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Tag des offenen Denkmals 2022
Weltkriegs-Bunker am Unterriexinger Hohberg erstmals für Besucher geöffnet

Eine Besuchergruppe am Eingang des Bunkers. Roland Essig (2.v.r.) führt die Gäste durch die langen Gänge. Fotos: Alfred Drossel
Eine Besuchergruppe am Eingang des Bunkers. Roland Essig (2.v.r.) führt die Gäste durch die langen Gänge. Fotos: Alfred Drossel
Blick in einen der Mannschaftsräume.
Blick in einen der Mannschaftsräume.
Die Bunkeranlage erstreckt sich über drei Stockwerke und 100 Meter.
Die Bunkeranlage erstreckt sich über drei Stockwerke und 100 Meter.
Der freigelegte Bunker am Unterriexinger Hohberg, der einst Teil der Neckar-Enz-Verteidigungslinie war, konnte anlässlich des Tages des offenen Denkmals gestern erstmals besichtigt werden.

Markgröningen. Mit dem freigelegten Bunker ist nach den Bunkern in der Bissinger Brandhalde und im Bietigheimer Forst nun die dritte Anlage wieder zugänglich gemacht worden. Am gestrigen Tag des offenen Denkmals wurde der Bunker auf dem Unterriexinger Hohberg erstmals vorgestellt. Aus Sicherheitsgründen konnten sich nur rund 30 Besucher in kleinen Gruppen in den über hundert Meter langen Gänge bewegen.

Der Bunker auf dem Hohberg gilt schon aufgrund seiner Weitläufigkeit als Seltenheit. Beschriftungen und tapetenartige Wandbemalung sind dort noch erhalten, ebenso wie ein großes Bassin zur unterirdischen Trinkwasserversorgung. Auf Befehl der Amerikaner sollten die Befestigungsanlagen der Neckar-Enz-Festung nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich alle gesprengt werden. Beim Bunker am Hohberg geschah das aber nur teilweise. Vor rund 50 Jahren wurde er dann zum Treffpunkt einer Jugendgruppe. Um das zu unterbinden, ließ man den gesprengten Eingangsbereich zubetonieren.

Ein Stück Sozialgeschichte

Die Anlage gilt als ein „zeithistorisches Relikt“, das ein Stück Sozialgeschichte widerspiegelt. Dass sie schließlich geöffnet wurde, ist zwei Männern der Arbeitsgruppe Bunker 302 zu verdanken, die bereits die gleichnamige Anlage im Bietigheimer Forst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben: dem gelernten Schornsteinfegermeister Roland Essig aus Illingen und dem aus Bissingen stammenden und in Erligheim wohnenden über 80-jährigen Bauunternehmer Heinz Schütt. Beide interessieren sich für die Befestigungsanlagen des Dritten Reichs. Im Visier der beiden Männer ist die von Eberbach am Neckar bis Enzweihingen an der Enz verlaufende Neckar-Enz-Stellung mit fast 450 Bunkern. Die Anlage am Unterriexinger Hohberg wurde zwischen 1936 und 1937 von der Stuttgarter Baufirma Müller-Altvater unter Mitwirkung des Reichsarbeitsdienstes gebaut. Exakt 117,40 Kubikmeter Eisenbeton waren nötig, die Kosten lagen bei 410000 Reichsmark.

„Diese Anlage ist das größte Bauwerk der Neckar-Enz-Stellung“, stellte Roland Essig fest, der gestern durch die rund 100 Meter langen Gänge führte. Um die exponierte Lage des Hohbergs zu nutzen, hatte man darin ein System aus Hohlgängen mit Maschinengewehrscharten errichtet. Der Bunker verfügte über einen eigenen Wassertank und ein Treppenhaus zum oberen Ausgang über drei Stockwerke. Im Inneren konnte die Anlage durch Türen und Fallgruben in zwei Teile abgetrennt werden, falls gegnerische Truppen an einer Stelle in das Bauwerk eingedrungen wären. Diese Konstruktion ist im Bereich der Neckar-Enz-Stellung einzigartig.

Sprengungen nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Artilleriebeobachter saß unter einem Panzer mit Bereitschaftsraum. Am Eingang lag ein Maschinengewehr-Schartenstand mit Bereitschaftsraum zur Verteidigung. Nach Kriegsende wurden bei Sprengungen die Bereiche der Kampfräume und des Artilleriebeobachters zerstört. 1945 entsprachen die Ereignisse den zugrundliegenden taktischen Überlegungen für die Verteidigungslinie nicht mehr. Unterriexingen wurde nicht der Ort eines gegnerischen Brückenkopfes und die bei der Planung der Neckar-Enz-Stellungen theoretisch für möglich gehaltenen heftigen Kämpfe. Die Gemeinde geriet dennoch in tagelange Auseinandersetzungen im April 1945, bis die deutschen Verteidiger sich am 21. April aus dem gesamten Abschnitt zurückzogen. Udo Gehrig aus Unterriexingen war damals als Bub dabei, als Jugendliche den Bunker nutzten. Nach 50 Jahren war er gestern wieder dort. Für Siegfried Scholz ist es wichtig, dieses Zeitdokument zu erhalten und öffentlich zugänglich zu machen.

Ob und wie das in Zukunft möglich sein wird, müsse noch überlegt werden, sagte Roland Essig. Die Entscheidung liege bei der Stadt als Besitzerin.