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NACH DER SHOW

Model bleibt weiter ihr Traumberuf

Johanna läuft für die LKZ-Fotografin über den Schwimmsteg am Neckarstrand. Vergangenen Donnerstag sahen Fernsehzuschauer sie noch vor der Kamera des Modefotografen Kristian Schuller in rotem Farbnebel durch die kalifornische Wüste springen. Ein Gespräch mit der 21-Jährigen, die neun Wochen lang Kandidatin in der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ war.

Johanna weiß, wie man in die Kamera lächelt – auch zu Hause in Remseck. Foto: Ramona Theiss
Johanna weiß, wie man in die Kamera lächelt – auch zu Hause in Remseck. Foto: Ramona Theiss

Remseck. Ich hätte sie mir noch größer vorgestellt. Obwohl sie mich mit ihren 1,80 Meter Körperlänge deutlich überragt. Johanna trägt Jeans, flache weiße Schuhe und eine warme schwarze Jacke. Ihr Lächeln wirkt herzlich und echt. Gut eine Stunde lang unterhalten wir uns – mit dem erforderlichen Sicherheitsabstand – am Neckarstrand über das, was sie erlebt hat. Und worum unzählige junge Frauen sie mächtig beneiden.

Model zu werden ist für die 21-Jährige, die zusammen mit ihren beiden Schwestern und der Mutter in einer Wohnung in Aldingen lebt, keineswegs eine kindliche Träumerei, sondern ein ernsthafter Berufswunsch. Warum ausgerechnet Model? Man habe ständig mit neuen Leuten zu tun, könne in verschiedene Rollen schlüpfen, lerne die Welt kennen, zählt Johanna ihre Argumente für den Job auf. Sie möchte weiter daran arbeiten, sich diesen Traum zu erfüllen. Auch nachdem das Abenteuer „Germany’s Next Topmodel“ vorbei ist. Wie berichtet, schied Johanna in der vergangenen Donnerstag gezeigten neunten Folge der Show aus. In Wirklichkeit ist sie schon seit Ende Januar wieder zurück in Remseck. Die 15. Staffel von Heidi Klums Erfolgsshow wurde bereits bis auf das Finale gedreht. Bei der Entscheidung wird auch Johanna wieder dabei sein. Denn die 20 besten Nachwuchsmodels dürfen sich dort noch einmal auf dem Laufsteg präsentieren. Johanna wurde 13. Und darauf ist sie richtig stolz.

Die 21-Jährige hat im Jahr 2018 am Remsecker Lise-Meitner-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Danach jobbte sie als Paketbotin und im Biergarten, um erst einmal Geld zu verdienen. Denn sie wollte reisen, was ihr bis dahin nicht möglich gewesen war. Denn das knappe Budget ihrer alleinerziehenden Mutter hatte für derart große Sprünge nicht ausgereicht. Johanna möchte gerne Australien kennenlernen. Auch ein Trip nach Los Angeles stand auf ihrer Agenda. „Dann kam Germany’s Next Topmodel dazwischen“, lacht sie.

Heidi Klum sei schon lange Zeit ihr Idol. Alle Staffeln der Castingshow habe sie angeschaut, sagt Johanna, und schon lange mit dem Gedanken gespielt, sich als Kandidatin zu bewerben. Doch dann passten die Vorstellungstermine zeitlich nicht, und sie wollte schließlich auch die Schule ordentlich beenden. Doch plötzlich ging alles ganz schnell. Zufällig bekam Johanna an einem Abend im vergangenen Herbst mit, dass in Stuttgart am nächsten Tag eine Vorauswahl für die 15. Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ stattfinden sollte. Sie fuhr spontan hin und bekam direkt eine Einladung zum Hauptcasting in München.

Zusammen mit ihrer Mutter, der jüngeren Schwester und der besten Freundin reiste sie dorthin. „Es war sehr kalt und es hat geregnet“, erinnert sich die 21-Jährige. Und es seien unsagbar viele hübsche, junge Frauen dort gewesen. „Ich habe es mir extrem gewünscht, dass ich weiterkomme, aber überhaupt nicht damit gerechnet.“ Sie sei angespannt gewesen, als sie gleich in der ersten Gruppe vor Heidi Klum über den Catwalk im Olympiapark laufen musste. „Aber Heidi war meganett. Das hat den Druck rausgenommen“, versichert Johanna.

Viele Mitbewerberinnen hätten Erfahrung im Modeln gehabt und seien „über den Laufsteg geflogen“, sie selbst sei gelaufen „wie eine Ente“. Der Grund: Sie hatte nagelneue Highheels an, die sie noch nie zuvor getragen hatte. Ein Fehler, der ihr sicher nie mehr passieren wird. Als Heidi Klum verkündete, Johanna dennoch auf die große Reise mitnehmen zu wollen, flossen bei der Remseckerin erst einmal die Tränen. „Ich heule immer, wenn ich mich freue“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass es zunächst für zwei Wochen nach Costa Rica gehen sollte, erfuhren die 27 ausgewählten Kandidatinnen erst später. Am 1. November stiegen sie in den Flieger. Die Zeit dort ist der 21-Jährigen als aufregend und beeindruckend, aber auch sehr anstrengend in Erinnerung geblieben. „Es war bis zu 40 Grad heiß, wir mussten morgens manchmal schon um 4 Uhr aufstehen und waren oft fast den ganzen Tag draußen.“

Die Entscheidungen, welche die Fernsehzuschauer Woche für Woche präsentiert bekommen, fallen in Wirklichkeit viel schneller. Alle drei bis vier Tage würden Bewerberinnen von Heidi Klum nach Hause geschickt, berichtet Johanna. Sie reiste von Costa Rica noch weiter mit nach Los Angeles, zog mit den anderen Kandidatinnen zunächst in ein Loft und schließlich in die berühmt-berüchtigte Modelvilla, von der alle Teilnehmerinnen der Show schwärmen. Eine Woche durfte Johanna den Luxus mit Blick auf die Hollywood-Hills genießen, bevor Heidi den Satz sagte, den keine Bewerberin hören will: „Ich habe heute leider kein Foto für Dich.“

Vermisst hat sie ihr Smartphone und auch Süßigkeiten

Würde sie noch mal mitmachen? „Auf jeden Fall“, sagt Johanna. Sie habe viel gelernt in dieser Zeit – über sich selbst und darüber, was sie kann. „Ich würde es allerdings anders machen. Nicht so viel grübeln. Mehr über den Dingen stehen. Manches nicht so nah an mich ranlassen.“ Sie habe es nicht verstanden, ihre kurvige Figur als durchaus vorteilhaftes Alleinstellungsmerkmal zu erkennen und zu nutzen, sagt Johanna im Rückblick selbstkritisch. Was war der schönste Moment? Es habe viele gegeben, so die 21-Jährige. Am schönsten sei es gewesen, wenn die Kameras aus waren. Die Gruppe habe sich gut verstanden. So zickig, wie es im Fernsehen wirkt, gehe es nicht zu. Es seien hauptsächlich zwei Teilnehmerinnen, die über die anderen herziehen. Was hat sie vermisst? „Mein Handy und Süßigkeiten“, gibt die 21-Jährige unumwunden zu. Alle Smartphones mussten gleich zu Beginn der Reise abgegeben werden. Naschereien standen nicht auf dem Speiseplan.

Weiß Johanna, wie es in der Show weitergeht? Im Groben schon, denn sie hat nach wie vor Kontakt zu Heidis „Meeeedchen“. Sie will sich die nächsten Folgen aber alle angucken. Und wie sehen die Zukunftspläne aus? Die 21-Jährige möchte auf jeden Fall weiter zu Castings gehen, sich als Bloggerin betätigen, wieder im Biergarten jobben und ein Medienmanagement-Studium beginnen. Dass sie erkannt und angesprochen wird, wenn sie in Remseck unterwegs ist, findet Johanna übrigens toll. „Ich bin eine sehr offene Person“, sagt sie mit ihrem Lächeln.

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