Korntal-Münchingen/Gerlingen. Straßenzüge mit Bäumen rechts und links, die Dächer der drei- bis vierstöckigen Wohnhäuser sind mit Solaranlagen ausgestattet, etliche Menschen sind auf den breiten Gehwegen unterwegs, zumeist zu Fuß oder in einer langen Straßenbahn. Auf der anderen Seite: Ein Atomkraftwerk unweit des Stadtzentrums, auf einem Schulhof stehen etliche Personen in Reih und Glied, das Gelände daneben wirkt noch dystopischer, soll einen „umzäunten Verwaltungs- und Gewahrsamsbereich“ oder Kontrollpunkt darstellen.
Neugier soll geweckt werden.
So würde das Stadtbild aussehen, wenn jeweils einzig und allein die Grünen oder die AfD in Baden-Württemberg regieren würde – sagt zumindest ein Tool mit Künstlicher Intelligenz, das die Visionen aus Inhalten der aktuellen Programme der sechs aussichtsreichsten Parteien zur Landtagswahl erstellt hat.
Die Verantwortlichen hinter dem Projekt – das Institut für Demokratie und KI in Tübingen, die Landeszentrale für politische Bildung und der VHS-Verband – haben dabei „nicht den Anspruch, Meinungen zu formulieren, sondern Neugier und Interesse zu wecken. Wer sich ein Bild ansieht, soll idealerweise den nächsten Schritt gehen: sich mit dem Wahlprogramm der Parteien auseinandersetzen, vergleichen, hinterfragen und sich selbst eine fundierte Meinung bilden“, heißt es.
„Viel Gesprächsstoff“ durch Plakate
Und das können Interessierte im Wahlkreis Vaihingen derzeit nicht nur in der Ausstellung der Plakate samt Begleittexten im Haus der Volkshochschule in Gerlingen. Sondern vor allem beim „Wahlforum“ der Volkshochschule Korntal-Münchingen in der Stadthalle am Mittwoch, 4. Februar, um 19.30 Uhr. Zu Beginn können die Besucher mit den Wahlkreis-Kandidaten der sechs größten Parteien ins Gespräch kommen, 30 Sekunden haben diese jeweils für ihr Statement zu den Motiven.
„Die KI-Plakate bieten sicherlich viel Stoff“, so VHS-Leiterin Cornelie Class-Hähnel dazu. Anschließend gibt es eine moderierte Podiumsdiskussion, vor allem zu den Themen Bildung, Gesundheit und Innere Sicherheit. Dabei wird auch Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum sein. Die Gäste sind Nikolaos Boutakoglou (AfD), Steve Burgstett (Linke), Konrad Epple (CDU), Meike Günther (Grüne), Helena Herzig (FDP) und Torsten Liebig (SPD).
Für Class-Hähnels VHS, die schon zu früheren Wahlen besondere Veranstaltungsformate wie etwa ein Politiker-Speeddating ausprobiert und angeboten hatte, ist es wieder eine Premiere. „Wir sind schon sehr gespannt auf die Resonanz, vor allem, weil die KI-Bilder bestimmt ziemlich kontrovers diskutiert werden, und die Reaktionen der Kandidierenden wahrscheinlich ambivalent ausfallen“, sagt die Leiterin angesichts der doch zugespitzten Motive.


