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Kommunalpolitik

Auftritt der „glorreichen Sieben“

Kandidaten stellen sich vor – Zwischen Zukunftswerkstatt, Feuerwehrgerätehaus, und Gewerbegebiet

Volles Haus bei der Kandidatenvorstellung. Die Bewerber (von links) : Marc Fuchs, Ulrich Raisch, Marcus Kohler, Robin Reindl, Jürgen Olma, Stephan Erdmann und Andreas Oberman. Noch-Bürgermeisterin Birgit Hannemann (rechts) moderierte die Veranstaltun
Volles Haus bei der Kandidatenvorstellung. Die Bewerber (von links) : Marc Fuchs, Ulrich Raisch, Marcus Kohler, Robin Reindl, Jürgen Olma, Stephan Erdmann und Andreas Oberman. Noch-Bürgermeisterin Birgit Hannemann (rechts) moderierte die Veranstaltung in der Halle auf der Schray. Foto: Holm Wolschendorf

Erdmannhausen. Sieben Kandidaten und eine mit rund 800 Besuchern dicht besetzte Halle auf der Schray prägten die offizielle Bewerbervorstellung der Gemeinde am Donnerstagabend. Am Sonntag, 15. März gilt es, dann wird der neue Bürgermeister gewählt und sieben Männer wollen Birgit Hannemann beerben, die nach einer Amtszeit auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte und jetzt Geschäftsführerin eines Fachverbandes für Familienpflege und Nachbarschaftshilfe wird.

Die Bewerber stellten sich jetzt erstmals gemeinsam dem Publikum in einer fast dreistündigen Veranstaltung vor, ein weiterer Auftritt der „glorreichen Sieben“ folgt am nächsten Mittwoch 11. März um 19 Uhr bei der LKZ-Podiumsdiskussion in der Halle auf der Schray. Die Bewerbervorstellung der Gemeinde zeigte, sich dass es klare Standpunkte und auch mal Grund zum Lachen gibt. Die Kandidaten im Überblick:

Marc Fuchs: Der 33-jährige selbstständige Politikberater war schon aus der Deckung gekommen, als die Bürgermeisterstelle noch gar nicht ausgeschrieben war und ist seither regelmäßig im Ort unterwegs. Ändern will er in Erdmannhauen nach eigenem Bekunden nicht viel, eher das Bewährte fortführen.

„Erdmannhausen hat eine nahezu perfekte Infrastruktur“, sagte Fuchs, hob aber dann doch auf künftige Schwerpunkte ab. Der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses, das interkommunale Gewerbegebiet mit Marbach sowie die Verbesserung der Verkehrs- und Parksituation in der Ortsmitte. „Das ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde muss gefördert werden“, sagte Fuchs vor allem an die Adresse von Feuerwehr und Roten Kreuz.

Stephan Erdmann: Der 43-jährige Informatiker aus Asperg hat sich, wie er berichtete vor einem Jahr entschlossen, Politik zu gestalten. Er trat der Piratenpartei bei und setzt sich seither für Transparenz und Teilhabe ein. Er regte regelmäßige Schulungen zur Datenschutzgrundverordnung an und empfahl sich als neutraler Ansprechpartner für die Vereine.

„Ich bin ein Familienmensch und sensibel für Barrierefreiheit“, sagte Erdmann, der auch plant, dass Gemeinderatssitzungen künftig online verfolgt werden können. Die Begrüßungsmappe für Neubürger sollte ebenfalls in einer Onlineversion erhältlich sein. Als weitere Schwerpunkte bezeichnete der E-Bike-Fahrer eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs und die Umsetzung alternativer Mobilitätskonzepte.

Jürgen Olma: Der 56-jährige stellte ein Entwicklungskonzept für die Zukunft der Gemeinde vor. „Mein Ziel ist es, Menschen zusammenbringen, zu motivieren und zu begeistern“, sagte der Ex-Bürgermeister von Widdern im Kreis Heilbronn. Dass sich wieder mehr Menschen für Politik interessieren sah er als Chance für die Erarbeitung von Zukunftsentwürfen in einer Bürgerwerkstatt. „Ich will nicht alles auf den Kopf stellen, aber den Kopfstand auch nicht ausschließen“, so Olma.

Er sprach der Gemeinde eine Schlüsselrolle bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu und regte die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft an.

Robin Reindl: Der 28-jährige Sachbearbeiter im Landwirtschaftsministerium hob seine Verwaltungserfahrung hervor. Als Jüngster in der Bewerberriege überzeugte der Benninger mit einem souveränen Auftritt. Er lobte zwar die Arbeit der Bürgermeisterin und des Gemeinderates, die ein bestelltes Haus hinterließen, warb aber auch dafür, die Zukunft weiter zu entwickeln. Einen Rathauschef bezeichnete er als Lenker, Vordenker und Visionär. „Es braucht ein Team, in dem der Bürgermeister die Rolle des Kapitäns übernehmen kann“, so Reindl. Als wesentliche Ziele nannte er, die Finanzen der Kommune in den Griff zu bekommen und für die örtliche Feuerwehr einen Neubau zu realisieren.

Marcus Kohler: Der 49-jährige Unternehmens- und Personalberater empfahl sich gleich für die nächsten 16 Jahre als Bürgermeister, der Oßweiler bezeichnete das Amt als Lebensaufgabe und seine Analyse war klar: Die Infrastruktur sei vorbildlich und die finanzielle Gesamtlage solide. „Es gilt, die Errungenschaften zu bewahren und auszubauen“. Er stellte dabei seine Agenda vor, die er auch mit den Bürgern im Rahmen eines Zukunftsforums entwickeln will. Kohler sprach sich klar für das gemeinsame Gewerbegebiet mit Marbach aus, Verhandlungen müssten aber auf Augenhöhe stattfinden. Er schlug überdies einen Bürgerbus, ein Mehrgenerationenhaus und die Wiederbelebung von „Kultur in der Provinz“ vor.

Ulrich Raisch: Für den 59-jährigen Musikpädagogen aus Stuttgart ist es immerhin die 50. Bürgermeisterkandidatur und Raisch bezeichnete sich aufgrund seiner Studienabschlüsse als dreifach qualifiziert für dieses Amt. Da die Kinderbetreuung immerhin die Hälfte der Personalkosten in Erdmannhausen ausmache, sah er die Zeit gekommen, um hier sein Konzept eines Musikkindergartens zu präsentieren. „Die Zukunft sind unsere Kinder und Jugendlichen“, sagte Raisch.

Andreas Oberman: Der 56-jährige Internethändler und ehemalige Taxiunternehmer mit Universitätsdiplom, sah sich ausreichend qualifiziert, um als Bürgermeister in Erdmannhausen zu wirken. Seine Bewerbungsrede glich wie schon vor einem Monat bei der Ingersheimer Bürgermeisterwahl, wo er erstmals kandidierte, eher einer Erzählung aus seinem wechselvollen Leben zwischen Rio und Kleiningersheim. „Ich wollte in die Welt hinaus, als Playboy an der Copacabana“. Damit trug er auch zur Erheiterung des Erdmannhäuser Publikums bei.

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