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Gewerbegebiet Benzäcker

Gegenteilige Positionen, aber fairer Dialog zum Gewerbepark bei Mundelsheim

Bei einem sogenannten interkommunalen Dialog hat die Gemeinde Mundelsheim am Mittwochabend über das Gewerbegebiet „Benzäcker“ informiert. Bei der virtuellen Veranstaltung kamen Befürworter und Kritiker zu Wort. Auch wenn gegenteilige Positionen aufeinanderprallten: Der Dialog verlief ausgesprochen fair und sachlich.

An der Obsthalle werben Befürworter und Gegner der „Benzäcker“ für ihre Positionen. Foto: Alfred Drossel
An der Obsthalle werben Befürworter und Gegner der „Benzäcker“ für ihre Positionen. Foto: Alfred Drossel

Mundelsheim. Bürgermeister Boris Seitz hatte zu Beginn des virtuellen Austauschs auf „sachliche und fachliche Infos“ gehofft und sollte nicht enttäuscht werden. Befürworter und Gegner des geplanten, etwa 20 Hektar großen Gewerbegebiets an der A81 trugen in den kommenden zwei Stunden ihre jeweiligen Argumente nüchtern und faktenorientiert vor, wobei Moderator Sven Fries – die Gemeinde hat sein Fachbüro mit der Organisation der Öffentlichkeitsbeteiligung im Vorfeld des Bürgerentscheids am 29. Mai beauftragt – aufmerksam darüber wachte, dass beide Seiten zu jeweils etwa gleichen Teilen zu Wort kamen.

Der Bürgermeister hob mehrfach hervor, dass sich im Fall eines positiven Bürgervotums keine Großlogistik im Gewerbepark ansiedeln wird, ebenso wenig wie Deponien, Casinos, Schnellrestaurants oder Autowaschanlagen. Stattdessen gebe es Anfragen aus der Autoindustrie und dem Hochtechnologiesektor.

Bürgermeister schließt Großlogistik aus

„Mit den ,Benzäckern‘ spielen wir in der Bundesliga“, meinte Seitz. „Wir haben in Baden-Württemberg schlaue Köpfe und Hochtechnologie. Aber wir brauchen auch den Raum für hochwertige Nutzungen, diese Unternehmen können sich nicht nur auf alten Industrieflächen ansiedeln.“ Matthias Lutz von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart erwartet eine Arbeitsplatzdichte von 50 bis 100 Beschäftigten pro Hektar. Lutz verwies darauf, dass große Ansiedlungen im Industriebereich zuletzt nicht in Baden-Württemberg, sondern anderen Bundesländern erfolgt seien – nicht zuletzt, weil im Großraum Stuttgart keine großflächigen Gewerbeareale zur Verfügung stünden.

Bürgermeister Seitz geht davon aus, dass sich die neuen Arbeitsplätze positiv auf den innerörtlichen Einzelhandel auswirken werden. Bernd Moritz (Attac) sah das anders: „Die Leute werden morgens mit dem Auto kommen und nach der Arbeit nach Hause fahren. Für die innerörtliche Entwicklung bleibt da nicht viel übrig.“ Landwirten dagegen, die jetzt noch hochwertige Ackerböden bewirtschafteten, werde die Lebensgrundlage entzogen. Moritz äußerte zudem grundsätzliche Zweifel daran, dass in den „Benzäckern“ ein klimaneutrales Gewerbegebiet entstehen wird. Der Bausektor mache mittlerweile 38 Prozent der weltweiten CO-Emissionen aus. „Klimaneutralität kann ich da nicht sehen. Wir müssen auf Sanierung statt auf Neubau setzen.

„Ökologischer Ablasshandel“

Gerhard Jüttner (Naturfreunde Ludwigsburg) bezeichnete die im Fall einer Erschließung vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen als „ökologischen Ablasshandel“, der weitere landwirtschaftliche Flächen kosten werde. Im Gespräch ist unter anderem eine Grünbrücke für Wildtiere über die A81. Diese sei aber nicht im Zusammenhang mit dem neuen Gewerbegebiet zu sehen und schon 2018 von Ministerpräsident Winfried Kretschmann angekündigt worden, sagte Jüttner.

„Ausgleichsflächen lassen sich so planen, dass die Landwirtschaft nicht belastet wird“, entgegnete Thomas Kiwitt, Leitender Technischer Direktor des Verbands Region Stuttgart. „Am Ende werden wir in den ,Benzäckern‘ eine bessere ökologische Situation haben als jetzt.“ Zumal von der Versiegelung keine Schutzgebiete oder Flächen von besonderem ökologischen Wert betroffen seien.

Kritik am Flächenverbrauch

Stefan Flaig dagegen sah den Flächenverbrauch kritisch. Im Landkreis Ludwigsburg sei in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich Boden für Wohnen und Gewerbe versiegelt worden, so der Vorsitzende des BUND-Kreisverbands, „alles wird immer enger und dichter“. Stets handele es sich um Einzelentscheidungen von Kommunen. „Aber diese Entscheidungen führen in ihrer Summe zu weltweiten Krisen“, so Flaig. „Wir müssen einen Stopp einlegen, und dieses im globalen Maßstab kleine Gewerbegebiet gehört dazu.“

Er hoffe am 29. Mai auf einen positiven Beschluss, so der Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler, zugleich Vorsitzender des Zweckverbands Industriegebiet Besigheim. Immerhin biete das Gewerbegebiet Ottmarsheimer Höhe nicht nur 2500 Arbeitsplätze, sondern habe bis Ende 2021 rund 86 Millionen Euro an Grund- und Gewerbesteuern in die kommunalen Haushalte gespült. Bühler: „Dazu kommen hohe Beiträge zur Kreisumlage und anderen Umlagesystemen. Die Wertschöpfung strahlt über die Verbandskommunen hinaus.“

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