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Streitatlas

Zu sehr auf Krawall gebürstet?

Durchschnittlich war 2018 mehr als jeder vierte Einwohner im Kreis Ludwigsburg in Rechtsstreitigkeiten verwickelt

Die Bevölkerung im Landkreis Ludwigsburg streitet oft und lange. Die Rechtsstreitigkeiten werden häufig teuer. Foto: Symbolbild/Adobe Stock
Die Bevölkerung im Landkreis Ludwigsburg streitet oft und lange. Die Rechtsstreitigkeiten werden häufig teuer. Foto: Symbolbild/Adobe Stock

Kreis Ludwigsburg. Ob vermeintlich ungerechtfertigte Blitzerfotos, zu hohe Mieten, Kündigung oder Reisemängel – wer einen Blick in Deutschlands „Streitatlas“ wirft, dem fällt die Streitlust der Bundesbürger ins Auge. Advocard, der Rechtsschutzversicherer der Generali Deutschland, hat herausgefunden, dass ein Viertel der Nation in Streitigkeiten verwickelt ist. Jeder zehnte Rechtsstreit hat dabei einen Wert von mehr als 10.000 Euro. Und was machen die Menschen im Kreis Ludwigsburg? Auch die scheinen auf Krawall gebürstet, denn durchschnittlich war 2018 jeder vierte Einwohner des Landkreises in einen Rechtsstreit verwickelt. Das sind 28,1 Streitfälle pro 100 Einwohner. Zum Vergleich: Der bundesdeutsche Schnitt liegt bei 24,7 Streitfällen pro 100 Einwohnern. Damit wird im Kreis Ludwigsburg auch mehr gestritten als in den benachbarten Kreisen Rems-Murr (25,6 Streitfälle pro 100 Einwohner) und Stuttgart (26,9 Streitfälle pro 100 Einwohner).

Viele Streitigkeiten kosten nicht nur Nerven, sondern auch Geld

Doch warum liegen sich die Menschen eigentlich in den Haaren? „Im Land der Autofahrer und Autoliebhaber findet knapp ein Drittel aller Streits rund um das Thema Straßenverkehr und Mobilität statt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Generali Deutschland AG. Mehr als jeder Vierte (26 Prozent) streitet wegen eines vermeintlich ungerechtfertigten Blitzerfotos oder zu hohen Tempos. Auch Verkehrsunfälle (23 Prozent) oder Mängel am neuen Fahrzeug (zehn Prozent) führen häufig bis zum Rechtsstreit. Im Kreis streitet die Bevölkerung hingegen besonders über Privates (37,4 Prozent). Ob Familienangelegenheiten oder Reisemängel – hier lauert augenscheinlich ordentlich Zündstoff und ist alles vertreten. Auf Platz zwei folgen hierzulande die Verkehrsstreitigkeiten (29,9 Prozent) und der Themenbereich Arbeit (14,4 Prozent). Laut Generali hängen die Gründe für Auseinandersetzungen im Arbeitsumfeld häufig mit der Vergütung, Arbeitszeugnissen oder der Kündigung des Arbeitsverhältnisses zusammen. Die Vergütung ist mit 30,9.Prozent bundesweit der Hauptgrund.

Die Streitigkeiten kosten einen Großteil der Bevölkerung nicht nur Nerven, sondern vor allem auch Zeit und Geld: Bundesweit dauern fast die Hälfte aller Streitfälle (48 Prozent) zwölf Monate oder sogar länger. Wie Generali mitteilt, sei im Vergleich zum letzten Streitatlas aus dem Jahr 2017 bei den langwierigen Streits eine Zunahme von 4,5 Prozent zu verzeichnen. Bei jedem zehnten Streit liegt der Streitwert bei mehr als 10.000 Euro. Im Landkreis Ludwigsburg übersteigt mehr als jeder zwölfte Streit (8,2 Prozent) diesen Wert. „Unserer Erfahrung nach können die Verfahrenskosten ein Vielfaches des eigentlichen Streitwerts ausmachen“, wird Peter Stahl, Vorstandssprecher der Advocard, in einer Pressemitteilung zum Streitatlas zitiert. „Daher ist es sinnvoll, so früh wie möglich eine einvernehmliche Einigung anzustreben – manchmal funktioniert es sogar, eine neutrale Person als Vermittler, beispielsweise einen Mediator, hinzuzuziehen und Streitigkeiten schnell abzuwenden.“

Was der große Streitatlas ebenfalls deutlich zeigt: In der Mitte des Lebens, im Alter zwischen 46 und 55 Jahren, streitet sich die Bundesbevölkerung statistisch gesehen am häufigsten. Doch auch jüngere Krawallmacher betreten zunehmend die Bildfläche: „Vor zehn Jahren waren junge Erwachsene unter 36 Jahren für nur 13,9 Prozent aller Streitfälle verantwortlich – heute sind es bereits 23,7 Prozent“, so die Generali Deutschland.

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