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Spannung und Gefühlssturm

Jugendphilharmonie spielt zum Musikschuljubiläum in der Karlskaserne

Beachtliches Niveau: Die Jugendphilharmonie beim Konzert in der Reithalle. Foto: Andreas Becker
Beachtliches Niveau: Die Jugendphilharmonie beim Konzert in der Reithalle. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Flirrende Streicher, verklärte Romantik und zarte Flötenpoesie: Die Musik passte zu diesem heißen Sommerabend am Sonntag in der Reithalle der Karlskaserne, wo die Jugendphilharmonie zum Abschluss der Festwoche zum 50-jährigen Bestehen der Jugendmusikschule Ludwigsburg ein vielumjubeltes Konzert gab.

Das seit fast 20 Jahren bestehende, rund 60-köpfige Sinfonieorchester der Musikschulen im Landkreis Ludwigsburg vereint begabte junge Instrumentalisten, es ist bereits mehrfach international aufgetreten und überzeugte auch bei seinem Ludwigsburger Auftritt mit einem beachtlichen Niveau. Unter der Leitung von Dietrich Schöller-Manno entfachte das Orchester gleich zum Konzertauftakt einen wahren Gefühlsturm.

Drama um die große Liebe

Mit der Ouvertüre zur Verdi-Oper „Die Macht des Schicksals“ erzählten die Musiker das ganze Drama um die große, chancenlose Liebe zwischen Leonora und Don Alvaro. Opulent im Ausdruck und mit spannungsgeladener Attitüde nahmen die jungen Musiker die Handlung der Oper vorweg und stellten das Schicksalsmotiv auf ergreifende Art in den Mittelpunkt des Geschehens. Mit der Sinfonie Nr. 1 g-Moll des russischen Komponisten Wassili Sergejewitsch Kalinnikow ging das Orchester mit gestalterischer Wucht zur Sache, überzeugte aber auch mit eingängig-melodischer Note und äußerst inspirierenden Passagen.

Das Orchester begleitete im ersten Teil des Konzerts überdies erstaunliche Solodarbietungen auf sehr feinfühlige Weise. Die junge Violinistin Lynn My Le Trinh Stiegler von der Jugendmusikschule Ludwigsburg wurde für die Zigeunerweisen für Violine und Orchester von Pablo De Sarasate gefeiert. Die Abiturientin, die bereits an der Musikhochschule studiert, überzeugte mit großer Intensität und virtuosen Momenten, die den Atem stocken ließen. Mit großer Begabung und Können zeigte sie eine wahre Meisterleistung. Das traf auch auf Lavinia Laukner zu, die ebenfalls an der Jugendmusikschule das Geigenspielen zur Reife gebracht hat und jetzt beim Wettbewerb Jugend musiziert Bundessiegerin wurde. Mit einer Introduction und einem Rondo Capriccioso von Camille Saint-Saëns stellte sie ihre ganze Klasse unter Beweis. Das gelang ihr mit bebender Spannung und mystischer Note.

Melodische Feinheiten

Romantisch verklärt und hingebungsvoll dargeboten war außerdem eine Romanze von Edward Elgar mit Tobias Reikow am Fagott. Auch er lernte sein Rüstzeug an der Jugendmusikschule Ludwigsburg und er verstand sich auf melodische Feinheiten mit einem dafür eigentlich eher ungewöhnlichen Instrument. Die junge Flötistin Tamina Patricia Frank von der Musikschule Bietigheim-Bissingen begeisterte bei einem Concertino von Cécile Chaminade mit großer Klarheit und stimmiger Klangentfaltung, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Dem Zauber dieses Flötenkonzerts konnte man sich nicht entziehen.

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