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Gremium sieht Kooperation kritisch

Nach langer Diskussion schließt sich der Gemeinderat der Gründung eines Zweckverbands an

Ohne Glasfaser geht nichts mehr. Foto: Volff/stock.adobe.com
Ohne Glasfaser geht nichts mehr. Foto: Volff/stock.adobe.com

Gemmrigheim. 1,1 Milliarden Euro will die Telekom in den Ausbau des Glasfasernetzes in der Region Stuttgart investieren. Rund 500 Millionen Euro sollen von den 179 Kommunen der fünf Landkreise – Ludwigsburg, Esslingen, Böblingen, Rems-Murr und Göppingen – beigesteuert werden. Bis 2030 sollen alle Betriebe und 90 Prozent aller Haushalte eine Glasfaserleitung bis ins Haus oder Firmengebäude haben.

Bis Anfang des übernächsten Jahrzehnts soll die Region als eine der ersten bundesweit über ein modernes 5G-Mobilfunknetz – die fünfte Generation des Mobilfunks mit einer Übertragungsrate von bis zu zehn Gigabyte pro Sekunde – verfügen. Wie unsere Zeitung mehrfach berichtet hat, soll hierfür im Februar der Zweckverband Kreisbreitband Ludwigsburg gegründet werden.

Lobeshymnen und Optimismus prägen die Erläuterungen Matthias Gaugers, Projektleiter Breitband Region Stuttgart, als er dem Gemmrigheimer Gemeinderat am Montagabend die Zusammenhänge vorgestellt hat. Jedes Verbandsmitglied bringe bei Eintritt in den Zweckverband ein Stammkapital in Höhe von 50 Cent pro Einwohner ein. Außerdem wird ein Geschäftsanteil der „Gigabit Region“ über 7143 Euro fällig.

Gauger erklärte, dass „die laufenden Kosten des Zweckverbandes in den ersten acht Jahren vom Landkreis getragen werden. Ab dem neunten Jahr trägt der Landkreis 40 Prozent, 60 Prozent werden nach einem Einwohnerschlüssel auf die Mitgliedskommunen umgelegt“.

Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer drängt auf den Beschluss, ein Beitritt in den geplanten Zweckverband „sei kein Risiko, die Kosten überschaubar“. Die meisten Ratsmitglieder sind kritisch. „Als bei uns der Wunsch nach einem schnellen Internet aufkam, hat’s die Telekom einen Scheißdreck interessiert. Die Zeag, unser Netzbetreiber, hingegen war fair“, findet Maximilian Reuschle von der Fraktion Aktives Gemmrigheim deutliche Worte. Günther Weis (FWV) meint, die Gemeinde soll „erst mit der Zeag reden“. Sven Herold (CDU) weist darauf hin, dass ein Kooperationsvertrag noch nicht vorliegt: „Das ist ja wie bei einer Sendung auf RTL.2: Erst heiraten und dann die Braut sehen. Ich unterschreibe einen Vertrag erst, wenn ich ihn gesehen habe.“

Open access, also ein Netz, dass für alle Anbieter offen steht, ist Herolds nächstes Stichwort. „Die Zeag hat in Gemmrigheim bereits Glasfaser verlegt. Verlegt die Telekom nun ihr eigenes Glasfasernetz? Müssen wir nun doppelt bezahlen?“ Das Netz der Telekom sei für andere Anbieter offen, meint Gauger.

Schlussendlich beschließt das Gremium, sowohl den Zweckverband zu gründen und ihm beizutreten als auch dass alle Verbände der Kreise dann Gesellschafter der „Gigabit Region Stuttgart GmbH“ werden. Heike Scheerer-Eiselen (FWV) und Nicole Weber (Aktives Gemmrigheim) enthalten sich bei beiden Beschlüssen. Keine Zustimmung findet der Beitritt zum Kooperationsrahmenvertrag. Frauhammer enthält sich.

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