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Orthopädische Klinik

Orthopädische Klinik in Markgröningen: Aus für Wohnungen und Betriebskita

Die Orthopädische Klinik in Markgröningen hat rund 80 Millionen Euro in ihre Modernisierung investiert. Jetzt sollten noch fast 100 neue Wohnungen und eine Betriebskita dazukommen. Doch daraus wird nichts.

Orthopädische Klinik in Markgröningen: Aus den Plänen, am Standort etwa 100 neue Wohnungen und eine Betriebskita zu errichten, wird nichts mehr. Archivfoto: Alfred Drossel
Orthopädische Klinik in Markgröningen: Aus den Plänen, am Standort etwa 100 neue Wohnungen und eine Betriebskita zu errichten, wird nichts mehr. Foto: Alfred Drossel

Markgröningen. Die Orthopädische Klinik in Markgröningen (OKM) kommt derzeit offenbar virusfrei durch die Pandemie. Laut eines Sprechers habe es im laufenden Betrieb bislang keine Corona-Ausbrüche gegeben. Die Klinikmanager führen das auf ein „engmaschiges Testprogramm“ zurück.

Allerdings konnte das Spezialkrankenhaus in den vergangenen Wochen trotzdem keine Volllast fahren. Der Grund: die hohen Covid-Fallzahlen am Ludwigsburger Klinikum, das wie die OKM zur Regionalen Kliniken-Holding RKH gehört. Sie haben dazu geführt, dass Kollegen aus Markgröningen in die Kreisstadt beordert wurden, um die Patientenversorgung dort aufrechtzuerhalten. „Ich habe mich über die Bereitschaft der Mitarbeiter gefreut, die Kollegen in Ludwigsburg zu unterstützen“, so der Geschäftsführer der Markgröninger Klinik, Olaf Sporys.

Er bekennt aber auch, froh zu sein, dass dieser Zustand seit diesem Montag ein Ende hat und die Orthopädische Klinik ihr Programm hochfahren kann. Mittlerweile sind wieder elf von zwölf Operationssälen in Betrieb, in denen maximal 12500 Patienten im Jahr operiert werden können. Das Krankenhaus, das sich selbst finanzieren muss, ist in den vergangenen Jahren für rund 80 Millionen Euro umgebaut worden. „Für uns ist jeder Mitarbeiter, der zurückgekommt, wichtig“, sagt Sporys unserer Zeitung.

Das Markgröninger Hospital hat in den vergangenen Wochen auch darunter gelitten, dass es vom Bund keine Pauschalen für frei gehaltene Kapazitäten erhalten hat – von denen etwa die Kliniken in Ludwigsburg und Bietigheim profitiert haben. Für Fachkrankenhäuser, so die Begründung, seien die Pauschalen nicht vorgesehen gewesen. Auf einer Online-Pressekonferenz räumte der RKH-Chef Jörg Martin kürzlich ein, dass diese Auslegung für die Orthopädische Klinik betriebswirtschaftlich schmerzhaft gewesen sei.

Verabschieden müssen sich die Markgröninger zudem von ihren Plänen, rund 100 neue Wohnungen für die Mitarbeiter und eine Betriebskita für den Nachwuchs am Standort bauen zu können. Zur Begründung heißt es im Unternehmensplan, der im Dezember im Kreistag vorgestellt worden ist: „Die angedachte Bebauung wird aufgrund von Finanzierungsrisiken nicht mehr weiterverfolgt.“

Mit den beiden Vorhaben wollte sich die Orthopädische Klinik ursprünglich auch als attraktive Arbeitgeberin für Pflegekräfte und Mediziner präsentieren. Dafür hätte sie Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro bereitgestellt. Angedacht war, dem Personal günstige Mieten anzubieten und mit dem Verkauf einiger Wohneinheiten, Eigenkapital zu erwirtschaften.

Nach Angaben des Geschäftsführers Sporys sind die beiden Projekte nun auf unbestimmte Zeit geschoben. „Eine schnelle Lösung zeichnet sich nicht ab“, sagt er. Zumal sich auch politische Hürden aufgetan haben. Die Regionalplanung weist Markgröningen als Kommune mit begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten aus. Die Konsequenz: Wenn an der OKM im großen Stil neue Wohnungen gebaut worden wären, und das auch noch weitab vom Schuss, hätten sie an anderer Stelle abgezogen werden müssen – etwa beim Großprojekt alte Ziegelei im Markgröninger Süden. Darauf aber konnte und wollte sich die Stadt in einem Bebauungsplanverfahren nicht einlassen. „Sie hat sich bis zur Decke gestreckt“, sagt Sporys über die Verhandlungen wohlwollend.

Besonders reizvoll wäre es für die Kommune gewesen, in der Betriebskita ebenfalls Plätze anzubieten, die in Markgröningen Mangelware sind. Aus Kostengründen will die Stadt künftig keine Kitas mehr in Eigenregie bauen, sondern auf Miet- und Betreibermodelle setzen. Für die OKM kommt eine Betriebskita ohne neue Wohnungen allerdings nicht in Betracht. Sporys: „Das ergibt für uns keinen Sinn.“

In den Blick geraten jetzt die etwa 40 Jahre alten Bestandsgebäude am Standort, die eigentlich dem Neubauvorhaben weichen sollten. Die drei Komplexe, in denen Pflegekräfte und Ärzte oft übergangsweise unterkommen, könnten jetzt mit „vertretbarem Aufwand“ saniert werden. Was zudem bleibt, ist die Hoffnung: dass die Orthopädische Klinik weiter coronafrei bleibt.

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