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Industrie

Porsche sendet positive Signale

Der Autobauer will offenbar weiterhin ein Werk in Schwieberdingen bauen – Die Kommune hat frisches Geld bitter nötig

Fertigung des Taycans, des ersten rein elektrischen Porschemodells in Zuffenhausen: Von Schwieberdingen aus will das Unternehmen einmal die Produktion unterstützen. Foto: Gollnow/dpa
Fertigung des Taycans, des ersten rein elektrischen Porschemodells in Zuffenhausen: Von Schwieberdingen aus will das Unternehmen einmal die Produktion unterstützen. Foto: Gollnow/dpa
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Schwieberdingen. Der Schwieberdinger Bürgermeister Nico Lauxmann und sein Erster Beigeordneter Manfred Müller führen vor wenigen Tagen ein wegweisendes Gespräch. Mit dabei Vertreter des Sportwagenbauers Porsche. Die Zuffenhausener hatten bekanntlich im Frühjahr ihr Interesse bekundet, in einem neuen interkommunalen Gewerbegebiet zwischen dem Autozulieferer Bosch und der Schnellfahrstrecke der Bahn ein Industriequartier zu errichten und etwa 700 Arbeitsplätze zu schaffen. Das Ziel: mit dem Werk die Produktion des Taycans zu unterstützen, des ersten reinen Elektro-Sportwagens aus Zuffenhausen. Im Sommer hatten die Schwieberdinger mit einem Bürgerentscheid den Weg dafür frei gemacht, auf einer Fläche von rund 23 Hektar neues Gewerbe anzusiedeln.

Nach dem Treffen mit Porsche zieht Lauxmann jetzt ein positives Fazit. „Die Anfrage ist immer noch aktuell“, sagte er am Mittwochabend im Gemeinderat. Doch der Weg zu einer Porscheansiedlung ist nach wie vor weit. Die Gemeinde muss erst einmal das Eigentum an den Flächen erwerben, die bislang landwirtschaftlich genutzt werden – und dafür in Verhandlungen mit rund 100 potenziellen Verkäufern eintreten.

Der Gemeinderat hat unterdessen in einer nichtöffentlichen Sitzung ein Fachinstitut ausgeguckt, das den Wert der Flächen ermitteln soll. Lauxmann: „Damit hätten wir eine Grundlage, um mit den Eigentümern zu verhandeln.“ Darüber hinaus muss ein artenschutzrechtliches Gutachten her, das aber immer für Überraschungen gut sein kann. Klar ist: Bis Porsche in Schwieberdingen bauen und sich nach Bosch ein zweites Weltunternehmen ansiedeln kann, vergehen noch Jahre.

Die einst so reiche Kommune hat neue Einnahmequellen bitter nötig. An zweistellige Millionenbeträge aus der Gewerbesteuer können sich in Schwieberdingen nur noch die älteren Semester erinnern. Im kommenden Jahr plant der Beigeordnete Müller mit bescheidenen 6,5 Millionen Euro – und mutmaßlich wird sich daran in naher Zukunft nicht viel ändern. Es sei denn, Porsche würde die Schatulle öffnen. Das jedoch zweifelt eine Bürgerinitiative in der Gemeinde an. „Es sind keine nennenswerten Gewerbesteuereinnahmen von Firmen zu erwarten, die ihren Sitz außerhalb Schwieberdingens haben“, prophezeit ihr Sprecher Karl Bendel. Positive Effekte könnten sich allerdings für die Einkommensteuer ergeben, wenn sich künftige Porschemitarbeiter vor Ort niederlassen würden.

Bis dahin wird es Schwieberdingen wohl so ergehen wie den Nachbarn Markgröningen und Hemmingen, das bereits Porschestandort ist: Der Haushalt rutscht ins Minus ab. Lauxmann und Müller prognostizieren für 2020 ein Defizit in Höhe von gut einer halben Million Euro. Der Bürgermeister in seiner Haushaltsrede: „Trotz noch guter konjunktureller Lage verharren unsere Erträge auf dem Vorjahresniveau. Unsere Aufwendungen steigen gleichzeitig um eine Million Euro.“

An den hohen Investitionen in die Infrastruktur will Schwieberdingen dennoch festhalten. Mit dem Partner Hemmingen muss die gemeinsame Gemeinschaftsschule für knapp 25 Millionen Euro erweitert und modernisiert werden. Sechs Millionen Euro fließen in den Hochwasserschutz entlang der Glems, ein zweistelliger Betrag ist für das Hallenensemble in den Herrenwiesen nötig. „Unser Finanzhaushalt zeigt in 2020 Investitionen von 9,6 Millionen Euro und bis 2023 von mehr als 34 Millionen Euro“, sagt Lauxmann.

Das geht nicht spurlos vorüber. Zur Finanzierung plündert die Gemeinde ihre üppig gefüllte Rücklage fast komplett. 18,5 Millionen Euro will sie entnehmen. „Damit sinkt der Stand bis 2023 von 19,7 Millionen Euro auf 760.000 Euro“, so Lauxmann. Das ist gerade noch so über der gesetzlichen Mindestrücklage. Des Weiteren schlägt die Rathausspitze dem Gemeinderat vor, im Januar eine Strukturkommission zu gründen. Der Bürgermeister: „Wir werden vorhandene Strukturen in unserer Gemeinde überprüfen, um Aufwendungen zu senken und Einnahmen zu steigern.“

In der Steuerkraftliga des Kreises spielt die Boschkommune Schwieberdingen derzeit auf Platz zehn im oberen Drittel mit. 2014 sprang gar Platz drei heraus. Sie ist aber auch Abstiegskampf gewöhnt. Vor vier Jahren langte es nur zu Platz 30. Die Ursache: die Abhängigkeit von lediglich einem großen Gewerbesteuerzahler.

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