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Bundestagswahl

Wo die Debatte Fahrt aufnimmt

Vor allem bei den Themen Klima und Verkehr wurden beim Online-Talk der LKZ Differenzen zwischen den Bundestagskandidaten im Wahlkreis Neckar-Zaber deutlich.

Im Fokus des Online-Talks stehen vor allem die Themen Klima und Verkehr.Foto: Holm Wolschendorf
Im Fokus des Online-Talks stehen vor allem die Themen Klima und Verkehr. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Große Podiumsdiskussionen mit sechs Diskutanten auf der Bühne, vor voll besetzten Zuschauerrängen? In Coronazeiten nicht möglich – und so gab es beim Online-Talk der LKZ, moderiert von Chefredakteurin Ulrike Trampus und Ressortleiter Stephan Wolf, drei Duelle zwischen denen, die für den Wahlkreis Neckar-Zaber in den Bundestag wollen, wo viele ihrer Parteikollegen schon sitzen.

Und dabei standen sich mit Fabian Gramling (CDU) und Thomas Utz (SPD) zwei Vertreter der aktuellen Koalition gegenüber, ebenso mit Lars Maximilian Schweizer (Grüne) und Emma Weber (Linke) zwei, deren Parteien möglicherweise Teil eines Bündnisses mit der SPD sein könnten – bei denen aber gerade bei der Außenpolitik mit den Haltungen zu Ungarn, Russland und der Nato Differenzen deutlich wurden (wir berichteten).

Viel Zuspruch für Ausbau der Schiene

Und noch stärker spürbar war das beim dritten Duell zwischen dem Liberalen Marcel Distl und Marc Jongen (AfD), der als Einziger schon ein Bundestagsmandat besitzt und gute Chancen hat, auch nach dem 26. September wieder mit dabei zu sein. Die kontroversesten Antworten lieferten bei allen die Fragen nach dem Klimawandel und damit verbunden dem Verkehr der Zukunft, und zwar weniger beim Ausbau der Schiene (Utz: „Da ist im Bundesverkehrsministerium zu viel Zeit mit anderen Dingen vertan worden, Minister Scheuer war mit anderen Dingen wie der Pkw-Maut beschäftigt“), der Konsens zu sein scheint, sondern mit Blick auf Autos.

„Lassen Sie sich doch nicht so viel Angst einjagen“, sagte Marc Jongen auf die Frage eines Lesers, ob sich die Politiker noch immer nicht bewusst seien, wie schlimm der Klimawandel für die junge Generation sei – übrigens sind bis auf Jongen (53) alle Kandidaten unter 35. Es gebe zwar den Klimawandel, aber auch Zeiten, da sei es wärmer als heute gewesen, und auch die jüngste Hochwasserkatastrophe könne man nicht darauf schieben – was dem AfD-Mann prompt Kritik aus dem Zuschauerchat entgegenbrachte. Zu wenig Einfluss hätten Deutschland und die EU, die vor lauter Maßnahmen Gefahr liefen, ihre Wirtschaft zu schädigen – dem widersprach dann auch der Politologe Marcel Distl. Es sei „unredlich“, die Katastrophe im Ahrtal zu nutzen, um den Klimawandel zu leugnen. Zudem habe die EU schon erreicht, dass es auch in bestimmten Sektoren in China Emissionshandel gebe.

Auch bei einer Zuschauerfrage nach Zuschüssen für E-Autos waren die Positionen klar: Jongen lehnt sie ab, denn man könne gar nicht so viel Strom produzieren, um den angepeilten Bedarf zu decken, und letztlich würden sie damit nur für Besserverdienende zur Option.

Ein weiteres Steuerungsinstrument wäre eine CO-Steuer, so Lars Maximilian Schweizer, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro des Landtagsabgeordneten Andre Baumann arbeitet. Das belaste die Verursacher stärker und sei gerechter als ein Klimasoli, sagte er auf eine Leserfrage. Und gab die Frage dann gleich weiter an seine Kontrahentin von den Linken, die immer wieder die Bedeutung der Solidarität bei den Maßnahmen zum Klimaschutz betonte: „Warum seid ihr dann gegen eine CO-Steuer?“, fragte er. Und Emma Weber: „Ich glaube nicht, dass das etwas bringt.“ Das sehe man ja an der beruflichen Teilhabe behinderter Menschen – viele Arbeitgeber würden da lieber die Abgabe zahlen, als diese einzustellen.

Für Thomas Utz geht es in der gesamten Debatte nicht darum, den Autoverkehr zu verteufeln – er arbeitet als Betriebswirt für einen Autobauer –, sondern ein ÖPNV-Angebot zu schaffen, das den Menschen die Wahlfreiheit lasse. Skeptisch zeigte er sich, dass der seit Jahren debattierte Nord-Ost-Ring gebaut werde angesichts verstärktem Homeoffice und des Eingriffs in die Landschaft, da müsse man den Nutzen sehr genau prüfen. Für Fabian Gramling, bis Frühjahr Landtagsabgeordneter, ist das Projekt hingegen unabdingbar („Mobilität ist Fortschritt“), auch weil Stuttgart die einzige Großstadt ohne einen nötigen Ringschluss sei. Er entgegnete auch dem Vorhalt von Stephan Wolf, er sei kein Freund von Elektromobilität: Er halte das zwar für die effizienteste Antriebsart, stelle aber die Herstellung infrage, da diese nicht nachhaltig sei.

Und in einem Punkt waren sich beide Kandidaten dann doch einig – auf ihre Autos treffe das nämlich zu, schließlich hätten beide 210000 beziehungsweise 170000 Kilometer auf dem Tacho. „Viel nachhaltiger geht’s nicht“, so Gramling über seine Diesel-A-Klasse.

Info: Auf www.lkz.de/impulse oder über den LKZ-Youtube-Kanal ist die Debatte abrufbar.

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