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Verkehr

RP bleibt bei B 10-Anschluss unnachgiebig

Klare Ansage aus Stuttgart an Korntal-Münchingen: Entweder die Stadt akzeptiert nun endlich die vom Regierungspräsidium vorgeschlagene Verlegung des B 10-Anschlusses – oder die Ortsteile Müllerheim, Münchingen und Kallenberg werden von der Bundesstraße abgehängt.

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Bundesstraße 10 bei Müllerheim: Das Regierungspräsidium Stuttgart verlangt, dass der Anschluss verlegt wird. Foto: Benjamin Stollenberg

Korntal-Münchingen. Es ist beschlossene Sache, dass die B 10 zwischen Enzweihingen, Schwieberdingen und der Anschlussstelle Stuttgart-Zuffenhausen autobahnähnlich vierspurig ausgebaut wird. Bis etwa 2025 sollen die Planungen stehen, wenn alles gut läuft, könnte das rote Band zur Eröffnung in zwölf Jahren durchschnitten werden.

In dieses Konzept passt die Müllerheimer Kreuzung allerdings nicht. Sie ist dem Anschluss Zuffenhausen zu nah, als dass dort eine sichere Einfädelspur möglich wäre. „Dazu wären mindestens 250 Meter, besser 500 Meter Abstand nötig“, sagte der Leiter des Straßenplanungsamtes im RP, Jürgen Holzwarth, dem Korntal-Münchinger Gemeinderat am Donnerstagabend. Deshalb müsse der jetzige Müllerheimer Knoten um 265 Meter verschoben werden. „Dazu gibt es keine Alternative“, so Holzwarth. Das Vorhaben bezeichnete er sogar als eine „entgegenkommende Sonderregelung“. Andere Kommunen müssten damit leben, dass Anschlüsse geschlossen werden. „Welche entlang der B 10 genau“, wollte Egon Beck (SPD) wissen – und bekam keine Antwort.

„Wenn Sie sich dieser Lösung verweigern, müssen wir davon ausgehen, dass Sie keinen Anschluss an die B 10 mehr haben wollen“, sagte Holzwarth weiter. Einen Bestandsschutz habe die alte Kreuzung nicht, auch wenn einige Räte darauf beharrten.

„Es wäre eine Katastrophe“, sagte Bürgermeister Joachim Wolf am Donnerstagabend, wenn sämtliche Autos und Lastwagen durch die Orte fahren müssten und nicht vorbeigelenkt würden. Insbesondere weil in Münchingen neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden sollen, um bestehenden Unternehmen Entwicklungsperspektiven zu geben – und um Neuansiedlungen zu ermöglichen. Die Stadtkasse sei klamm und dringend auf höhere Einnahmen aus der Gewerbesteuer angewiesen. „Der Verzicht auf einen Anschluss kommt deshalb nicht in Betracht“, so Wolf.

Die Erweiterung mit Gewerbeflächen soll nördlich der Kornwestheimer Straße passieren. Knapp 70 000 Quadratmeter Fläche sollen durch eine weitere Stichstraße erschlossen werden, die die bestehende Gärtnerei rechts liegenlässt. Die würde dann auch auf den neuen B 10-Anschluss verlängert. Verkehrsplaner Robert Wenzel rechnet hier mit einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von rund 1300 Fahrzeugen, weitere 520 rollen auf die ohnehin bereits stark belastete Tampoprint-Kreuzung zu, die in diesem Zug ebenfalls dringend überplant werden müsste.

Kommt in fernerer Zukunft noch ein weiterer Bauabschnitt mit 46 500 Quadratmetern dazu, wächst die Verkehrbelastung um 870 Fahrzeuge am Tag. Zusammen also zusätzlich rund 2700 Fahrzeuge, die sich ohne B 10-Anschluss ihren Weg suchen müssten. Dazu ist der regionale Gewerbeschwerpunkt jenseits der B 10 mit einer Fläche von 190 000 Quadratmetern und geschätzten 3500 Fahrzeugen geplant.

„Damit der Verkehr fließt, wird die Kornwestheimer Straße aus Richtung Ortsmitte bis zur neuen Stichstraße zur Einbahnstraße“, sagte die Leiterin des Tiefbauamts, Sonja Widmann. Auch der Verkehr vom Tampoprintknoten soll hier fließen. Am künftigen Knoten werde eine Ampel die Situation zudem für Fußgänger und Radler regeln. Außerdem soll eine Bushaltestelle an die Siemensstraße verlegt werden. Und eine Unterführung der B 10 werde die nördlichen Flächen anschließen.

Mit dieser Regelung könne nach Angaben der Verkehrsplaner eine gute Qualität erreicht werden. Trotzdem könne es in Spitzenzeiten zu einem Rückstau in Richtung B 10-Zufahrt kommen.