Kreis Ludwigsburg. „Impulse für berufliche Bildung“ lautete das Motto des zweitägigen Zukunftskongresses in Mannheim, an dem vor kurzem aus dem Landkreis Ludwigsburg drei berufliche Schulen aus Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg/Kornwestheim teilgenommen haben.
KI-Einsatz im Unterricht in Bietigheim-Bissingen
2024 hat das Kultusministerium Baden-Württemberg das auf mehrere Jahre angelegte Großprojekt „Innovationslabor Berufliche Schulen“ (innolab_BS) initiiert, um innovative Ideen zu erproben und so den technischen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozess beruflicher Schulen voranzutreiben. Die zentralen Kernbereiche von innolab_BS sind Innovation, Nachhaltigkeit, Netzwerke, Organisation, Lernkultur, Agilität und Befähigung.
Bereits in der ersten Tranche (2024 bis 2027) wurden das Berufliche Schulzentrum Bietigheim-Bissingen und die Erich-Bracher-Schule (EBS) aufgenommen und setzen seither innovative Technologien im Unterricht ein. In Bietigheim-Bissingen kommt in verschiedenen Schularten und Fächern KI zur Anwendung. Die Lehrkräfte lernen verschiedene Chatbot-Anbieter wie beispielsweise ChatGPT, fobizz oder telli kennen und bringen den Schüler zielgerichtetes Prompten, also das präzise Eingeben von Befehlen und Anweisungen an die KI, bei, heißt es in einer Mitteilung der Schulen.
Virtuelle Supermärkte in Kornwestheim
Die EBS Kornwestheim erprobt in einem gemeinsamen Projekt mit der Digital Toolbox GmbH den Einsatz der VR-Technologie im Unterricht der Ausbildungsberufe Verkäufer/in und Kaufleute im Einzelhandel. Ziel des Projektes ist es, die Umsetzung der Bildungsplaninhalte durch den Einsatz von VR möglichst praxis-, realitätsnah und handlungsorientiert zu gestalten. Die Auszubildenden tauchen in der Schule in VR-Welten ein, welche die Lerninhalte erlebbar machen und somit die betriebliche Praxis in das Klassenzimmer holen. So wird beispielsweise ein virtueller Supermarkt – unter Berücksichtigung der theoretischen Vorgaben bei der Gestaltung von Verkaufsräumen – eingerichtet.
Carl-Schaefer-Schule stärkt Selbstkompetenz
Die in der zweiten Tranche (2026 bis 2029) aufgenommene Carl-Schaefer-Schule erprobt in vier Klassen der einjährigen Berufsfachschule bei den Kfz-Mechatronikern ein innovatives Konzept zur Förderung von Selbstkompetenz und zur Festigung von Grundlagenwissen. Auf Basis der Positiven Psychologie lernen Schülerinnen und Schüler, ihre Stärken zu erkennen, Ziele für sich zu entwickeln und die Verantwortung für ihren Lernweg zu übernehmen. Herzstück ist ein persönliches Ich-Portfolio, in das Inhalte aus dem Deutschunterricht integriert sind.
Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wird gestärkt
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich dabei mit ihren Wurzeln, Motiven und Zukunftsperspektiven auseinander und lernen gleichzeitig die klassischen Inhalte, Texte zu analysieren und zu verstehen und sich sprachlich angemessen auszudrücken. Der persönliche Bezug stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und damit auch die Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen und die Frustrationstoleranz. Die Orientierung an den Stärken und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler kommt gut an: „Das fühlt sich gar nicht wie Unterricht an, eher wie Lebenskunde“, beschreibt Levente, wie er die Unterrichtsinhalte erlebt.
Lernen mit Blick auf die Zukunft
Ergänzt wird das Projekt durch gezielte Lernförderung in den mathematischen Grundlagen sowie in der Rechtschreibung; auch soziale Themen wie Medienkompetenz werden mitbedacht. Das alles geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit und externen Partnern, die gemeinschaftsfördernde Projekte in den Klassen durchführen. Das Ziel ist es, die Motivation, Leistungsfähigkeit und den Bildungserfolg der jungen Menschen nachhaltig zu stärken und Ausbildungsabbrüche deutlich zu reduzieren, heißt es in der Mitteilung abschließend. (red)
