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Grabungen

Eine archäologische Sensation

Tübinger Wissenschaftler erkunden Fundstelle aus der Altsteinzeit mitten im Strombergwald

Rund sechs Quadratmeter wurden bisher im Wald untersucht. Nach einer Pause soll weiter gegraben werden.Foto: Alfred Drossel
Rund sechs Quadratmeter wurden bisher im Wald untersucht. Nach einer Pause soll weiter gegraben werden. Foto: Alfred Drossel

Sachsenheim. Mitten im Strombergwald wurden Spuren aus der Altsteinzeit gefunden. Wissenschaftler der Universität Tübingen haben dort einen Suchschnitt durchgeführt. Grabungsleiter Stefan Wettengl spricht von einer archäologischen Sensation, weil es erst die zweite Stelle im Land sei, Spuren aus der Altsteinzeit, also vor 14.000 Jahren im Freiland zu finden. Sonst traten diese Spuren nur in Höhlen der Schwäbischen Alb hervor.

Eine besonders spannende Epoche der Steinzeit ist das Magdalénien, wie diese Kulturstufe der Menschheit bezeichnet wird. Jäger und Sammler des Magdaléniens lebten in einer nahezu menschenleeren Steppenlandschaft, in der saisonal wandernde Tierherden aus Pferden und Rentieren die Lebensgrundlage bildeten, an die sich die Menschen in ihrer Lebensweise anzupassen wussten.

Mammuts und Wollnashörner waren in Mitteleuropa zu dieser Zeit zwar auch noch anzutreffen, wurden aber im Laufe der Zeit immer seltener. Die Hauptwaffe der Jäger war die Speerschleuder, eine Kompositwaffe, von der sich nur Teile des Hakenendes, das oft kunstvoll ausgestaltet war, sowie die Geschossspitze des Speeres aus Geweih oder Elfenbein erhalten hat.

„Der Hauptteil bestand aus Holz, das es also auch in gewissem Umfang in dieser baumarmen Steppenlandschaft gegeben haben muss“, erklärt Stefan Wettengl. Ob zu dieser Zeit bereits Pfeil- und Bogen bekannt waren, ist umstritten.

Die Jäger und Sammler der letzten Eiszeit haben im Stromberg ihre Spuren hinterlassen. Und auf die ist man jetzt gestoßen. Auf die Spur gebracht hat die Wissenschaftler der Hobby-Archäologe Alwin Schwarzkopf aus Schwaigern, der bei einer Wanderung im Wald Steine mit einer besonderen Form fand und 400 davon schon aufgesammelt hat.

Fast zehn Jahre ruhten dann diese tieferliegenden Spuren knapp unter der Erdoberfläche mitten im Wald, bis das Tübinger Team unter Prof. Dr. Harald Floss die Genehmigung für die Grabungen bekam und die vor zwei Wochen zunächst mit Sondierungsschnitten eingeleitet wurde. Stefan Wettengl ist glücklich über diesen Fund. „Wir können schon mit den bisherigen Erkenntnissen ein Bild zeichnen, das die Forschung bereichert, weil hier eine ganz neue Facette hinzukommt.“ Die Grabungen wurden jetzt unterbrochen und sollen später ausgeweitet fortgesetzt werden.

Der Norden des Landes war bisher bis auf die Neckargegend – in Mundelsheim wurden Spuren der Neandertaler gefunden – weitegehend unerforscht. Grundsätzlich seien Spuren aus dieser Zeit entweder tief im Boden vergraben oder wurden auf Ackerflächen nach und nach zerstört. Die Wissenschaftler erhoffen sich durch die Funde im Stromberg neue Erkenntnisse über das Verhalten im Freiland der Steinzeitmenschen. Akribisch gingen die sieben Grabungshelfer im Wald vor. Wie üblich bei diesen Grabungen wird Schicht für Schicht freigeschabt. Gefunden wurden Steine in bestimmten Formen, die teilweise winzig klein sind. Alle Fundstücke werden dokumentiert und gesammelt. Darunter sind auch Aschereste, die später im Labor untersucht werden, um das Alter festzustellen.

Auf nur knapp sechs Quadratmetern haben die Wissenschaftler bisher rund hundert Gegenstände ausgegraben. Das sind vor allem Teile von Werkzeugen und Jagdwaffen. Die Geschossspitzen aus Knochen hatten zum Teil Rillen, in denen kleine Steine als Rückenmesser, eingebunden sind.

Die Steine für diese Werkzeuge bestehen aus Feuersteinen, Muschelkalk- und Keuperhornstein der Gegend. Die Herkunft der Steine gilt auch als Beweis dafür, dass diese damaligen Menschen weite Wanderungen zurückgelegt haben. Menschliche Überreste werden bei den Grabungen im Stromberg allerdings nicht erwartet.

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