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Stromnetz
Marbach: Bau des EnBW-Notkraftwerks gegen Blackouts verzögert sich um Monate

Als im Juni das letzte Segment des neuen Schornsteins auf die Anlage im Technologiepark am Neckar bei Marbach gesetzt wurde, ging die EnBW noch von einer Inbetriebnahme im Spätherbst aus. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Als im Juni das letzte Segment des neuen Schornsteins auf die Anlage im Technologiepark am Neckar bei Marbach gesetzt wurde, ging die EnBW noch von einer Inbetriebnahme im Spätherbst aus. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Ein Projekt, das unter großem Zeitdruck steht, wird erst einige Monate später fertig: Beim Bau der rund 100 Millionen Euro teuren Netzstabilitätsanlage der EnBW in Marbach sorgen Materialengpässe und Personalausfälle zu Verzögerungen.

Marbach. Eigentlich sollte die Anlage im Technologiepark am Neckar im Spätherbst betriebsbereit sein, um als einzige ihrer Art im Südwesten bei drohenden Blackouts im Zuge der Energiewende das Stromnetz zu stabilisieren. Doch daraus wird nun nichts. Erst vor einem Monat war mit dem Aufsetzen des letzten Schornsteinsegments ein Meilenstein gefeiert worden. „Dennoch ist das Projekt noch nicht so weit fortgeschritten wie ursprünglich geplant“, hat die EnBW nun in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.

Auch Zeitpuffer ist inzwischen aufgebraucht

Als Gründe nennt das Unternehmen Lieferschwierigkeiten, Materialengpässe, Werksschließungen und Personalausfälle – also Probleme, die derzeit weltweit auftreten. Auch der Zeitpuffer, den man vorsorglich einkalkuliert habe, sein nun aufgebraucht. Auch paralleles Arbeiten mit zusätzlichem Personal hat laut Projektleiter Florian Hennies am Ende nichts mehr geholfen: „Die Fertigstellung wird sich um Monate verzögern und nicht wie geplant im Oktober erfolgen.“ Man setze alles daran, die Verzögerung möglichst gering zu halten.

Der Energiekonzern investiert rund 100 Millionen Euro in die Anlage. Sie soll nur dann zum Einsatz kommen, wenn die Stabilität des Netzes in Gefahr ist. Innerhalb von einer halben Stunde soll dann die 300-Megawatt-Gasturbine laufen. Betrieben wird die Anlage allerdings nicht mit Gas, sondern mit leichtem Heizöl, das verbrannt wird. Das dabei entstehende Gas treibt die Turbine an. Der Jahresbedarf von 70 000 Kubikmetern Öl kann in den bestehenden Tanks am Neckar gelagert werden. Trotz des Trends zur Abkehr von fossilen Energiequellen, der sich derzeit angesichts des Ukraine-Kriegs und dessen Folgen für die Versorgungssicherheit noch einmal verschärft hat, hält das Unternehmen weiter an diesem Modell fest.

Versorgung mit Energie sei dennoch sicher

Doch was bedeutet die Verzögerung auf der Baustelle nun konkret? Laut der EnBW hat sie „keinen Einfluss auf die Bewertung der Versorgungssicherheit in der aktuellen Situation auf dem Energiemarkt“. Das Unternehmen betont, dass die Anlage noch nie dafür gedacht war, ausfallende Leistung anderer Kraftwerke zu ersetzen, sondern nur das Übertragungsnetz stabilisieren soll, etwa wenn Transformatoren oder Umspannwerke ausfallen.

Größere Probleme macht da aktuell der drohende Gasmangel. Wie berichtet sollen nach einem Beschluss des Bundes von dieser Woche auch im Südwesten neun Öl- und Kohlekraftwerke wieder ans Netz gehen. Solange die Alarmstufe des Notfallplans Gas gilt, sollen sie bis zum Ende des Winters einspringen. Im Kreis Ludwigsburg betrifft das die Kraftwerke in Walheim und Marbach. Letzteres steht in Sichtweite der Netzstabilitätsanlage.