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Kein Selbstläufer für die Region

Verkehrsdirektor wirbt zwar erfolgreich um Investitionen in die S-Bahn – Er muss sich aber auch Kritik aus dem Kreis anhören

Ob Schnellbus, S-Bahn oder Strohgäubahn: Der Ausbau des Nahverkehrs ist der öffentlichen Hand viel Geld wert. Archivfotos: Drossel, Bürkle, Hoerter
Ob Schnellbus, S-Bahn oder Strohgäubahn: Der Ausbau des Nahverkehrs ist der öffentlichen Hand viel Geld wert. Foto: Drossel, Bürkle, Hoerter

Kreis Ludwigsburg. Auftritte im Landkreis Ludwigsburg sind für den Verkehrsdirektor des Stuttgarter Regionalverbands VRS, Jürgen Wurmthaler, keine Selbstläufer. Der Grund: Vor Jahren kämpften seine Institution und der Kreis Ludwigsburg um die Vorherrschaft auf der Strohgäubahn. Die Schlacht entschieden der Kreis und sein Landrat Rainer Haas für sich.

Auch gestern gab es für Wurmthaler und die Pläne seines Verbandes, 58 neue S-Bahnen anzuschaffen und die Züge mit Inbetriebnahme des Mammutprojekts Stuttgart 21 mit dem elektronischen Lotsen ETCS (European Train Control System) auszustatten, nicht nur Lob im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik. Mit den Vorhaben, die mit mehreren Hundert Millionen Euro zu Buche schlagen, will die Region die Qualität der chronisch unpünktlichen S-Bahn erhöhen und dichtere Takte vor allem auf der unterirdischen Stammstrecke in Stuttgart ermöglichen.

Neben dem Bund und dem Land müssen sich auch die Landeshauptstadt und die umliegenden Kreise wie Ludwigsburg mit elf bis zwölf Millionen Euro pro Jahr an den Weichenstellungen beteiligen. „Das ist kein Pappenstiel“, sagte Wurmthaler gestern in Ludwigsburg. Allerdings erhofft er sich dadurch einen großen Sprung nach vorne für die S-Bahn, die an jedem Werktag von gut 420.000 Fahrgästen genutzt wird.

Der Landrat betonte im Ausschuss, dass der „ÖPNV so wichtig ist, dass wir keine andere Möglichkeit haben, als zu investieren“. Der ehemalige Möglinger Bürgermeister und Freie Wähler Eberhard Weigele sagte: „Jeder Mosaikstein, der zu Verbesserungen bei der S-Bahn führt, lohnt sich.“ Haas fordert allerdings, dass die „kommunale Familie nicht vollumfänglich auf den Kosten sitzenbleiben“ dürfe. Schließlich gilt, was der CDU-Kreisrat Reinhard Rosner feststellte: „Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich.“

Die neuen Fahrzeuge sollen vor allem dafür sorgen, dass S-Bahnzüge verlängert und Linien wie die S.4, S.5 oder S.6 über die Schwabstraße bis zur Universität in Stuttgart-Vaihingen ausgebaut werden können. Neuen Linien, etwa über Ditzingen und Korntal direkt nach Ludwigsburg, wie sie sich die Grünen wünschen, erteilte Wurmthaler jedoch eine Absage. „Wir werden nicht alles auf einen Satz lösen können“, sagte er im Ausschuss.

Die Verlängerung der Strohgäubahn bis Feuerbach, die Haas und mehrere Kreisräte am Montag erneut forderten, sieht Wurmthaler als „deutlich nachrangig“ an. Bekanntlich favorisiert er Verstärkerzüge auf der S.6.

Die SPD kritisierte gestern, dass die Vitaminspritze für die S-Bahn in wenigen Monaten und unter Zeitdruck aufgezogen worden sei. Hier bekam Wurmthaler aber Unterstützung vom Ingersheimer Bürgermeister Volker Godel (FDP): „Das zeigt, dass sich der VRS seiner Verantwortung für den ÖPNV bewusst ist.“

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