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Klärschlamm-Kritiker nehmen Stellung

Fortschreibung Flächennutzungsplan: 270 Walheimer und 685 Gemmrigheimer äußern sich zu EnBW-Plänen

Foto: Alfred Drossel
Foto: Alfred Drossel

Walheim/Gemmrigheim. In welchen Bereichen sich die Kommunen in den nächsten Jahren entwickeln dürfen, ist im Flächennutzungsplan geregelt. Im Gemeindeverwaltungsverband Besigheim wird dieser Plan gerade fortgeschrieben, jetzt konnte sich die Bevölkerung dazu äußern. Davon machten auch Bürger aus Walheim und Gemmrigheim Gebrauch und nahmen Stellung zu der Fläche des Kraftwerks in Walheim. Dort will die EnBW eine Kärschlammverwertungsanlage bauen.

270 Walheimer und 685 Gemmrigheimer hätten ihre Stellungnahmen abgegeben, teilt die Initiative „Bürger im Neckartal“ mit und fasst zusammen: „Ein wesentliches Fazit ist, dass das Vorhaben der EnBW sicher von einer großen Mehrheit der Bürgerschaft nicht akzeptiert wird und sie das eindeutige Votum der Gemeinderäte dagegen in beiden Gemeinden unterstützt.“

In einem Schreiben der Walheimer an Besigheims Bürgermeister Steffen Bühler, der Vorsitzender des Gemeindeverwaltungsverband ist, heißt es unter anderem: „Von Anfang an diente die Fläche der EnBW ausschließlich der Herstellung, Umformung und Weiterleitung von Strom. Ausschließlich für diesen Zweck wurden damals die Grundstücke auf unserer Markung abgegeben und ausschließlich für diesen Zweck stimmte die Gemeinde Walheim der entsprechenden Nutzung zu.“ Die jetzigen Pläne der EnBW dienten nicht der Versorgung mit Elektrizität, sondern der Entsorgung. „Für diese emissionsintensiven Anlagen ist der jetzige Kraftwerksstandort in der engen Tallage direkt am Neckar völlig ungeeignet.“ Das Vorhaben entspreche zudem nicht der Vereinbarung von Besigheim, Gemmrigheim, Hessigheim, Mundelsheim, Neckarwestheim und Walheim im Jahr 1973, im Neckartal zum Schutz von Mensch und Umwelt keine weiteren Industrieanlagen mehr anzusiedeln. „Wir plädieren für die Zweckbestimmung Wohnen, Dienstleistungen und Kleingewerbe als grundsätzliche Ausweisung im Flächennutzungsplan.“ Zudem werde gefordert, die Flusslandschaft aufzuwerten. „Insgesamt gesehen ist das eine einmalige Chance für die attraktive und bedarfsorientierte Weiterentwicklung unseres Bereichs“, heißt es in dem Brief. Dies bedürfe einer sorgfältigen Planung und eventuell auch eines städtebaulichen Wettbewerbs.

Gemmrigheimer Bürger bringen ein weiteres Argument: Die Fläche der EnBW sei nur wenige Meter von der Wohnbebauung und den Steillagen auf der Gemmrigheimer Neckarseite entfernt. „Der wesentlichste Aspekt ist für uns auf diesem Areal die Aufwertung der Flusslandschaft am Neckar durch Renaturierung des Uferbereichs und durch eine Nutzung, die in diesen engen vom Weinbau geprägten Talbereich passt.“ Die Pläne der EnBW – mit Klärschlammverwertungsanlage und später eventuell einer Anlage für Recycling von Phosphor – wären eine Abwertung für den ganzen Bereich und ein Hindernis für eine hochwertige und bedarfsorientierte Entwicklung. (red)