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Bürgerentscheid

Porsche ohne Bekenntnis zu Schwieberdingen

Nach dem Bürgerentscheid in Schwieberdingen stellt sich nun die Frage: Was macht der Sportwagenhersteller Porsche?

Die Schwieberdinger haben am Sonntag mit deutlicher Mehrheit Ja zu einem regionalen Gewerbegebiet in der Gemeinde gesagt. Foto: Andreas Essig
Die Schwieberdinger haben am Sonntag mit deutlicher Mehrheit Ja zu einem regionalen Gewerbegebiet in der Gemeinde gesagt. Foto: Andreas Essig

Schwieberdingen. Als das Ergebnis des Bürgerentscheids feststeht, und gut 57 Prozent der Wähler am Sonntagabend den Weg für den regionalen Gewerbeschwerpunkt in Schwieberdingen freimachen, fällt auch von Bürgermeister Nico Lauxmann eine Last ab. Die Volksabstimmung war die Idee des Rathauschefs. Er hat in den vergangenen Wochen unentwegt für das Gewerbegebiet getrommelt und das Risiko in Kauf genommen, dass er bei einer Ablehnung einen Dämpfer einfahren könnte. Jetzt sagt Lauxmann: „Es waren für uns alle intensive Monate. Dass Kommunalpolitik die Menschen in Schwieberdingen bewegt, ist eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden.“

Eine lebendige Demokratie könnte in den kommenden Wochen zu einem Pfund werden, mit dem es sich wuchern lässt. Allerdings müssen Lauxmann und seine Verwaltung auch Erwartungen bedienen: Dass nach dem Ja Porsche nachzieht und sich zu Schwieberdingen bekennt. Im Raum steht ja nach wie vor die Anfrage der Zuffenhausener, auf 15 der rund 23 Hektar großen Fläche ein Industriequartier aufzubauen, in dem Cockpits, Sitze oder Türverkleidungen für den E-Porsche Taycan hergestellt werden.

Doch das Unternehmen äußert sich am Montag auf Anfrage unserer Zeitung abwartend: „Wir begrüßen die Entscheidung der Schwieberdinger Bürger. Sie setzen damit ein Zeichen – auch hier in der Region“, sagt der Porsche-Logistikchef Oliver Bronder. „Die Weiterentwicklung des örtlichen Gewerbeschwerpunkts bietet Entwicklungsmöglichkeiten für Gemeinde und Industrie.“

Bronders Kollegin Daniela Rathe spielt den Ball ins Schwieberdinger Rathaus zurück. „Wir gehen davon aus, dass Bürgermeister Lauxmann alle beteiligten Partner und Interessenten einlädt, um die weiteren Schritte zu besprechen. Diesen Prozess steuert die Gemeinde.“

Der Landtagsabgeordnete Markus Rösler (Grüne), der eine mögliche Porsche-Ansiedlung in den vergangenen Wochen ausdauernd kritisiert hat, prophezeit bereits, dass Lauxmann „jetzt schwierige und umfangreiche Aufgaben“ vor sich habe. „Es ist verbindlich zu klären, ob Porsche wirklich 15 Hektar aufkaufen will, welche Arbeitsplätze in Schwieberdingen geplant sind und wie viele Lastwagen für den geplanten Güterverkehr täglich dort fahren werden.“

Rösler wird nicht der einzige bleiben, der den Schwieberdinger Bürgermeister und den Zuffenhausener Sportwagenbauer kritisch begleiten wird. Der Sprecher der Bürgerinitiative „Lebenswertes Strohgäu“, Karl Bendel, sagt: „Wir werden genau gucken, was der Bürgermeister aus diesem Votum macht.“ Röslers grüne Parteifreundin, die Schwieberdinger Fraktionschefin Monika Birkhold, versprach schon am Sonntagabend, dass ihre Partei „die Finger in die Wunden legen“ werde.

Lauxmann Plan sieht nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid so aus: „Wir machen jetzt einen Schritt nach dem anderen.“ Der Bürgermeister hat nach eigenen Angaben vor, mit seinem Gemeinderat das Für und Wider einer jeden Ansiedlung mit Sinn und Verstand abzuwägen.

Dieses Prozedere muss offenbar nicht zwangsläufig zu Porsche führen. Bronder und Rathe hatten im Gespräch mit unserer Zeitung im Vorfeld durchblicken lassen, dass Porsche nicht der einzige Interessent für die noch landwirtschaftlich genutzten Flächen in Schwieberdingen ist. Nach Ansicht des Ludwigsburger Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger (CDU) „muss es aber unser Interesse sein, dass die Mobilität der Zukunft in der Region entwickelt wird“.

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