Kreis Ludwigsburg. Viele Menschen dürften in der Nacht auf Samstag gespannt in den Himmel schauen: Die nächste Rakete des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX könnte in der Nacht starten, nachdem der erste Startversuch in der Nacht auf Freitag gescheitert war. Doch wird man den Flug auch über dem Landkreis Ludwigsburg sehen können?
Die kurze Antwort lautet: eher nicht. „Die Rakete fliegt viel zu südlich“, erklärt Hansjürgen Köhler von der Ufo-Meldestelle CENAP im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Flugroute führe über Afrika in Richtung Australien. Dort soll die Rakete kontrolliert im Ozean landen.
Auch Sorgen über abstürzende Raketenteile seien unbegründet. Vor gut einem Jahr hatten verglühende Weltraumteile über Deutschland für Aufsehen gesorgt. Ein ähnliches Szenario erwartet Köhler diesmal jedoch nicht.
Starlink-Satelliten sind gut zu sehen
Ganz leer wird der Himmel über Baden-Württemberg trotzdem nicht bleiben. Statt der Rakete selbst könnten heute Nacht sogenannte Starlink-Satelliten sichtbar werden – und die sorgen laut Köhler regelmäßig für Verwunderung.
„Früher sah man die Satelliten oft wie eine lange Kette am Himmel“, erklärt der Experte. Inzwischen würden die Satelliten jedoch anders ausgesetzt. Dadurch wirkten sie „wie eine fliegende Neonröhre“. Besonders in den ersten Tagen nach dem Start fliegen die Satelliten dicht hintereinander und reflektieren das Sonnenlicht stark.
Die Chancen für Sichtungen stehen laut Köhler derzeit gut. Zwischen etwa 20.30 Uhr und 23 Uhr sind die Satelliten am Himmel in der Regel besonders gut zu sehen. Gerade weil viele Menschen über die Feiertage oder bei Veranstaltungen draußen seien, rechnet der CENAP-Experte erneut mit zahlreichen Beobachtungen.
Starlink-Satelliten sehen nicht mehr aus wie früher
Für zusätzliche Verwirrung sorgt laut Köhler, dass die Satelliten inzwischen teilweise in kleinen Gruppen oder sogar scheinbar „über Kreuz“ fliegen. Besonders am Westhorizont wirke das auf Beobachter oft spektakulär. „Da fragen sich viele, was da am Himmel abgeht“, sagt er.
Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Die Lichtpunkte verschwinden häufig plötzlich gleichzeitig. Der Grund dafür ist allerdings harmlos. Sobald die Satelliten in den Erdschatten eintreten, sind sie nicht mehr von der Sonne angestrahlt und dadurch unsichtbar.
Warum derzeit überhaupt so viele Starlink-Satelliten unterwegs sind? Laut Köhler müssen regelmäßig ältere oder ausgefallene Satelliten ersetzt werden. Die Ausfallquote liege bei sechs bis acht Prozent. Deshalb starte SpaceX momentan nahezu alle acht bis zehn Tage neue Raketen mit 20 bis 30 Satelliten an Bord.
Für Hobby-Sterngucker im Landkreis könnte sich der Blick nach oben heute Abend also trotzdem lohnen – auch wenn die eigentliche Rakete nicht zu sehen ist.



