserzweckverband Unteres Sulmtal die Finanzen und das Beteiligungscontrolling.

Am Wochenende war dann schließlich das Quartett perfekt: Der 27-jährige Robin Reindl aus Benningen gab seine Bewerbung ab. Reindl ist seit fünf Jahren im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Projektmanagement Steuerung und Förderung von EU-Maßnahmen tätig, der gelernte Verwaltungsfachangestellte und geprüfte Wirtschaftsfachwirt (IHK) bringt außerdem Verwaltungserfahrung aus Ludwigsburg und Bietigheim mit.

Am gestrigen Montag ging es dann nochmals hoch her. Am Vormittag traf zunächst die Bewerbung des 41-jährigen Silvio Strauß aus Ludwigsburg ein. Der technische Angestellte beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gehört dem Vorstand des SPD-Ortsvereins Ludwigsburg an, tritt aber politisch unabhängig an, wie er betont.

Am Nachmittag folgte Bewerbung Nummer sechs: Der 49-jährige Marcus Kohler aus Ludwigsburg gab seine Unterlagen ab. Der studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler führt seit mehr als 20 Jahren eine Management- und Personalberatung. Kommunalpolitisch engagiert er sich im Vorstand der Freien Wähler Ludwigsburg sowie im Stadtteilausschuss und im Bürgerverein Oßweil. Daneben ist er stellvertretender Jugendleiter und Jugend-Fußballtrainer bei der DJK Ludwigsburg. Vor knapp fünf Jahren hatte Kohler bei der Bürgermeisterwahl in Oberstenfeld kandidiert und war Wahlsieger Markus Kleemann nur knapp unterlegen.

Ebenfalls seit gestern dabei: Der 59-jährige Dauerkandidat Ulrich Raisch und der 56-jährige Ingersheimer Internethändler Andreas Oberman, der auch in Ingersheim kandidiert und am Sonntag 26 Stimmen geholt hatte.

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