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Literatur

Die Kunst ist ihr Lebenselixier

Zum 80. Geburtstag der Möglinger Schriftstellerin und Herausgeberin Ursula Jetter

Ursula Jetter. Foto: Holm Wolschendorf
Ursula Jetter. Foto: Holm Wolschendorf

Möglingen. Ihr Haus gleicht einer Festung aus gebundenem Papier, kaum eine Ecke, in der nicht ein paar – im Zweifel gute – Bücher liegen würden, oft stapelweise, nicht zuletzt auch Publikationen von ihr selbst. Als die Möglinger Schriftstellerin, Herausgeberin und Musiktherapeutin Ursula Jetter im Herbst 2018 das Bundesverdienstkreuz erhielt, war das für sie eine besondere Sache, eine Krönung – auch wenn ihr der ganze Auflauf fast etwas zu viel war. „Ich darf eigentlich nicht klagen, die letzten Jahre waren erstaunlich gut“, sagt Ursula Jetter, die am heutigen Freitag 80 Jahre alt wird.

Einen kleinen Schub habe das Bundesverdienstkreuz schon nochmal gegeben, sagt die Autorin, die 1940 in Bruchsal als Ursula Dilger das Licht der Welt erblickte. „Ich habe gerade so weitgergemacht.“ Nachdem sie in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt elf Bücher mit Geschichten, Erzählungen und Essays – darunter „Grenzgänge, Niemandsland“, „Die Prozession aus Afrika“, „Minotaurus“ und „Die Frau mit den Koffern“ – veröffentlichte, folgte Ende 2018 ihr bislang letztes Buch „Über-leben“, in dem sie sich mit den Aufzeichnungen ihres Vaters aus dem sibirischen Gefangenenlager, in das er während des Zweiten Weltkriegs gebracht worden war, befasst.

Als Lebensaufgabe bezeichnet Jetter das Arbeiten mit der Literatur, sei es das Schreiben oder das Herausgeben ihrer Literaturzeitschrift Exempla, ihr Wirken in der Schriftstellervereinigung Pen und die Schreibwerkstatt bei der Katholischen Erwachsenenbildung in Ludwigsburg.

Jetter, die schon früh Mutter wurde, studierte Musikpädagogik und Psychologie, wurde Lehrerin und Musiktherapeutin. Dabei bildete sie unter anderem die ersten Studenten der Fachhochschule für Musiktherapie in Heidelberg überhaupt aus und betrieb in diesem Bereich fachliche Pionierarbeit, wie sie immer wieder betont. Ende der 70er zog die Familie von Bad Säckingen nach Möglingen.

Zehn Jahre lang pflegte sie ihren kranken Mann, bevor sie vor mittlerweile über 20 Jahren Witwe wurde. Sie zog die Kinder – zwei Töchter, einen Sohn – groß, hat mittlerweile auch mehrere Enkelkinder.

Viele ihrer Kinder und Enkel werden nächste Woche auch nach Möglingen kommen, wenn sie im Kreise ihrer – mittlerweile weitverstreuten – Familie ihren Geburtstag nachfeiert. Am eigentlichen runden Geburtstag heute werden vor allem ein paar Künstlerfreunde vorbeischauen, um im eher kleinen Kreis mit ihr zu feiern, ein wenig „improvisiert“, wie sie sagt.

Politische Lage ruft nach Satire

Aktuell steckt Ursula Jetter mitten in den Vorbereitungen der 45. Ausgabe der Exempla- Literaturzeitschrift, die im Sommer erscheinen soll. Es wird ein Satire-Band, wie sie bereits verrät. „Die politischen Zeiten sind ja entsprechend, da braucht es Satire“, sagt sie mit dem ihr eigenen trockenen Humor. Überhaupt ist sie dankbar, dass ihre Gesundheit es noch zulässt, dass sie „einfach weitermacht“, wie sie sagt. So lange es noch irgendwie geht, möchte sie weiterarbeiten. „Ich werde so schnell nicht aufhören – die Kunst und die Menschen sind mein Lebenselixier.“ Zumal sie demnächst noch ein neues Kapitel aufschlagen möchte: Die modernen Medien, Smartphone, Computer, das interessiere sie schon sehr, erklärt die Autorin. Erleben wir Ursula Jetter also eines Tages gar noch als Bloggerin? „Wer weiß“, sagt sie und lacht vergnügt. Zuzutrauen wäre es ihr sicherlich.

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