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Nahverkehr

Ein Zug wird kommen

Die Strohgäubahn wird frühestens im kommenden Jahr fertig, doch Landrat Rainer Haas verbreitet Optimismus. Damit steht er gerade ziemlich alleine da.

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Strohgäu. Die neue Leit- und Sicherungstechnik für die Strohgäubahn ist vor einem Jahr der letzte Schrei. Die Software des Ditzinger Technologiekonzerns Thales soll es möglich machen, dass die grün-gelben Züge einmal über den Korntaler Bahnhof hinaus ins Netz der Deutschen Bahn nach Stuttgart fahren können. Im Herbst 2017 ist die Leit- und Sicherungstechnik zu einem Problemfall geworden.

Noch im Oktober steht ein Treffen zwischen Thales und der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) auf dem Programm. Das Ziel: die Software vor dem Eisenbahnbundesamt endlich genehmigungsfähig zu bekommen. Das ist noch längst nicht der Fall und hat zur Konsequenz, dass die runderneuerte Strohgäubahn weiterhin nicht komplett ist (wir berichteten). Auf der Fahrt von Korntal, über Schwieberdingen ist in Hemmingen Schluss. Die Große Kreisstadt Ditzingen mit ihrem Bahnhof in Heimerdingen bleibt von der Strecke abgehängt – und das wird auch monatelang so bleiben.

Der Landrat Rainer Haas, der einen Zweckverband anführt, in dem die Anrainer der Bahn vereint sind, verbreitete in dieser Woche im Technischen Ausschuss des Kreistags trotzdem Optimismus. Er rechnet fest damit, dass die Genehmigung des Eisenbahnbundesamts in diesem Jahr kommt – und danach, so Haas, könne man sicher auch ganz bald nach Ditzingen-Heimerdingen fahren.

Ein genauer Termin steht allerdings in den Sternen. „Die WEG kann erst einen Zeitplan nennen, wenn die Zulassung der geplanten Anlagen erfolgt ist“, sagt ein Haas-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Von da an dauert es mindestens 16 Wochen, bis die Züge auf der kompletten, gut 20 Kilometer langen Route verkehren können – bei optimalem Verlauf. Optimal ist auf der Strohgäubahn in den vergangenen Jahren aber nicht vieles gelaufen. „Wir gehen davon aus, dass wir frühestens im Frühjahr den Betrieb nach Heimerdingen aufnehmen können“, heißt es aus dem Landratsamt.

Unterdessen ist zu beobachten, dass der Ton zwischen den Strohgäubahnmanagern und Thales ruppiger wird. Zwar ist zu hören, dass die Verzögerung keinen Einfluss auf die Investitionskosten der Leit- und Sicherungstechnik habe. Der Haas-Sprecher macht allerdings deutlich: „Soweit durch die Verzögerung zusätzliche Kosten in anderen Bereichen entstehen sollten, werden wir diese bei den Verantwortlichen geltend machen.“ Darunter ist mindestens der Schienenersatzverkehr mit Bussen zu subsummieren.

Kritische Stimmen sind darüber hinaus aus der Kreispolitik zu vernehmen. Der Ditzinger OB Michael Makurath, der auch in der Stuttgarter Regionalversammlung sitzt, sagt: „Wir sind Mitglied im Zweckverband geworden, damit die Bahn kommt.“ Noch im Frühsommer blühten vergeblich Hoffnungen in seinem Haus, dass die Strohgäubahn vielleicht in diesen Tagen in Heimerdingen ankommen könnte.

Auch im Ludwigsburger Kreistag wachsen nach Informationen unserer Zeitung die Zweifel. Der Tenor lautet so: Wahrscheinlich gebe es heute keine Mehrheit mehr für das Projekt unter Trägerschaft des Landkreises, sondern nur unter dem Kommando der Region.

War da nicht etwas? Aber sicher. In Verkehrsfragen lagen Haas und die Region immer wieder über Kreuz – die Buslinien waren ein Beispiel, die Strohgäubahn ein anderes. Beide Projekte hätte der Stuttgarter Regionalverband vor Jahren auch gerne gehabt. Damals machte allerdings ein gewisser Günther Oettinger, CDU-Ministerpräsident aus Ditzingen, heute EU-Kommissar, deutlich, dass es nur Geld für die Modernisierung gibt, wenn die Züge im Strohgäu unter Federführung des Landkreises Ludwigsburg verkehren.

Viele Fahrgäste haben diese Entscheidung nie richtig verstanden, weil sich für sie Verschlechterungen einstellten. Bekannterweise fuhr die Strohgäubahn schon mal über Korntal hinaus bis in den Stuttgarter Stadtteil Feuerbach, und zwar vom 1. Juni 1996 bis zum 8. Dezember 2012.

Zu einer „konstruktiven Arbeitsweise“, sagen Beobachter, hätten Kreis und Region erst wieder zusammengefunden, als im Jahr 2014 im Verkehrsministerium ein ÖPNV-Pakt geschmiedet wurde.