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Bundestagswahl

Live-Talk der LKZ: Zeit für Weichenstellungen im Kreis

Beim Online-Talk unserer Zeitung treffen die Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien des Wahlkreises Neckar-Zaber in drei Rededuellen aufeinander. Wie haben sich die sechs Politiker geschlagen?

Sie wollen für den Wahlkreis Neckar-Zaber in den Bundestag (von links): Lars Schweizer, Thomas Utz, Marcel Distl, Fabian Gramling, Marc Jongen und Emma Weber. Foto: Holm Wolschendorf
Sie wollen für den Wahlkreis Neckar-Zaber in den Bundestag (von links): Lars Schweizer, Thomas Utz, Marcel Distl, Fabian Gramling, Marc Jongen und Emma Weber. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Mehr als 600 Kilometer trennen Berlin und Bietigheim-Bissingen, die größte Stadt im Wahlkreis Neckar-Zaber. Wie sich die sechs Bewerber, die am 26. September zum Sprung in den Bundestag ansetzen, über diese enorme Entfernung zum Wohl des Landkreises einsetzen wollen, debattierten sie am Donnerstagabend in drei Zweierteams mit LKZ-Chefredakteurin Ulrike Trampus und Kreis-Ressortchef Stephan Wolf.

Der Bietigheimer Fabian Gramling (CDU) und der Murrer Thomas Utz (SPD) kennen sich aus dem Ludwigsburger Kreistag – das Berliner Parkett wäre für beide Neuland. Dort würden sie eine Region vertreten, die sehr von der Autoindustrie geprägt ist. Gramling glaubt, dass die großen Autobauer die anstehende Transformation „gut bewältigen“ werden. Helfen will der Christdemokrat deshalb vor allem den Mittelständlern oder Handwerksbetrieben, die „große Herausforderungen“ zu bestehen haben.

Schließlich geht der Trend zur Elektromobilität, „daran führt kein Weg vorbei“, so der Sozialdemokrat Utz, der als Betriebswirt für einen schwäbischen Autobauer arbeitet. Er will, dass der Bund hier mehr Tempo macht und in die Infrastruktur und die Qualifizierung der Beschäftigten investiert. Utz prophezeit: „Das Auto wird auch in den kommenden Jahren eine große Rolle spielen.“

Eine Koalition mit Gramlings CDU kann er sich nach dem 26. September eher nicht mehr vorstellen. „Nach 16 Jahren braucht es neue Köpfe.“ Ob die CDU auch als Juniorpartnerin mit den Sozialdemokraten koalieren würde, lässt Gramling am Donnerstagabend offen. „Ich kämpfe für ein gutes Ergebnis für die CDU.“

Zwei liegen schnell über Kreuz

Die Verkehrswende wollen der Mitarbeiter beim Landtagasabgeordneten Andre Baumann mit Ludwigsburger Background Lars Maximilian Schweizer (Grüne) und die Nordheimerin Emma Weber (Linke) vordringlich anpacken, wenn sie es in den Bundestag schaffen sollten. Schweizer wäre der erste grüne Abgeordnete aus Neckar-Zaber. Seine Ziele: Den ländlichen Raum besser an den ÖPNV anbinden, ein einfacheres Preissystem einführen und On-Demand-Angebote ausbauen.

Mehr Verkehr auf der Schiene würde nach Ansicht der Linken Weber mithelfen, mehrere Probleme zu bekämpfen: den Klimawandel und den Druck auf den Wohnungsmarkt, wenn auch Kommunen abseits der Ballungsräume besser an den ÖPNV angebunden wären.

Knackpunkt zwischen Grünen und Linken im Bund dürfte die Außenpolitik werden. Zur Nato will sich Weber gestern Abend nicht bekennen.

Zwischen dem Karlsruher Marc Jongen (AfD) und dem Freiberger Marcel Distl (FDP) fliegen ziemlich schnell die Fetzen. Beim Thema Wohnen sprechen sich beide noch gegen einen Mietendeckel aus, den Distl einen „Griff in die sozialistische Mottenkiste“ nennt. Die Übereinstimmung zwischen FDP und AfD bezeichnet Jongen als „bedauerlich“. Für die Wohnungsnot in Land und Kreis macht er auch die „sogenannten Flüchtlinge“ verantwortlich, die mit dafür gesorgt hätten, dass Deutschland in den vergangenen Jahren um vier Millionen Einwohner gewachsen sei. Jongen: „Wir kommen mit der Bautätigkeit nicht mehr nach.“ Als „unredlich“ empfindet es der Freidemokrat Distl daraufhin, dass der Rechtspopulist Jongen die Debatte über fehlenden Wohnraum hierzulande nutze, um „Ressentiments gegen Flüchtlinge zu schüren“.

Distl wünscht sich künftig engagierte Fürsprecher aus dem Wahlkreis in Berlin. Für ihn persönlich wird es aller Voraussicht nach nicht reichen, wohl aber für Jongen. Der will sich in Berlin unter anderem für die Stärkung des Deutschen Literaturarchivs in Marbach einsetzen.

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