Ditzingen. Dichte schwarze Rauchschwaden stiegen über dem Steinbruch zwischen Hirschlanden und Heimerdingen am Samstagmorgen empor, laute Hilfeschreie waren zu vernehmen. Kurze Zeit später wurden die Schreie von den Martinshörnern zahlreicher Einsatzfahrzeuge übertönt, die in das Betriebsgelände einbogen. Grund war aber kein realer Unglücksfall, sondern eine großangelegte Übung der Freiwilligen Feuerwehr Ditzingen und des Arbeiter-Samariter-Bundes Ludwigsburg. Geübt wurde das Vorgehen bei eines sogenannten MANV (Massenanfall von Verletzten) und die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst.
Im Falle eines Unfalls
Übungsannahme war ein Verkehrsunfall zwischen einem Auto und einer Gruppe Radfahrer. Der Pkw fuhr in dem Fall auf der „Kreisstraße“ und erfasste im Kurvenbereich eine rund 15-köpfige Radfahrergruppe. Die Radfahrer erlitten dabei, so steht es im Drehbuch, größtenteils schwere Verletzungen, einige waren in die Drahtesel eingeklemmt. Das Auto geriet nach dem Zusammenstoß von der Fahrbahn ab, überschlug sich mehrfach und begann in der Böschung an zu brennen.
Als die ersten der rund 25 Einsatzfahrzeuge den Unfallort erreichten, stand das Auto in Vollbrand, die Teilnehmer der Radausfahrt lagen blutend und schreiend am Boden und der Beifahrer des Autos irrte schwer geschockt über die Einsatzstelle und brüllte nach seinem Fahrer, der sich noch im Pkw befand.
Brand wird gelöscht
Der Angriffstrupp des ersten Hilfeleistungslöschfahrzeugs löschte das brennende Auto, weitere Kräfte übernahmen eine erste Sichtung der verletzten Fahrradfahrer. Der Notarzt traf kurz danach ein und nahm eine Triage vor und kategorisierte die Unfallopfer nach dem Schweregrad ihrer Verletzungen. Insgesamt fielen sechs Personen unter die Kategorie „rot“ (schwer verletzt, vital bedroht), vier unter „gelb“ (mittelschwerverletzt, keine unmittelbare Lebensgefahr) und fünf unter „grün“ (leichte Verletzungen). Für den Autofahrer kam jede Hilfe zu spät, er war in seinem Fahrzeug „verbrannt“.
Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst errichten eine erste Patientenablage und einen geschützten Behandlungsplatz in einer der Hallen des Steinbruchs. Von dort aus wären die Verletzten bei einem realen Einsatz in geeignete Kliniken transportiert worden.
Erfolgreiche Übung
Die Übungsleiter Dr. Andreas Häcker (Feuerwehr) und Doro und Sven Leon (ASB) zeigten sich bei der abschließenden Nachbesprechung im Ditzinger Feuerwehrhaus zufrieden mit dem Ablauf der Übung. Nach nur einer Stunde seien alle Patienten gerettet und versorgt gewesen und waren transportfähig. Dr. Häcker betonte, wie wichtig es sei, bei einem solchen Szenario „den Schalter umzulegen“ und vom standardisierten Vorgehen bei einem „normalen“ Unfall abzuweichen. Nach Angaben der drei Übungsleiter wurde das Übungsziel, die koordinierte Abwicklung eines MANV vollumfänglich erreicht. Der Ditzinger Feuerwehrkommandant Peter Gsander dankte allen Teilnehmern der Übung für ihren Einsatz. Rund 75 Einsatzkräfte und 15 Verletztendarsteller hätten ihren Samstagvormittag geopfert, um der Bevölkerung im Schadensfall optimale Hilfe leisten zu können, sagte er laut einer Mitteilung. Die Betreiber des Steinbruchs, die Firma Rombold & Gfröhrer, hatten ihr Gelände und ihre Infrastruktur für die Übung zur Verfügung gestellt. (red)



