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Filmpremiere

Besigheim kommt im Kino groß raus

Es ist ein Heimspiel für Produzentin Kathrin Tabler gewesen: Bei der offiziellen Deutschlandpremiere von „Zoros Solo“ am Dienstagabend in Stuttgart waren viele Besigheimer unter den Zuschauern. Kein Wunder, schließlich ist der Film mit Andrea Sawatzki vor allem in Besigheim gedreht worden – und das ist nicht zu übersehen.

Im Sommer 2018 noch im Entstehen, jetzt ist der Film fertig: Die Premiere von „Zoros Solo“ wird in Stuttgart gefeiert.
Im Sommer 2018 noch im Entstehen, jetzt ist der Film fertig: Die Premiere von „Zoros Solo“ wird in Stuttgart gefeiert.
Das freut auch Produzentin Kathrin Tabler, Schauspielerin Andrea Sawatzki, Regisseur Martin Busker, Filmverleiher Christoph Ott und Schauspieler Mert Dincer. Fotos: Holm Wolschendorf (Archiv)/NFP Marketing & Distribution GmbH
Das freut auch Produzentin Kathrin Tabler, Schauspielerin Andrea Sawatzki, Regisseur Martin Busker, Filmverleiher Christoph Ott und Schauspieler Mert Dincer. Foto: Holm Wolschendorf (Archiv)/NFP Marketing & Distribution GmbH

Stuttgart/Besigheim. Lange bevor sich die Türen zum Kinosaal im „Atelier Am Bollwerk“ öffnen, herrscht dichtes Gedränge. Das Interesse an der ersten offiziellen Aufführung von „Zoros Solo“ ist groß. Mehr als 500 Menschen werden den Film an diesem Dienstagabend bei mehreren Vorführungen sehen, wie Filmverleiher Christoph Ott von NFP Marketing & Distribution später sagen wird; das sei ein super Besuch. Mitten im Gedränge steht Kathrin Tabler. Die Besigheimerin arbeitet als Produzentin und kam im Sommer 2018 mit ihrer Filmcrew zurück in ihre Heimatstadt, um den „modernen Heimatfilm“ zu drehen. Auch in Bönnigheim und Ottmarsheim gab es Aufnahmen (wir berichteten).

Jetzt endlich ist der Kinofilm fertig und die Aufregung der Filmcrew vor der Premiere dementsprechend groß. Wobei sie das nicht sein müsste, beim Filmfestival in Emden wurde „Zoros Solo“ bereits gezeigt und kam bestens an. Das ist am Dienstagabend nicht anders: Als der Abspann über die Leinwand flimmert, stehen die Zuschauer auf und applaudieren minutenlang. Hinter ihnen liegt ein 90-minütiger Kinofilm, der viele Emotionen weckt. Gerade bei denjenigen, die aus dem Drehort stammen, dürfte das Werk auch ein bisschen Heimatstolz hervorgerufen haben. Denn Besigheim, das im Film Liebigheim heißt, kommt schmuck daher. Die Szene, in der sich die beiden Hauptdarsteller Andrea Sawatzki (Frau Lehmann) und Mert Dincer (Zoro) zum ersten Mal begegnen, spielt am Marktplatz. Das Rathaus ist zu sehen und der Blick geht die Kirchstraße hinunter zum Waldhornturm, wo hoch oben die Besigheimer Stadtflagge weht. Auch die Stadtkirche spielt gleich zum Filmauftakt eine tragende Rolle.

Immer wieder werden zudem Ansichten der Altstadt gezeigt, die von der Enzseite her aufgenommen wurden. Und es ist wirklich beeindruckend, wie Orte, Plätze und Stellen, die einem fast täglich begegnen, ihre Wucht auf einer Kinoleinwand entfalten können.

Die meisten der Besigheimer Zuschauer an diesem Abend haben die damaligen Dreharbeiten direkt verfolgen können; denn diese prägten für einige Zeit das Leben in der Stadt. So wurden die Anwohner Zeuge, wie aufwendig eine Kinoproduktion sein kann, wie häufig eine Szene wiederholt werden muss, auch wenn die Drehtage verhältnismäßig kurz waren: Insgesamt 25 Tage wurde nur gedreht, wie Regisseur Martin Busker später erzählt. Viele Szenen wurden in und an der Friedrich-Schelling-Schule aufgenommen, in der im Film eine Flüchtlingsunterkunft untergebracht ist. Auch hier gibt es Hinweise auf den Drehort: In einem Fenster ist das Stadtwappen zu erkennen.

Viele der Gäste wirkten auch als Komparsen mit. So zum Beispiel Wolfgang Harsch aus Besigheim, der bei einer Konzertszene im Publikum sitzt. Er glaube zwar nicht, dass er im Film zu erkennen sei, sagt Harsch vor Beginn, doch es sei spannend, den fertigen Film zu sehen. Auch wenn „Zoros Solo“ einen ernsten Hintergrund hat, gibt es viel zu lachen. Die gängigen Klischees – etwa von grantigen Wutweibern und kriminellen Flüchtlingen – werden überspitzt, fast schon ins Absurde überdreht. Um die beiden Hauptfiguren ist eine unterhaltsame und rührende Geschichte gestrickt worden: Der 13-jährige Afghane Zoro ist mit Mutter und Schwestern nach Deutschland geflohen. Der Vater hingegen hat es in Ungarn nicht mehr über die Grenze geschafft. Als Zoro dann erfährt, dass der christliche Knabenchor der biestigen Frau Lehmann zum Wettbewerb nach Ungarn fährt, will er unbedingt mit, um so seinen Vater irgendwie über die Grenze schmuggeln zu können.

Der Dank Kathrin Tablers geht später, nachdem der Applaus verebbt ist, „an all die Geflüchteten, die vor und hinter der Kamera mitgewirkt haben. Sie haben dem Film eine Relevanz gegeben.“ Und schon brandet wieder Applaus auf. Der Zuspruch für ihre Arbeit bewegt die Produzentin sichtlich, sie müsse erst einmal durchatmen. „Zoros Solo“ sei für sie ein moderner Heimatfilm, sagt sie und verweist auf ihre Heimatstadt Besigheim: „Sind ein paar Besigheimer im Saal?“, fragt sie eher rhetorisch und sogleich schnellen Hände in die Luft und es wird gejubelt. „Schön, dass ihr da seid. Ihr habt den Film vor und hinter der Kamera unterstützt.“

Um so einen Film zu machen, meint Kathrin Tabler, brauche man Heimat, Herz und auch Liebe – und Letztere hätten die Schauspieler für den Film gegeben. Andrea Sawatziki, die mit all den anderen Mitwirkenden vor und hinter der Kamera auf die Bühne gerufen wird, sagt, sie sei ganz überwältigt. „Ich liebe diesen Film sehr.“ Und sie sei so glücklich, mit Mert gedreht zu haben und heute bei der Premiere „meine Chorknaben“ wieder gesehen zu haben. Ob es eine Fortsetzung gibt, wird Martin Busker aus dem Publikum heraus gefragt. Die Antwort: „Wir sind für sachdienliche Hinweise offen, wie man das machen könnte.“

Info: „Zoros Solo“ ist von heute an auch im Kino in Bissingen zu sehen. Bei der Vorführung um 20 Uhr werden Regisseur Martin Busker und Schauspieler Mert Dincer anwesend sein und nach dem Film Fragen beantworten.

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