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Benefiz

Ditzinger Lebenslauf: 14 Kilo immer auf der Schulter

André Schiele sammelt Geld für den Ditzinger Lebenslauf – Spendenbereitschaft lässt in Zeiten der Pandemie nach

Bietigheim ist Start und Ziel für den 25-Kilometer-Lauf von André Schiele. Foto: Ramona Theiss
Bietigheim ist Start und Ziel für den 25-Kilometer-Lauf von André Schiele. Foto: Ramona Theiss

Ditzingen. Der Ditzinger Lebenslauf ist eine Benefizveranstaltung der sportlichen Art: Alljährlich schnüren Tausende von Freiwilligen die Schnürsenkel und laufen rund um das Schulzentrum in der Ditzinger Glemsaue Zehntausende von Kilometern, um Spenden für den baden-württembergischen Landesverband Mukoviszidose zu sammeln.

In Deutschland leben etwa 8000 Menschen mit Mukoviszidose, einer angeborenen Krankheit, die infolge eines Gendefekts in verschiedenen Körperorganen die Produktion zähen Schleims verursacht. In der häufig betroffenen Lunge etwa entsteht so ein Nährboden für Bakterien, der das Lungengewebe unaufhaltsam zerstört. Die Krankheit gilt als unheilbar, derzeit liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Mukoviszidosepatienten bei etwa 40 Jahren.

Auch André Schiele läuft seit Jahren beim Lebenslauf mit, zunächst vier Jahre lang im Team der Ditzinger Glemstalhexen. Seit 2020, als der Lebenslauf wegen der Coronapandemie erstmals nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden konnte und die Läufer auf eigene Faust Kilometer sammelten, ist er als Ein-Mann-Team unterwegs. Um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen, hat er stets einen 14 Kilogramm schweren Baumstamm an seiner Seite. So auch am Samstagvormittag, als er am Kuhriosum in der Bietigheimer Fußgängerzone Spenden sammelt.

Eine halbe Stunde später will der 45-Jährige aufbrechen, eine 25,5 Kilometer lange Schleife wird ihn über Hessigheim, Mundelsheim, Pleidelsheim und Ingersheim wieder zurück an den Startpunkt führen – seinen Baumstamm hat Schiele während dieses läuferischen Kraftakts durchgehend auf der Schulter.

Seine Hausstrecke läuft der Landschaftsgärtner jeden Sonntag. In der Regel brauche er zweieinhalb bis zweidreiviertel Stunden, erzählt er. Mit dem Baumstamm bringe er es lediglich auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von bis zu siebeneinhalb Kilometer pro Stunde, „deshalb wird es heute ungefähr eine Stunde länger dauern“.

Auch mit Baumstamm sollte die Strecke Schiele nicht vor allzu große Herausforderungen stellen, denn er ist gut in Form. Als er sich vor einigen Jahren beim Fußballspielen ohne jeglichen Anlass einen Muskelfaserriss zuzog, wurde er nachdenklich und beschloss, seine sportliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Er begann mit dem Lauftraining, 2019 absolvierte er in Frankfurt seinen ersten Marathon.

Grundsätzlich könne sich jeder fitmachen, sagt Schiele. Wichtig sei nur, sich am Anfang nicht zu viel vorzunehmen. Zum Einstieg empfiehlt der Experte, je nach Fitnessstand zweimal wöchentlich drei bis fünf Kilometer zu laufen. Nach etwa fünf Wochen sollten schon deutliche Fortschritte zu verzeichnen sein, Tempo und Strecke ließen sich dann je nach Bedarf steigern. Schiele rät allerdings davon ab, öfter als vier Mal pro Woche zu laufen.

Schon vor der Aktion in der Bietigheimer Fußgängerzone warb er in den sozialen Netzwerken und in seinem Bekanntenkreis um Spenden. Doch in der Coronapandemie ist es nicht leichter geworden, auf eine solche Benefizaktion aufmerksam zu machen. 100 Euro sind zusammengekommen, im vergangenen Jahr konnte Schiele noch über 350 Euro an die Mukoviszidosehilfe überweisen.

Von diesen erschwerten Ausgangsbedingungen lässt er sich nicht entmutigen. „Der Ditzinger Lebenslauf ist einfach eine gute Sache, die ich unterstützen will“, meint Schiele, trinkt eine Tasse Kaffee, schultert den Baumstamm und macht sich auf den kräftezehrenden Weg.

Auch seine Tochter Vanessa und sein Sohn Joel drücken am Kuhriosum die Daumen, dass ihr Papa durchhält. Und damit Schiele unterwegs nicht dehydriert, wird ihn seine Frau bei Besigheim und Mundelsheim mit Wasser versorgen.

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