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Rathaussturm

Die Narren übernehmen die Macht

„Darauf freue ich mich schon das ganze Jahr“, knirscht Bürgermeister Thomas Winterhalter. Den noch jungen und sehr rührigen Steinheimer Fasnetsverein schätze er sehr. Nur auf das Sohlenschrubben am Dreikönigstag könne er gerne verzichten.

Bunt und mit lauter Musik beginnt in Steinheim die närrische Jahreszeit. Nachdem ihm die Füße geschrubbt wurden, klatscht auch Bürgermeister Thomas Winterhalter kräftig mit. Fotos: Ramona Theiss
Bunt und mit lauter Musik beginnt in Steinheim die närrische Jahreszeit. Nachdem ihm die Füße geschrubbt wurden, klatscht auch Bürgermeister Thomas Winterhalter kräftig mit. Foto: Ramona Theiss

Steinheim. Schon lange vor dem Rathaussturm rotten sich närrische Gruppen auf dem Marktplatz zusammen. Ittlinger Käfer sind unter anderem zu sehen, aber auch die Carnevalsfreunde Murr, die Bissinger Saubachhexen sowie die Buchfinken aus Bietigheim, die Reichenberger Burghexen, die Ilsfelder Mühlenhexen und die Gagerbachhexen aus Schwieberdingen. Dazu gesellen sich Delegationen vom Backnanger Karnevalsklub, der Carnevalsgesellschaft Heilbronn, dem Hardthausener Carnevalsverein, der Narrenzunft Oberstenfeld und dem Cannstatter Quellenclub. Sie und die vielen Zuschauer wollten teilhaben, wie dem Schultes nicht der Kopf, sondern die Füße gewaschen werden. Mut machten ihm die Gugga Winnender Querköpf mit „Always look on the bright side of life“ (deutsch: „Schau immer auf die schöne Seite des Lebens“) aus dem Kultfilm „Das Leben des Brian“.

Nach kurzem Wortgeplänkel über die Gass‘ mit Dany Arnold wurde Winterhalter von den Gloschdrhexa und den Bebbelesdreschern die Rathaustreppe hinunter eskortiert. Mannhaft wehrte sich der Bürgermeister alleine mit seinem Kampfgewicht „90 plus“ – wie er selber vorsichtig schätzt. Aber er musste sich schließlich der urgewaltigen Überzahl geschlagen geben. Auf den Biertisch gesetzt, Schuhe und Socken aus, die Hosenbeine hochgekrempelt und ab ging es mit den Füßen ins eiskalte und hexisch-schäumende Fußbad in der Zinkwanne. Es folgte die Fußpflege mit harter Wurzelbürste. Da half weder Wimmern noch Klagen, noch das Winseln um Gnade. Ein Steinheimer Schultes muss da eben seit zehn Jahren durch. Winterhalter musste die Prozedur immerhin schon zum dritten Mal über sich ergehen lassen. Dann war er den Schlüssel zur Verwaltung und seinen Job bis Aschermittwoch los.

Während der Steinheimer Bürgermeister kalte und nasse Füße bekam, hatten die etwa 400 Zuschauer dagegen bei Glühwein und Punsch eine warme Kehle und einen ebenso warmen Bauch. Sie ergötzten sich am Spektakel und feierten den Start in die fünfte Jahreszeit.

Närrisches Jubiläum steht bevor

Thomas Winterhalter war nicht der einzige, der eine Bewährungsprobe zu bestehen hatte. Friseurin Jessica Rupp musste als Neuhexe spontan drei Outfits zu Faschingshits kreieren, Thorsten Seefeldt, der am Bau schafft, hatte dagegen für eine kräftigende Suppe fürs Publikum mehr Vorbereitungszeit. Als Jugendliche kam Sophia Seefeldt glimpflich davon. Sie musste lediglich närrische Rätsel lösen. Und die frischen Bebbelesdrescher wurden ganz ohne Ritual aufgenommen: Petra Eberlein und Michael Zeidler hatten ihre Aufnahmeprüfung bereits bestanden.

Damit zählt der 1. Fasnetsverein Steinheim gut 80 Mitglieder. Dem Brauchtumsverein steht nächstes Jahr das närrische elfte Jubiläum ins Haus: Dany Arnold bereitete Bürgermeister Thomas Winterhalter seelisch und moralisch schon einmal auf die Plünderung des städtischen Sparstrumpfs vor. Schließlich wurde Steinheim für das Landesnarrentreffen im Jahr 2021 auserkoren. Beim diesjährigen Treffen am 26. Januar in Murrhardt bekommen die Steinheimer die Fahne als nächster Ausrichter überreicht.

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