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Katholische Kita St. Franziskus ist für den Kinder- und Jugendpreis des Kinderhilfswerks nominiert

Katholische Kita St. Franziskus ist für den Kinder- und Jugendpreis des Kinderhilfswerks nominiert

Vor knapp einem Jahr belegte die Kita den zweiten Platz beim Deutschen Kitapreis. Eltern und Erzieherinnen verfolgten damals die Bekanntgabe gemeinsam in der katholischen Einrichtung.Archivfoto: Ramona Theiss
Vor knapp einem Jahr belegte die Kita den zweiten Platz beim Deutschen Kitapreis. Eltern und Erzieherinnen verfolgten damals die Bekanntgabe gemeinsam in der katholischen Einrichtung. Foto: Ramona Theiss

Benningen. Die Erzieherinnen der katholischen Kindertagesstätte St.Franziskus im Kirchtal haben durch den zweiten Platz beim Deutschen Kitapreis 2020 und beim Lesepreis Selbstbewusstsein getankt und sich mit dem Projekt „Kinder an die Macht“ um den Kinder- und Jugendpreis des Deutschen Kinderhilfswerks beworben. Erfolgreich, denn der erste Schritt hin zum nächsten Preis ist mit der jetzt erfolgten Nominierung gemacht.

Der Preis ist mit insgesamt 30000 Euro dotiert und damit der höchstdotierte bundesweite Preis für Kinder- und Jugendbeteiligung in Deutschland. Sechs Projekte wetteifern um den Sieg.

Saskia Franz, die Leiterin der Benninger Kita, freut sich einerseits riesig über die Nominierung, sagt aber andererseits: „Für uns ist selbstverständlich, was andere bemerkenswert finden.“ Selbstverständlich ist in der katholischen Einrichtung die Teilhabe der Kinder, ihr Recht auf Mitbestimmung. „Die Kinder ernst zu nehmen, ist uns ganz wichtig“, betont Franz. Und deshalb wusste sie: „Da passt unser Projekt!“, als sie die Ausschreibung des Kinder- und Jugendpreises gelesen hatte.

Dieses Projekt hatte sich im Grund völlig ungeplant ergeben. Denn aus der kecken Erkenntnis einiger Kindergartenkinder, dass sie eigentlich niemanden brauchen, der auf sie aufpasst, entstand die Idee, dass sich die Kinder einmal selbst verwalten und organisieren sollen. Eine Umfrage der Kinder unter den Gleichaltrigen zu diesem Vorschlag „wurde mit großem Jubel quittiert“, erinnert sich Saskia Franz.

Gesagt, getan: Schon am nächsten Morgen wurde in der regulären Kinderkonferenz mit der Kita-Leiterin besprochen, was bei der Umsetzung der Idee wichtig ist: Wie lange trauen sich die Kinder das zu, wie können sie Hilfe holen, wem dürfen sie die Türe öffnen. Als alle Fragen geklärt waren, zogen sich die Erzieherinnen in den zweiten Stock zurück, die Vier- bis Sechsjährigen blieben unter sich. Und erarbeiteten zum Beispiel die Idee, mit der Sanduhr zu stoppen, wie lange jemand auf die Schaukel darf. Zwei Stunden haben sie ohne Aufsicht miteinander verbracht; „es hat gut geklappt, wenn es auch für die Kinder superanstrengend war, so viel Verantwortung zu tragen. Die meisten waren danach platt“, resümiert Saskia Franz.

Die im Nachhinein „Kinder an die Macht“ getaufte Aktion war bislang einmalig, „aber sie steht sinnbildlich für unsere Haltung“, findet die Pädagogin. „Wenn die Kinder eine Idee haben, dann schauen wir, wie wir sie umsetzen können.“ Der Austausch und die dafür notwendigen Verhandlungen mit den Erzieherinnen forderten und förderten die Kinder „und vor allem geht es um ganz viel gegenseitiges Vertrauen“.

Ob die Benninger Kita den Kinder- und Jugendpreis gewinnt, wird erst Ende September feststehen, die Preise werden im Europapark Rust übergeben – wenn es Corona zulässt. „Es wäre schön, wenn wir dieses Mal nicht wieder mit angezogener Handbremse feiern müssten“, meint Saskia Franz mit Blick auf die bislang eher minimalistischen Preisverleihungen.

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