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Tourismus

Wohnmobilisten sind willkommen

Spießig und langweilig – Camping hatte lange Zeit nicht das beste Image. Doch das ist vorbei. Seit einigen Jahren boomt der Urlaub mit dem Wohnmobil wie kaum eine andere Branche. Das merken auch die Kommunen im nördlichen Landkreis Ludwigsburg, die sich mehr und mehr auf die Wohnmobilisten einstellen. Auch weil sie von den Kurzurlaubern profitieren.

Foto: CNF/ stock.adobe.com
Foto: CNF/ stock.adobe.com

Besigheim/Bönnigheim. Seit sechs Jahren kennen Hersteller und Händler von Wohnmobilen und -anhängern nur eine Richtung: nach oben. Auch zur Stuttgarter Reisemesse CMT verkündete der Caravaning-Industrieverband neue Rekorde beim Umsatz und den Zulassungszahlen (wir berichteten). Das merkt man auch im nördlichen Landkreis Ludwigsburg: „Der Wohnmobilreisemarkt wird auch hier immer größer“, sagt Eric Reiter vom 3B-Tourismus-Team. Jahr für Jahr würden mehr Wohnmobilisten die 3B-Städte Besigheim, Bönnigheim und Bietigheim-Bissingen besuchen, „die Zahlen haben sich ständig nach oben entwickelt“. Trotzdem gebe es noch Potenzial.

Spitzenreiter ist Besigheim mit 1067 Wohnmobilen, die im Jahr 2018 auf dem städtischen Stellplatz am Minigolfplatz registriert wurden (siehe Hintergrund). Allerdings ist der Besigheimer Platz auch der größte in der Region: 16 Stellplätze gibt es dort, maximal drei Nächte können die Camper bleiben. Die Anlage sei zwar immer gut ausgelastet, sagt Besigheims Kulturamtsleiterin Anette Walz unserer Zeitung – eine Erweiterung sei aktuell aber nicht angedacht. Zumal der Platz erst vor vier Jahren ausgebaut wurde. Trotzdem hat die Stadt das Thema nicht ganz aus dem Blick verloren: Die Platzerweiterung ist im städtischen Haushaltsplan aufgeführt, unter den Projekten, die in der Finanzplanung bis 2023 zwar nicht berücksichtigt sind, für die möglicherweise aber doch Bedarf bestehen würde.

Anders ist die Situation in Bönnigheim: Der städtische Wohnmobilstellplatz am Freibad soll schon bald aus- und umgebaut werden, sagt Alexandra Kindler von der Stadtverwaltung. Bereits in diesem Frühjahr wolle man in die Planungen einsteigen. Erste Gelder seien dafür im Haushaltsplan eingestellt. „Die Erweiterung soll der gestiegenen Nachfrage gerecht werden; allerdings auch der Tatsache, dass die Wohnmobile immer größer werden“, erläutert Alexandra Kindler. Derzeit ist am Freibad Platz für sechs Wohnmobile, die Nutzung ist kostenlos, lediglich für Frischwasser und Strom müssen die Urlauber zahlen. Weitere private Stellplätze gibt es in Bönnigheim auf dem Hof der Familie Kölle.

„Wir begrüßen den Ausbau und freuen uns über jedes weitere Angebot, das geschaffen wird“, betont Eric Reiter vom 3B-Team. Denn schon jetzt gebe es auf den Stellplätzen in der Region – vor allem in der Hauptreisezeit von Ostern bis Ende Oktober – immer wieder Engpässe. Er ist sich sicher, dass sich die Investitionen auszahlen werden, und zwar nicht nur für die großen Städte, sondern insbesondere auch für kleinere Gemeinden und private Anbieter.

Mit relativ geringem Aufwand könnten diese Platz für Touristen schaffen, den man dann auch noch kostengünstig bewerben könne. Nicht zu unterschätzen sei auch der wirtschaftliche Nutzen: 31,50 Euro würde jeder Wohnmobilist pro Tag im Ort ausgeben, beruft sich Reiter auf eine Studie des Deutschen Tourismusverbandes.

Dieses Potenzial sehen auch die Kommunen: Die Wohnmobilisten seien eine wichtige Touristen-Gruppe in Besigheim, betont Anette Walz. Sie blieben meist für einige Tage in der Stadt, davon profitierten auch die Gastronomen und die Einzelhändler. Wichtig sei außerdem der Marketing-Effekt, ergänzt Eric Reiter: „Die Wohnmobilisten sind untereinander sehr gut vernetzt. Positives wie Negatives spricht sich sehr schnell herum.“ Wem es also in einem Ort gefällt, der kommt in der Regel wieder und macht zudem noch Werbung bei anderen Campern. Davon könnte vielleicht auch bald Gemmrigheim profitieren. Zwar gibt es dort noch keine öffentlichen Stellplätze, „aber wir sehen den Bedarf“, sagt Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Bärbel Petters. Derzeit entwickelt die Gemeinde ein Tourismuskonzept, Wohnmobilstellplätze könnten darin auch eine Rolle spielen. Auch in Walheim will man an die Wohnmobilisten denken, sobald man Stellplatzmöglichkeiten zur Verfügung habe, teilt Viviana Paladino vom Hauptamt der Gemeinde mit. Anders ist die Lage in Kirchheim: Es gebe keinen Bedarf für öffentliche Wohnmobilstellplätze und deshalb auch keine Überlegungen, welche im Ort einzurichten, teilt Ordnungs- und Kulturamtsleiterin Andrea Fritz mit.

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