Bönnigheim. Was würde fehlen, wenn alle Ehrenamtlichen einen Monat lang ihre Arbeit ruhen ließen? Vor allem Begegnungen, sagen Claudia Queißer und Manfred Schmälzle. Sie sind die ersten Gäste bei „Newscouch on Tour“. Für das neue Format verlassen Ulrike Trampus und Stephan Wolf aus der LKZ-Chefredaktion das Verlagshaus und besuchen Vereine und Institutionen. Zum Auftakt geht es um Kultur, Wein und das Miteinander in der „Redaktion vor Ort“ im Bönnigheimer Schloss.
Kultur und Wein bringen Menschen zusammen
Queißer engagiert sich in der Arbeitsgemeinschaft „Kultur unter einem Dach“ und beim Kulturfenster Bönnigheim. Den inzwischen 25 Jahre alten Kulturverein hat sie mitgegründet. Heute arbeitet die frühere Vorsitzende im Programmausschuss mit. Ihr Antrieb: gemeinsam Ideen entwickeln und erleben, dass eine Veranstaltung bei den Gästen ankommt.
Schmälzle führt die „Freunde der Vinothek Bönnigheim“. Der Verein will den örtlichen Weinbau fördern und bietet ausschließlich Bönnigheimer Weine an. Mindestens ebenso wichtig ist ihm das gute Miteinander im Team. Auch zwischen den Vereinen klappt die Zusammenarbeit: Bei einer Fotoausstellung im Schloss übernahm die Vinothek die Bewirtung.
Sommerprogramm soll das Schloss beleben
Für Juli 2027 plant die Kultur-AG ein Sommerevent im Schloss und im Innenhof. Bönnigheimer Künstler sollen ausstellen, Bands aus der Stadt auftreten. Gedacht ist auch an Angebote für Familien. Ein Teil des Programms soll in Zusammenarbeit mit der Stadtkapelle entstehen. Die Vinothek will sich ebenfalls beteiligen.
Queißer sieht in solchen Kooperationen die Zukunft. Welche Ideen sich umsetzen lassen, hängt allerdings von Helfern und Geld ab. Die Planung läuft; ein konkretes Budget nennt sie im Gespräch noch nicht.
Viel Arbeit, begrenztes Geld
Der Zeitaufwand hinter einer Ausstellung oder einem Konzert werde häufig unterschätzt, sagt Queißer, die mit 1. Vorsitzenden Silke Seybold und der Initiatorin der Arbeitsgemeinschaft, Ulrike Staudenrausch, in die Redaktion vor Ort gekommen war. Für das Sommerprojekt sucht die AG weitere Mitstreiter und Sponsoren. Bands sollen möglichst ohne Gage auftreten; ausstellende Künstler müssen etwa bei der Bewirtung oder Aufsicht mithelfen.
In der Vinothek übernehmen aktive Mitglieder mehrere Dienste im Jahr und zahlen dafür keinen Mitgliedsbeitrag. Die Termine wählen sie selbst. Trotzdem braucht es Erinnerungen: Manchmal steht die Besetzung erst zwei Tage vor dem Wochenende fest.
Auch der Nachwuchs ist oft schon über 40
Im Kulturfenster liegt der Altersschnitt nach Queißers Angaben bei etwa 60 Jahren, in der Vinothek eher darüber. Neue Mitglieder seien häufig bereits 40 oder 50, berichtet Schmälzle.
Jüngere Menschen gewinnt man aus Queißers Sicht auch dadurch, dass sie eigene Ideen verwirklichen dürfen. Ein junger Mitstreiter bringt deshalb ein offenes Bühnenformat ein, bei dem Künstler und junge Menschen auftreten können. Es ist für den Kulturkeller und 2027 auch für das Schloss vorgesehen. „Wir reden ihm da nicht rein“, sagt Queißer. Die anderen unterstützen ihn bei der Umsetzung.
Mithelfen geht auch bei einzelnen Projekten
Nicht jeder möchte sich dauerhaft binden. Queißer wirbt deshalb für offenere Vereinsstrukturen: Auch wer nur ein bestimmtes Projekt unterstützt, ist willkommen. Der Einstieg kann ein Veranstaltungsbesuch oder die Teilnahme an einer Besprechung sein. Danach lassen sich etwa beim Plakatieren oder bei der Bewirtung erste Aufgaben übernehmen.

Bei der Vinothek führt der Weg über ein Gespräch mit dem Vorstand. Für den Dienst am Weintresen erwartet Schmälzle Grundkenntnisse. Es gibt aber auch andere Aufgaben, etwa bei Sektempfängen nach Trauungen im Schloss. Aktive Mitglieder können zudem kostenlos an Weiterbildungen rund um den Wein teilnehmen.



