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Stadion’sches Schloss

Verkaufen oder besser vermieten?

Um die Zukunft des Stadion’schen Schlosses geht es bei der Sitzung des Bönnigheimer Gemeinderats am kommenden Freitag. Ein Ausschreibungsverfahren soll eingeleitet werden, was beim Verkauf des Schlosses notwendig wird. Investor Wolfgang Scheidtweiler zeigt kein Interesse mehr, eine international tätige Kunstagentur dagegen nach wie vor.

Silke Sütterlin und der New Yorker Musiker Kelly Parkhurst wagen im Schloss einen Neustart und lassen sich trauen. Bisher konnten Hochzeitspaare im Schloss heiraten.Foto: Alfred Drossel
Silke Sütterlin und der New Yorker Musiker Kelly Parkhurst wagen im Schloss einen Neustart und lassen sich trauen. Bisher konnten Hochzeitspaare im Schloss heiraten. Foto: Alfred Drossel

Bönnigheim. Nach mehreren nichtöffentlichen Sitzungen und Gesprächen mit Interessenten und Investoren will der Bönnigheimer Gemeinderat in seiner Sitzung am kommenden Freitag das Thema „Nutzung des Stadion’schen Schlosses“ öffentlich behandeln. Nach dem Auszug des Kunstmuseums Zander vor über einem Jahr ist das Schloss weitgehend ungenutzt (wir berichteten mehrfach).

Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten für Bönnigheim: Die erste Option ist der Verkauf zu einem symbolischen Preis mit Eintragung eines Wiederkaufrechtes durch die Stadt. Die zweite Option ist die Nutzungsüberlassung in Erbpacht mit jährlichem Pachtzins. Hierbei müsste allerdings noch über die Vertragsdauer von mindestens 30 Jahren und eine mögliche Verlängerungsoption mit potenziellen Interessenten verhandelt werden. Dabei muss die Stadt das Schloss im Zuge eines Erbpachtvertrages einem Dritten zur Nutzung überlassen. Klar scheint bisher nur zu sein, dass die Kommune das Schloss nicht selbst nutzen kann und will.

Unterschiedliche Betreibermodelle sind im Gespräch und wurden bisher hinter verschlossenen Türen diskutiert: die Nutzung als Galerie- und Ausstellungsort sowie für Veranstaltungen unterschiedlicher Art oder ein Hotelbetrieb mit Tagungsräumen und Veranstaltungen. Dazu muss ein Ausschreibungsverfahren in die Wege geleitet werden.

Das Stadion’sche Schloss gehört der Stadt. Sie hat den Barockbau von Professor Walter Leibrecht aus Kleiningersheim erworben und später der Münchner Galeristin Charlotte Zander für eine Mark Miete im Jahr überlassen. An laufenden Kosten fielen zuletzt pro Jahr 65000 Euro an. Für die Instandhaltung des Gebäudes sind Arbeiten an Fassade, Fenstern und Türen, den Sanitäranlagen, der Heizung und weiteren Bauteilen erforderlich.

Hausintern hat die Stadt ermittelt, dass bei der Nutzung aller Etagen der Einbau eines Aufzuges nötig würde. Jede Nutzungsart erfordere Personal. Sofern das Schloss als Museum oder Kultureinrichtung durch die Kommune betrieben werden sollte, brauche es rund fünf Personalstellen. Deshalb schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, das Schloss wie bisher auch künftig nicht selbst durch die Stadt zu nutzen. Fällt die Entscheidung für einen Investor, einen Verkauf oder die vertraglich vereinbarte Erbpacht, würden die laufenden Kosten zur Nutzung beim Erwerber oder Erbpachtnutznießer liegen. Im städtischen Haushalt würden keine Unterhalts- oder Instandhaltungskosten anfallen. Bönnigheims Schultes Albrecht Dautel ließ anklingen, dass es interessierte Investoren für das Objekt gibt. Der Vorteil: Durch den Verkauf oder einen Erbpachtvertrag könnten Einnahmen für den städtischen Haushalt generiert werden.

Der Gemeinderat hat vor einiger Zeit die Verwaltung beauftragt, Gespräche mit Investoren zu führen. Dabei hat sich gezeigt, dass diese an der Realisierung ihrer Konzepte im Bönnigheimer Schloss interessiert sind. Bürgermeister Dautel hält sich dazu bisher bedeckt. Bekannt ist, dass sich die international tätige Kunstagentur „Pashmin Art Consortia“, die Galerien in Hamburg, Shanghai, Peking und Chongqing betreibt, nach wie vor für das Schloss interessiert. Sie besteht seit 30 Jahren, vertritt zeitgenössische Künstler aus der ganzen Welt und setzt sich laut eigenen Angaben für einen Austausch zwischen Kunst und Kultur ein. Der Direktor der Galerie und Kunstagentur, Nour Nouri, stammt aus einer Sammlerfamilie.

Nicht mehr interessiert ist dagegen der Pforzheimer Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler. Er investiert derzeit ins Schloss Liebenstein, hat das Brackenheimer Schloss übernommen und Schloss Kaltenstein in Vaihingen in seine Hotelkette einverleibt. Auch an Schloss Freudental hatte Scheidtweiler Interesse. Er bestätigt Gespräche mit Bönnigheimer Stadträten, sagt gegenüber unserer Zeitung aber auch: „Durch die Coronakrise haben wir derzeit anderes im Kopf. Jetzt geht es ums Überleben unserer Betriebe.“ Er freue sich aber über jeden, der das Bönnigheimer Schloss übernehme.

Info: Am kommenden Freitag, 23. April, soll die Verwaltung beauftragt werden, ein Ausschreibungsverfahren einzuleiten, was beim Verkauf des Schlosses notwendig wird. Dazu müsste eine Anwaltskanzlei eingebunden werden. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Wiesentalhalle in Bönnigheim-Hohenstein.

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