Logo

Bahn

Autofahrer sehen zu lange Rot

Strohgäubahn-Schranken wegen neuer Technik nun länger geschlossen – Betroffen vor allem Bahnhofsumgebungen

350_0900_20785_24_11_16Wolschendorf_6.jpg
Die Bahn hat immer Vorfahrt – auch wenn Autofahrer deshalb lange warten müssen, bis überhaupt eine auftaucht, so wie das in Münchingen passieren kann. Archivfoto: Holm Wolschendorf
350_0900_20786_16_10_18Buerkle_5.jpg
Messung am Bahnhof Hemmingen.Foto: O. Bürkle

Hemmingen/Korntal-Münchingen. In Hemmingen sieht man derzeit Rot – und zwar zu lange. Seit den Sommerferien müsse man länger als zuvor an den Schranken warten, wenn eine Strohgäubahn komme, so die Klagen mehrerer Bürger, die auch die Gemeinderäte erreicht hatten. Besonders gravierend sei das in der Hochdorfer Straße am Bahnhof, hatte Wolfgang Gerlach das Thema im Gemeinderat aufgebracht. Denn da schalte die Ampel schon auf Rot, wenn man den aus Heimerdingen kommenden Zug noch gar nicht sehe. Und bis die Schranken, nach dem Halt am Bahnhof, wieder hochgingen, hätte er schon in einem nahegelegenen Lokal bestellt und eine Cola halbleer getrunken, pflichtete Jörg Haspel bei.

Auch eine eigene Messung bestätigt, dass die Anfahrtsrichtung entscheidend ist. Knapp eineinhalb Minuten dauert es, wenn der Zug aus Schwieberdingen kommt, bis die Schranke wieder hochgeht, währenddessen steigen am Bahnhof Fahrgäste aus und ein. Zweieinhalb Minuten sind es dagegen aus der Gegenrichtung, der Stau ist nun deutlich länger. „Im Worst Case kommt der Zug nicht zum Halt und rutscht durch bis zur Straße“, konnte Bürgermeister Thomas Schäfer in der darauffolgenden Sitzung das Ergebnis seiner Anfrage nach dem Grund berichten. „Sehr sinnvoll“ sei das, sagte Martin Pfeiffer, während andere von „nerviger Warterei“ sprachen. Und die ist ungewohnt, schließlich fährt das Bähnle erst seit September wieder von Heimerdingen nach Hemmingen, einst Endhaltestelle.

Durch den Einbau der neuen Leit- und Sicherungstechnik haben sich die Schließzeiten aber tatsächlich etwas verlängert, ergibt eine Anfrage beim Landratsamt, „weil die Sicherheitsstandards höher sind“. Grundlage dafür ist eine eigene „Bahnübergangsvorschrift“, aus der sich ergebe, wie lange Übergänge zu sein müssen. Im Einzelfall müsse das aber vor Ort angesichts der Streckengeschwindigkeit und Sichtfelder ermittelt werden.

Aus diesem Grund kommen auch am Münchinger Bahnhof – dort gab es ebenfalls Klagen – ganz andere Zeiten heraus. 20 Sekunden, nachdem die Ampel an der Flattichstraße auf Gelb und umgehend Rot springt und der Signalton ertönt, ist die Schranke zu – früher als in Hemmingen. Doch dann heißt es warten. Beim Test etwas mehr als zwei Minuten, bis der Zug aus Korntal herannaht und den Überweg passiert, weitere 20 Sekunden später sind die Schranken dann ganz oben.

Kommt der Zug dagegen aus Richtung Schwieberdingen, schließen sich die Schranken auf der anderen Seite des Bahnhofs noch nicht. Hier vergeht nur gut eine Minute, bis es wieder freie Fahrt für Autos gibt. Dafür geht offenbar zeitgleich auch schon die im weiteren Verlauf nächstgelegene Schranke herunter, denn am Übergang an der Stuttgarter Straße steht man wegen Zügen aus Schwieberdingen etwa eine halbe Minute länger als in die Gegenrichtung.

Mehr als 165 Sekunden Wartezeit ergaben die Messungen aber nicht – noch nicht. Denn wie berichtet haben mehr als 300 Hemminger mit Unterschriften eine Fußgängerquerung vor den Schranken am Bahnhof gefordert. Am Donnerstag nun war der langersehnte Termin im Verkehrsministerium. Ergebnis: Im Dezember soll es – zwei Jahre nach der ersten – erneut eine Verkehrsschau geben, bis dahin weitere Zahlen über die Folgen der präferierten Ampel vorliegen. Und diese könnte Schließzeiten von vier Minuten bedeuten, so Schäfer. Zudem sei noch nicht klar, ob eventuell die Schranken auch schließen, wenn nur ein Fußgänger die Straße queren wolle. Offen sei ebenso, wer für die Kosten aufkomme. Immerhin ist wohl vom Tisch, dass nur die Gemeinde den auf jeden Fall sechsstelligen Betrag alleine aufbringen muss. Schäfer hofft nun nur noch eines: „Dass es nicht noch mal so lange dauert, bis sich etwas tut.“

Info: Der Bahnübergang Hochdorfer Straße ist von Sonntag, 18 Uhr, bis Dienstag, 6 Uhr, wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Der Fahrzeugverkehr wird über Hochdorf umgeleitet.