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Radfahren

Brezel Race mit harten Anstiegen

Massenstart vor dem Korntaler Rathaus. Rund 400 Radfahrer steigen in die Pedale. Vor den Jedermännern und -frauen jeden Alters liegen mindestens 46 Kilometer bis zum Ziel. Es ist die kürzere Strecke des diesjährigen Brezel Race.

Da ist ganz schön was los: Start zum Brezel Race in Korntal.Foto: Andreas Becker
Da ist ganz schön was los: Start zum Brezel Race in Korntal. Foto: Andreas Becker

Korntal-Münchingen. Aus allen Ecken trudeln Radler in eng anliegenden, gepolsterten Hosen, mit Helm auf dem Kopf und ihren Rennmaschinen an der Hand ein. Die Power-Verpflegung in Form von süßen Müsliriegeln gegen der Hungerast ist in der Trikottasche am Rücken verstaut, die Trinkflasche klemmt am Rahmen. Sie reisten mit dem Auto an oder mit der S-Bahn oder – eben mit dem Rad. Das Wetter ist fast optimal. Es ist trocken und nicht zu heiß.

„Die Steigung ist kurz aber knackig und bis zu 15 Prozent steil“

Thomas Senski
Sportlicher Leiter

Insgesamt, also auch über die „Langstrecke“ mit 72 Kilometern, und dem gemütlichen Sunday morning – Ankunft Remseck - mit 14 Kilometern Länge hatten mehr als 2100 Teilnehmer gemeldet. Auf den Weg gebracht haben das Projekt die Landeshauptstadt und der Verband Region Stuttgart. Umgesetzt wurde es von der Eventagentur „Freunde“ mit Albrecht Röder. Der war 2007 Mitorganisator der Straßenrad-WM und ist seit der Neuauflage der gesamten Deutschland Tour Streckenplaner.

Der Saalplatz wird aus Lautsprechern beschallt. Moderator Stephan Salscheider begrüßt, informiert und hält die ohnehin gute Stimmung bis zum Startschuss hoch. Den geben die Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling und der Bürgermeister von Korntal-Münchingen Dr. Joachim Wolf. Er ist zugleich Vorstandsmitglied der SportRegion Stuttgart. Der radelt sonst auch selbst regelmäßig am Wochenende 50 Kilometer ab und radelt auch zur Arbeit ins Rathaus. Frisch aus dem Urlaub zurück, verzichtet er aber auf den Brezel-Start mit dem Verweis auf Trainingsrückstände.

Voraus fahren neben vielen Polizeimotorrädern, der sportliche Leiter Thomas Senski und Ralf Hustert. Die ersten fünf Kilometer durch die Stadt gilt für die Radler ein Tempolimit von maximal 25 Stundenkilometer. Der Sicherheit wegen. Ab dann gilt freie Fahrt. Die Durchtrainierten schaffen eine Durchschnittgeschwindigkeit von beachtlichen 40 Stundenkilometern. „Die Strecke ist landschaftlich unglaublich reizvoll“, lobt ein Mitglied des Orga-Teams. Er fuhr die Route drei Mal vorab. „Die wenigsten werden aber kaum ein Auge dafür haben, weil sie mit sich selbst beschäftigt sein werden“, grinst Hustert. Er bezeichnet den Weg als „selektiv“. Er starte vergleichsweise harmlos und werde gegen Ende sehr anspruchsvoll. Vor allem die Solitude hoch, werden die Waden auf eine Zerreißprobe gestellt. Und den Killesberg werden einige ihre Räder an der steilsten Stelle mit Sicherheit hochschieben. „Die Steigung dort ist kurz aber sehr knackig mit bis zu 15 Prozent steil“, schätzt Senski. Dazwischen liegen enge Sträßchen und scharfe Kurven. Kopfsteinpflaster.

„Ich lasse mich gerne überraschen“, meint ein Teilnehmer leicht schockiert, als er erfährt, welche Anstiege ihm gegen Ende des Rennens bevorstehen. Insgesamt müssen 500 Höhenmeter bewältigt werden. Das schreckt Jannis nicht. Der Triathlet ist Herausforderungen gewohnt. Der Karlsruher kombiniert das sportliche Ereignis mit dem Besuch eines Freundes. „Das bot sich für mich direkt an.“

Joachim machte sich mit der Anfahrt aus Waiblingen warm. Er nahm dafür sein Rad. Radeln ist für ihn Ausgleich zum Job. Es macht ihm den Kopf frei. Mit 2500 Kilometern, die er in diesem Jahr bereits zurückgelegt hat, wird er aber sein Ziel verfehlen. Das Doppelte hatte er schaffen wollen. Für Monika aus Stuttgart ist es das erste Straßenrennen. Sonst ist sie mit dem Trekkingrad und viel Gepäck unterwegs. „Mit dem Rad kommst du hin, was du mit dem Auto niemals schaffen kannst.“ Außerdem sei Radfahren, die gesündeste Art sich fit zu halten.“

Neben der Polizei sind mehr als 500 Streckenposten entlang der Strecke im Einsatz. Sie sichern die komplette Tour. Im Landkreis Ludwigsburg sind während des Rennens zahlreichen Kreuzungen und Straßen gesperrt.

Betroffen davon Korntal und Münchingen, Pattonville und Kornwestheim, Hemmingen, Schöckingen, Ditzingen und Gerlingen. Schon nach kurzem zieht sich das Feld immer weiter in die Länge. Während die Flotteren bereits die Ziellinie in Stuttgart passiert haben, ist für die „roten Laternen“ gerade einmal Halbzeit. Aber die meisten kommen an, auch wenn ein paar das Zeitlimit reißen.

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