Logo

Literatur

Eine Rückkehr zu den Ursprüngen

Ursula Jetter hat ihren illustrierten Gedichtband „Musiktherapie“ veröffentlicht

Ursula Jetter. Foto: Holm Wolschendorf
Ursula Jetter. Foto: Holm Wolschendorf
350_0900_34929_Jetter7.jpg

Möglingen. Keine Lesungen, keine Schreibwerkstatt, keine literarischen Zusammenkünfte – in der Coronakrise geht auch die Möglinger Schriftstellerin Ursula Jetter, seit vielen Jahren Herausgeberin der „Exempla“-Literaturzeitschrift, notgedrungen nun neue Wege: Mit einem illustrierten Poem, das sie wiederum zurück zu ihren Ursprüngen führt – zur Kraft der Musik. Schlicht „Musiktherapie“ heißt der im beinahe quadratischen Format erschienene Band, dessen Zeilen auf hochwertigem Glanzpapier mit Malereien von Gabriele Krieter-Böning illustriert wurden. „Mal ganz anders gestaltet“, bemerkt Jetter mit Blick auf ihre ansonsten oft äußerlich eher nüchtern anmutenden literarischen Erkundungsreisen und schmunzelt. „Das ist etwas für Liebhaber.“

Und eine Art Liebeserklärung an die Musik. Gut 20 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Musiktherapie und Psychiatrie, in denen sie in Winnenden konzeptionell weithin beachtete Pionierarbeit leistete, sind auf den 30 Seiten gebündelt – „aber von der poetischen Seite“, wie Ursula Jetter sagt, als Dichtung. „Nach einer so langen Zeit ist es immer noch in einem drin, eigentlich erstaunlich – eine Kristallisation aus dem Unterbewusstsein.“ Hier schließt sich für die 81-Jährige, die 2018 das Bundesverdienstkreuz erhielt, ein Kreis, „ein wunderschöner Abschluss für diese Lebensphase“. Sie sei schließlich jetzt ganz und gar Literatin.

Und das wiederum entnimmt man jeder Zeile dieses durchaus kontemplativen Werkes, mit dem Jetter nun auch als Lyrikerin in Erscheinung tritt. So heißt es etwa: „musik – treibt haß aus deinem hirn dissonanzen aus deinen eingeweiden schreit deine angst mit becken und pauken hinaus bis zur echolalie reißt dich zurück vom abgrund der selbstvernichtung.“ Die durchgehende Kleinschrift ohne Satzzeichen hat Ursula Jetter ganz bewusst gewählt, da sich das flüssiger, anders lesen lasse – und sich der Leser gleichzeitig mehr darauf einlassen müsse, anstatt nur darüber hinwegzulesen.

Das Buch war gewissermaßen „eine Sturzgeburt“, wie die Möglingerin erklärt. Im Herbst 2020, nach den lähmenden ersten Pandemiemonaten, kam die Idee dazu auf, bereits kurz vor Weihnachten war das Poem fertig. Kurz darauf wurde bereits das Projekt absehbar, gemeinsam mit der Künstlerin Gabriele Krieter-Böning mehr daraus zu machen. Diese schlug zunächst einige Fotografien und Aquarellen vor, gemeinsam wählten sie darauf jene aus, die besonders gut mit den jeweiligen Textpassagen auf den Seiten korrespondieren.

Auch in Zeiten der Pandemie kann Ursula Jetter also zufrieden sein: Eine Ausgabe der „Exempla“-Zeitschrift ging trotz widriger Umstände in den Druck – eine mittlerweile vielfach gelobte Satire-Ausgabe –, mit „Musiktherapie“ begibt sie sich auf neues Terrain. „Trotz Corona habe ich nicht geschlafen“, so ihr Fazit.

Info: Der Gedichtband „Musiktherapie“ ist für 24 Euro in der Buchhandlung Mörike in Ludwigsburg, im „Bücherlurch“ in Kornwestheim sowie über die Autorin, Telefon (0 71 41) 24 19 46, erhältlich – www.ursula-jetter.de.

Autor: