Logo

Ehrenamt

Prächtiger Eichenmischwald als Ziel

Im ganzen Land werden die Schulen geschlossen. In Schwieberdingen wurde am Samstag dagegen sogar eine neue eröffnet – allerdings nur eine Baumschule.

Bürgermeister Nico Lauxmann (dritter von links) geht bei der Pflanzaktion mit gutem Beispiel voran. Foto: Benjamin Stollenberg
Bürgermeister Nico Lauxmann (dritter von links) geht bei der Pflanzaktion mit gutem Beispiel voran. Foto: Benjamin Stollenberg

schwieberdingen. Die Glems mäandert in ihrem von Pappeln gesäumten Bett. Frühlingshaft warm ist es. Ein paar Meter höher, den Hügel hinauf, soll in 100 Jahren bei der Neumühle in Sichtweite der Glemstalbrücke einmal ein prächtiger Eichenmischwald stehen. Bürgermeister Nico Lauxmann strahlt am Samstagvormittag mit der Sonne um die Wette, als er die rund 15 Helfer zur Pflanzaktion begrüßt und meint, dies sei die letzte öffentliche Aktion der Gemeinde für die kommenden Wochen. Er versprüht Zuversicht: „Wir werden die Krise meistern.“ Mit der Pflanzaktion trage man Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeit. Damit folgt die Gemeinde dem Aufruf des Gemeindetags „1000 Bäume für 1000 Kommunen“. Ziel ist es, bis Ende 2020 landesweit in 1000 Städten und Gemeinden jeweils 1000 neue Bäume zu pflanzen. Damit soll ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz geleistet werden. Nach den zuletzt sehr trockenen Sommern und einem verstärkten Schädlingsbefall stellt das eine Art Notfallplan dar.

Peter Hauk, Landesminister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, hatte zum Start der Aktion an die Kommunen appelliert, sich zu beteiligen: „In der aktuellen Situation unseres Waldes brauchen wir alle Partner, wenn es darum geht, auch künftig einen klimastabilen Wald zu haben, der seine vielfältigen Aufgaben erfüllt.“

Es ist am Samstag in Schwieberdingen die Initialpflanzung, etwa 100 Sträucher werden von den Freiwilligen gesetzt. Der Boden ist feucht und schwer. Selbst gestandenen Männern stehen schnell die Schweißperlen auf der Stirn, als sie die Pflanzlöcher stechen. Ein Spatenblatt tief sollte das Loch sein, in das die Jungpflanze kommt. Der Mutterboden wird zerkleinert und in das Loch gekrümelt, um sie dann leicht festzutreten.

Die Stellen hat Förster Axel Armbruster vorab mit Bambusstöckchen markiert. Mitarbeiter des Bauhofteams um Eberhard Keller vom Tiefbau- und Umweltamt hatten schon im September die Wiese umgestochen und so den Boden für die Aufforstung bereitet. Getreide wurde eingesät. In frischem Grün spitzen die Setzlinge aus dem Boden. Das soll den Wuchs von Wildkräutern eindämmen und mit seinen Körner Nager satt machen, damit sie die Wurzel und Rinden der jungen Bäumchen möglichst nicht anknabbern. Rund um das Areal wurde zudem ein Zaun gegen Wildverbiss gezogen. Das alles wird in den kommenden Wochen und Monaten regelmäßig kontrolliert.

Es ist bereits der dritte Pflanzabschnitt im „Kleinen Feldle“. Schon in den Jahren 2000 und 2007 wurden auf 1,8 Hektar Gehölze und Bäume gepflanzt. Sie zeigen schon heute, wie es auf den neuen 0,7 Hektar in ein paar Jahren aussehen wird. Für den Laien erst einmal wild und unordentlich. Für den Forstwirt müsse das so sein, erklärt Dr. Michael Nill, Fachbereichsleiter Wald im Landratsamt. Denn dass die Bäume so dicht stehen, ergebe durchaus Sinn. Schließlich sollen die kommenden Baumgenerationen astfreie Stämme bis in sechs, acht Metern bekommen. „Wir räumen deshalb bewusst nicht auf.“

Um die Kernpflanzung werden im Saum Heckenrose und -kirsche, Elsbeere, Pfaffenhütchen, Schwarzdorn sowie wolliger und gemeiner Schnellball für Biodiversität sorgen. 250 davon werden in den kommenden Wochen gepflanzt. Die Mitte gehört den 850 Hainbuchen und 2500 Traubeneichen. „Die Hainbuche ist eine dienende Baumart“, erklärt Nill. Sie zwinge die Eiche grade und ohne Äste in die Höhe wachsen und spende ihr Schatten. „Sie ist sozusagen ihr Sonnenschirm.“

Der oberste Forstwirt des Landkreises freut sich, dass Schwieberdingen sich so aktiv engagiert. Hier entstehe tatsächlich ein Zugewinn an Wald mit neuen Bäumen. Es sei keine Ersatzpflanzung für etwas, was andernorts gerodet werde. „Das tut einer sonst an Waldfläche so armen Gemeinde gut.“ Wälder kompensierten zehn Prozent des Co-Ausstoßes, indem sie Kohlenstoff speichern. Außerdem geben sie zahlreichen Tieren eine Heimat. Eine Eiche beherberge bis zu 1400 verschiedene, seltene Insektenarten. Und sie lieferten wertvollen Rohstoff. Nicht nur Brennholz, sondern auch Balken für den Hausbau und Bretter für Möbel.

Dazu braucht man aber etwas Geduld. Bis so eine Eiche erntereif ist, vergehen 120 bis 150 Jahre. „Was wir heute pflanzen, machen wir für unsere Urururenkel.“ Und nicht alle Bäume erreichen dieses hohe Alter. Von den 2500 Exemplaren erlebten das vielleicht 80, so Nill.

Am Ende des Vormittags klebt der lehmige Boden an den Stiefeln, die jetzt schwer an den Beinen hängen. Das Gröbste wird mit den Spaten weggekratzt, geputzt wird dann daheim. Zuerst aber wird zünftig gevespert. Für die Kinder gibt’s Schorle, für die Erwachsenen Bier aus der Flasche. Alle zusammen stärken sich mit einem Fleischkäsweck‘. Und dabei ist die Stimmung wie das Wetter prächtig.

Autor: