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Stadtbahn

Bündnis will jetzt Aktionen sehen

Gelbe SSB-Züge von Pattonville nach Ludwigsburg? Das hält das Aktionsbündnis Stadtbahn für eine Schnapsidee – und platziert lieber eigene Vorschläge für eine Mobilitätswende.

„Der Ludwigsburger Bahnhof darf nicht die Endstation für die Stadtbahn sein“: Klaus Arnoldi (links), Marlies Heinzler und Werner Bischof vom Aktionsbündnis Stadtbahn, dem Experten vom VCD, BUND und ADFC angehören. Foto: Ramona Theiss
„Der Ludwigsburger Bahnhof darf nicht die Endstation für die Stadtbahn sein“: Klaus Arnoldi (links), Marlies Heinzler und Werner Bischof vom Aktionsbündnis Stadtbahn, dem Experten vom VCD, BUND und ADFC angehören. Foto: Ramona Theiss
Eine neue Keplerbrücke könnte die Stadtbahnen aus Markgröningen, Möglingen und dem Ludwigsburger Westen zum ZOB und in die City führen. Fotomontage: Werner Bischof (p)
Eine neue Keplerbrücke könnte die Stadtbahnen aus Markgröningen, Möglingen und dem Ludwigsburger Westen zum ZOB und in die City führen. Fotomontage: Werner Bischof (p)

Kreis Ludwigsburg. Auf dem Franck-Steg am Ludwigsburger Bahnhof stehen Marlies Heinzler, Klaus Arnoldi und Werner Bischof und wollen die Stadt zurück. Im Hintergrund quälen sich Autos über die Keplerbrücke, der Turm des Finanzdienstleisters W&W ragt in die Höhe, unten fahren Züge in die Station ein. Klaus Arnoldi, der Betriebswirt, der im ökologischen Verkehrsclub VCD aktiv ist, stört sich an dem „vielen Blech und den zugeparkten Straßen“, die er in der Stadt und im Landkreis vorfindet. Marlies Heinzler wünscht sich „frischere Luft und weniger Lärm“. Werner Bischof, der Ingenieur und BUNDler aus Besigheim, ruft: „Wir brauchen ein besseres Angebot auf der Schiene, damit die Leute weg vom Auto kommen können.“

Die drei vertreten ein Aktionsbündnis, dem sich auch der ADFC angeschlossen hat. Ihr Ziel: Endlich die Stadtbahn von Markgröningen über Möglingen und Ludwigsburg nach Pattonville an den Start zu bringen – in der Niederflurversion. Erster Meilenstein wäre für sie die Reaktivierung der Markgröninger Bahn. Mit dem Projektpartner im Landratsamt und den Kommunen hadert das Aktionsbündnis. „Mehr als zwei Jahre nach dem Beschluss zur Stadtbahn sind an der Strecke keine Fortschritte erkennbar“, sagt Arnoldi.

Irritiert schauen sie auf Überlegungen, die der Kreisdezernent Heiner Pfrommer im Mai öffentlich gemacht hat: gelbe SSB-Hochflurstadtbahnen von Pattonville über den Acker zur Karlshöhe, Evangelischen Hochschule und zum neuen W&W-Campus an der Gemarkungsgrenze zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim zu führen. Von dort würde es weiter Richtung Bahnhof gehen. „Das ist doch abstrus“, sagt Bischof und fragt: „Wer soll da fahren?“ Heinzler spricht von einem Vorschlag aus der Mottenkiste. Tatsächlich schienen Hochflurbahnen mit ihren üppigen Radien auf Ludwigsburger Gemarkung längst abgehakt zu sein.

Im Landratsamt zeigt man in Richtung Ludwigsburg und Kornwestheim, dort sei die Idee vorgeschlagen worden, damit ein wichtiger Arbeitgeber doch noch einen Gleisanschluss bekomme. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass ein Stadtbahnast aus Remseck nach Pattonville für die SSB wirtschaftlich nicht besonders attraktiv sei – eine Verlängerung zu W&W und nach Ludwigsburg aber sehr wohl. Eine schnelle Prüfung sollte laut Dezernent Pfrommer schon in diesen Tagen Ergebnisse liefern. Offenbar dauert die Untersuchung aber noch an.

Auf die Schnelle, glaubt Arnoldi, lässt sich der neue Campus des Finanzdienstleisters, für den er vor seinem Ruhestand tätig war, nur mit Pendelbussen in dichtem Takt ansteuern.

Für das Aktionsbündnis drängt die Zeit, die Stadtbahn müsse jetzt realisiert werden. „Der Klimawandel schreitet unaufhörlich voran“, sagt Heinzler. Das Credo ihrer Gruppe: Die Züge müssen dort fahren, wo die Menschen leben und arbeiten. Also schlagen sie eine Spange durch den Ludwigsburger Westen über die Mörikestraße und Gänsfußallee zur Arena und zum Bahnhof vor. „Der darf aber nicht Endstation sein“, so der Ingenieur Bischof.

Er würde gerne das Gleis des ehemaligen Franck-Areals für die Niederflurbahn nutzen und von dort über eine neue Keplerbrücke fahren, die einen U-Turn zum ZOB erlaubt. „Auch Stadtbusse könnten diese Rampe nutzen, ohne im Stau zu stehen“, sagt Bischof. Von dort führen dann Äste nach Schlösslesfeld, Oßweil und Pattonville. Der VCDler Arnoldi sagt: „Von Markgröningen bis Remseck entsteht eine durchgehende Linie mit Anbindung an die S-Bahn.“ Das sei der Anreiz für Autofahrer, das Heilig’s Blechle stehenzulassen.

Bischof hat bereits Fotomontagen erstellt und auf Youtube Filme gedreht, die das Vorhaben visualisieren. Allerdings bleibt ein Problem: Die Reaktionen im Ludwigsburger Rathaus und im Landratsamt fallen verhalten aus. „Wir haben freundliche Worte zu hören bekommen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass die Entscheidungsträger ein neues Fass aufmachen wollen“, sagt Arnoldi. Von den politischen Parteien hätten nur die Grünen Rückmeldungen geliefert. Klein beigeben will das Stadtbahn-Aktionsbündnis nicht. Heinzler sagt: „Wir bleiben dran.“

Internet: www.stadtbahn-ludwigsburg.de

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