Sachsenheim. Fast 3000 Mitglieder, rund 200 aktive Helfer und seit 2018 in guten Jahren mehr als 60.000 Besucher: Das Schlossfreibad ist für viele Sachsenheimer weit mehr als ein Ort zum Schwimmen. Seit mehr als 20 Jahren betreibt ein Trägerverein das Bad. Nun steht eines der größten Projekte seit der Rettung des Freibads bevor. Der Bund hat 685.000 Euro für die Sanierung zugesagt.
Bei der zweiten Station von „Newscouch on Tour“ sprechen die Vorstandsmitglieder Nicole Klingler und Axel Griesbaum mit Ulrike Trampus und Stephan Wolf aus der LKZ-Chefredaktion darüber, wie viel ehrenamtliche Arbeit hinter dem Freibad steckt – und warum die Förderzusage zwar Freude auslöst, aber noch längst nicht alle finanziellen Fragen löst.
Bürger retteten das Freibad vor der Schließung
Das Bad im Schlosspark von Großsachsenheim wurde 1953 eröffnet – damals schon mit viel Eigeninitiative der Bürger. 50 Jahre später drohte das Aus. Als 2003 über eine Schließung gesprochen wurde, formierte sich Widerstand. Es gab Plakate, eine Demonstration im Freibad und schließlich Gespräche mit der Stadt.

2004 gründete sich der Trägerverein. Griesbaum war von Beginn an dabei. Die Bürger hätten ihr Bad behalten wollen, sagt er. Diese Verbundenheit sei bis heute spürbar. Selbst frühere Helfer, die inzwischen im Pflegeheim leben, seien noch Mitglied.
Fast 3000 Mitglieder – 200 packen selbst mit an
Der Verein organisiert den Betrieb, schließt Verträge mit Energieversorgern ab und kümmert sich gemeinsam mit dem städtischen Bäderpersonal um die Anlage. Vor allem aber bringen sich die Mitglieder selbst ein.
Rund 200 von fast 3000 Mitgliedern arbeiten aktiv mit. Bei Helfertagen kommen 40 oder 50 Menschen zusammen. Elektriker, Maurer und andere Fachleute übernehmen Arbeiten, andere pflegen Grünanlagen, streichen, gießen Pflanzen oder helfen bei Veranstaltungen. „Der Zusammenhalt trägt uns“, sagt Griesbaum.
Klingler sieht darin einen entscheidenden Grund, weshalb das Modell funktioniert: Die Helfer könnten am Ende eines Tages unmittelbar sehen, was sie gemeinsam geschafft haben. Und wer sich engagieren will, findet fast immer eine Aufgabe – vom Kassendienst bis zum Aufbau des Freibadkinos.
Überschüsse fließen zurück ins Bad
Stadt und Verein teilen sich die Verantwortung. Die Grundstücke gehören der Stadt, sie stellt auch das angestellte Personal. Der Verein steckt nach eigenen Angaben seine Überschüsse immer wieder in die Anlage. So wurden unter anderem Photovoltaik und Solarthermie installiert, Dächer und Duschen saniert, eine Beckenabdeckung angeschafft und der Kinderbereich erneuert.
Das Vertrauen zwischen Stadt und Verein musste allerdings wachsen. Inzwischen stehe die Kommune voll hinter dem Freibad, berichten Klingler und Griesbaum. Größere Investitionen seien ohne Unterstützung der Stadt ohnehin nicht zu stemmen.
685.000 Euro reichen noch nicht für das ganze Projekt
Besonders wichtig ist deshalb die Zusage aus dem Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten und Schwimmbäder. 685.000 Euro sollen nach Sachsenheim fließen. Beantragt hatte die Stadt allerdings rund 1,5 Millionen Euro.
Im Mittelpunkt stehen Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Geplant ist unter anderem eine grundlegende Erneuerung des Beckens. Ein Edelstahlbecken ist dabei nur der sichtbare Teil. Durch eine veränderte Beckentiefe könnte nach Angaben des Vereins rund ein Drittel des Wasservolumens eingespart werden. Das würde auch den Verbrauch von Energie und Chemikalien senken.
Wie das Gesamtprojekt finanziert wird, ist noch offen. Die Stadt hatte die Förderung beantragt und muss nun entscheiden, wie es weitergeht. Auch der Verein will sich beteiligen. Zugleich muss Sachsenheim seinen Haushalt konsolidieren. Die Sanierung muss nach den derzeitigen Vorgaben bis Ende 2032 abgeschlossen sein.
Mehr Freibadkino und neue Angebote im Wasser
Stillstand gibt es bis dahin nicht. Für ein weiteres Projekt erhält der Verein 10.000 Euro aus einer Porsche-Förderung. Damit sollen Geräte für Angebote im Wasser angeschafft werden.
Auch das Freibadkino soll wachsen: Statt bislang zwei sind in der kommenden Saison drei Abende geplant. Bei anderen neuen Projekten will der Vorstand zunächst vorsichtiger sein. Wie viel Geld für die große Sanierung zurückgelegt werden muss, ist noch nicht geklärt.
Griesbaum hält ohnehin nichts davon, ständig alles zu verändern. Rund 90 Prozent sollten verlässlich so bleiben, wie die Besucher es kennen. Zehn Prozent Neues seien genug. Nach mehr als 20 Jahren Trägerverein ist auch das ein Teil des Erfolgsrezepts.




