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Nahverkehr

S-Bahn in der Region Stuttgart noch lange nicht barrierefrei

Bis 2029 soll der Höhenunterschied an 17 Stationen in der Region ausgeglichen werden – der Politik dauert das viel zu lange.

Ein Mann steht mit seinem Elektro-Rollstuhl am Gleis: In der Region kommen Fahrgäste aktuell noch an 31 von 83 S-Bahn-Stationen nicht stufenfrei in die Züge. Foto: Marijan Murat/dpa
Ein Mann steht mit seinem Elektro-Rollstuhl am Gleis: In der Region kommen Fahrgäste aktuell noch an 31 von 83 S-Bahn-Stationen nicht stufenfrei in die Züge. Foto: Marijan Murat/dpa

Kreis Ludwigsburg. An der S-Bahn-Station in Feuerbach setzt die Bahn im April mal wieder zum Eigenlob an. Für knapp fünf Millionen Euro können die Fahrgäste hier nun stufenfrei in die Züge einsteigen – eine Investition für mobilitätseingeschränkte Menschen, Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit Gepäck, Fahrrädern oder Gehhilfen. Die Station in Feuerbach ist die 52. von 83 S-Bahn-Stationen in der Region, die mittlerweile vollständig barrierefrei ausgebaut ist. Der Regionalchef der Bahntochter DB Station&Service, Michael Groh, sagt auf dem Festakt: „Wir setzen damit ein Zeichen und gestalten das Reisen mit der S-Bahn für alle Fahrgäste langfristig attraktiver.“

Der Ditzinger OB und SPD-Regionalrat Makurath spricht von Schneckentempo

Die Betonung muss auf langfristig liegen. Derzeit braucht die Bahn nämlich rund sechs Jahre, um ihre S-Bahn-Haltepunkte barrierefrei zu gestalten – es waren schon mal acht Jahre. „Der Fortschritt ist noch immer eine Schnecke“, sagte deshalb der Ditzinger Oberbürgermeister und verkehrspolitische Sprecher der SPD, Michael Makurath, am Mittwochnachmittag im regionalen Verkehrsausschuss. Er ist nicht der einzige, der findet, dass das den Fahrgästen kaum vermittelbar ist. Die Bahn verweist auf das ausufernde Planungsrecht, der Bau würde nur mit etwa sechs Monaten zu Buche schlagen. Der CDU-Regionalpolitiker Helmut Noe dazu: „Man könnte in Depressionen verfallen, wenn man sieht, wie lange es dauert.“ Die AfD hofft, dass die Zeitschiene „in intensiven Gesprächen“ noch verkürzt werden kann.

Vorwärts gehen soll es jetzt an 17 S-Bahn-Stationen in der Region – bis 2028 ist zum Beispiel geplant, den Höhenunterschied an den Bahngleisen in Kornwestheim auszugleichen. 2027 ist Zuffenhausen an der Reihe, Leonberg steht für 2026 auf der Liste. Darüber hinaus hat der regionale Verkehrsausschuss den Weg für den Umbau der Stationen in Ditzingen, Korntal, Weilimdorf und Neuwirtshaus bei Porsche freigemacht. Der Verband rechnet hier mit einer Inbetriebnahme im Jahr 2029. „Vieles haben wir nicht in der Hand“, sagte die Stuttgarter FDP-Regionalrätin Gabriele Heise im Ausschuss. „Was wir tun können, das tun wir aber.“ In Kornwestheim etwa verzögert sich der Umbau, weil es in den ersten beiden Ausschreibungsrunden an Bewerbern mangelte.

Auf den Regionalverband kommen Kosten im zweistelligen Millionenbereich zu

Der Regionalverband investiert in die Barrierefreiheit in einem ersten Schritt nach eigenen Angaben rund 12,2 Millionen Euro in entsprechende Planungs- und Realisierungsvereinbarungen. Insgesamt rechnet er mit Kosten zwischen 38 und 66 Millionen Euro für sich. Makurath: „Wir bekennen uns zu den Kosten. Das Geld ist gut angelegt.“

Die Linken kritisierten im Verkehrsausschuss, dass nach der Umsetzung für die 17 nun ins Visier genommenen S-Bahn-Stationen immer noch 14 in der Region übrig bleiben würden. Darunter sind etwa Ludwigsburg und der Favoritepark. Das Ziel, bis 2030 alle S-Bahn-Stationen im regionalen Netz barrierefrei auszubauen, sei laut Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler nicht mehr zu erreichen.

Auch defekte Aufzüge sorgen für Unmut

Ebenfalls ein Dauerbrenner an den Stationen waren in den vergangenen Jahren Aufzüge, die nicht funktionierten. Die Region gibt die Verfügbarkeit zwar mit rund 97 Prozent an. Wurmthaler ist aber auch klar, dass es bei diversen Anlagen immer wieder zu langen Ausfallzeiten kommt. Die Bahn sei hier in engem Kontakt mit den Herstellern. Die Grünen wünschen sich unterdessen, dass die Fahrgäste schon in der S-Bahn eine Information bekommen, falls ein Aufzug gerade nicht funktioniert.

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