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Sommerserie

Grüner Baum in Erligheim: Schwäbisches hinterm Fachwerk

In einer großen Serie stellen wir die schönsten und traditionsreichsten Gasthäuser im Kreis Ludwigsburg vor. Von Adler in Asperg bis Ratsstüble in Besigheim. Dazu: das Lieblingsrezept aus der Küche zum nachkochen und genießen.

Das markanteste Gebäude von Erligheim beheimatet den Landgasthof „Grüner Baum“. Schon seit dem Jahr 1600 gibt es dort freundliche Gastlichkeit – bis heute. Fotos: Alfred Drossel
Das markanteste Gebäude von Erligheim beheimatet den Landgasthof „Grüner Baum“. Schon seit dem Jahr 1600 gibt es dort freundliche Gastlichkeit – bis heute. Foto: Alfred Drossel

Erligheim. Nur wenig hat sich verändert im Landgasthof „Grüner Baum“ – im prächtigen Baudenkmal mitten in Erligheim. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Gaststube und großen Saal zieren alte Bilder, bunte Glasfenster und holzgeschnitzte Kronleuchter. Der „Grüne Baum“ ist ein schwäbisches Gasthaus mit einer über 400-jährigen Tradition. Mehr als 90 Jahre wird er von der Familie Ahner betrieben. So eine schwäbisch-traditionelle Küche in diesem Ambiente ist selten geworden. Hinter der Fassade eines mächtigen Fachwerkhauses trifft man auf den „leuchtenden Stern urig-schwäbischer Gastlichkeit“.

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"Grüner Baum": Große Festsäle und Kunstwerke

Erwähnt wurde das historische Gebäude an der alten Poststraße zwischen Bietigheim und Bönnigheim erstmals um 1600. Viele Wirte hatte das „erste Haus am Platze“ seitdem, vor allem die Gutsbesitzerfamilien Scheuerlen haben Gasthaus und Ort maßgeblich geprägt.

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war der „Grüne Baum“ Treffpunkt und beliebtes Ausflugsziel für die Schwadronen der Ludwigsburger Garnison. Auch eine Kegelbahn war in Betrieb, in der die Erligheimer Buben ein Taschengeld durchs Kegelaufstellen verdienten. Der gegenüberliegende Lustgarten war Ort fröhlicher Feste der Oberschicht.

Zur Kirbezeit im Oktober war im „Grünen Baum“ Hochsaison. An mehreren Tagen wurde da groß gegessen, getrunken und getanzt. Dabei kam es früher schon mal zu Handgreiflichkeiten, wenn Löchgauer oder Walheimer Burschen mit Erligheimer Mädchen anbandeln wollten.

Der Großvater der heutigen Besitzer, Eugen Ahner – ein in Erligheim geborener Metzgermeister, der in Stuttgart eine Metzgerei betrieb –, erwarb das Traditionsgasthaus 1929, also vor über 90 Jahren. „Unser Großvater baute Kellerräume unter die Gaststube, legte das Fachwerk frei und setzte Gauben aufs Dach“, weiß der heutige „Boom-Wirt“ Horst Ahner. Vom Großvater wurden auch die Kellerfeste unter der benachbarten großen Scheune veranstaltet oder auch das noch heute jährlich stattfindende Kirschblütenfest. Sohn Erich und seine Frau Emma Ahner übernahmen den Betrieb. Und jetzt, seit nunmehr 34 Jahren, setzt die dritte Generation mit Horst und Ursula Ahner die Tradition ihrer Ahnen zum Wohle ihrer Gäste fort. Mit dabei ist auch Tochter Katja.

Grießklößlesuppe, Rostbraten, Maultaschen, Kartoffelsalat, geschmorte Ochsenbäckle im Lembergersößle mit Röstkartoffeln und Salat – als schwäbischer Landgasthof bietet der „Grüne Baum“ regionale Spezialitäten. „In der Küche verwenden wir fast ausschließlich Produkte aus der heimischen Region“, sagt Horst Ahner. Das gelte auch für das Angebot an Weinen und Bieren.

Die Gastronomie hat sich im Allgemeinen verändert. Horst Ahner begegnet dem mit neuen Ideen. Mundart ist ihm wichtig: Schwäbisch wird bei Mundarttreffen geschwätzt und im Wirtshaus spielen immer wieder Musikanten auf. Eine Aktion, die vom Schwäbischen Heimatbund gewürdigt wird. Ahner setzt auf Tradition. So gehört er zu den Gründervätern der „Schwarzen Jäger“. In Coronazeiten geht aber auch das Traditionshaus neue Wege. Doch glücklicherweise normalisiert sich die Situation wieder und der „Grüne Baum“ hat gegenüber auf der Wiese einen neuen Biergarten eingerichtet.

Info: Alle Teile unserer Serie „Traditionsgasthäuser im Landkreis Ludwigsburg“ finden Sie hier.

Der Küchenchef präsentiert sein Lieblingsrezept: Eingemachtes Kalbfleisch mid Spätzle ond Salad

Scho dor Papa Heuss hat amol gsagt: „Ausorhalb von Württemberg wird mór selda dem milda Gericht begegna, des mór Eigmachtes Kalbfleisch nennt – gekochdes Fleisch midra weißa, mehlige Soß.“

Man nemmt:

750 Gramm Kalbfleisch – Hals oder Schuldór. Das Floisch in große Würfel schneiden und in der Brühe mit einem Bund Suppengrün, einem Lorbeerblatt ond Nelken gespickte Zwiebl, einer halben Zitrone, etwas Salz, eineinhalb Liter Wasser weich sieden.

Fir d’ Soß a helle Mehlschwitze macha und midma halba Litr von derra Kochbrühe auffülla. Dia Brühe guad durchkocha, dann a Viertele Liter Weißwein ond a achtel Liter Sahne neigeba.

Des Fleisch ausam Topf stecha ond mid d’r Soß noamol uffkocha und abschmecka.

Erst am Schluss a Eigelb en a bissle Sahne vorkleppra ond sachde ondórrühra. Sofort mit Spätzla, dia mor scho vorher gschabt odór gschoßa hat, orichda – dodozua gibt’s no en Salad der Saison.

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