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Standortwechsel

Zum Neustart alten Namen wiederbelebt

Spatenstich für die neue Firmenzentrale von ACPS Automotive: Der Hersteller von Anhängervorrichtungen wechselt 2020 von Markgröningen nach Ingersheim.

So soll die neue ACPS-Zentrale aussehen. In einem Jahr soll sie im Ingersheimer Gewerbegebiet eingeweiht werden. Foto: ACPS
So soll die neue ACPS-Zentrale aussehen. In einem Jahr soll sie im Ingersheimer Gewerbegebiet eingeweiht werden. Foto: ACPS

Ingersheim. Mehrere Umbrüche hat das Unternehmen ACPS Automotive in den vergangenen 14 Jahren erlebt. Erst wurde die belgische Firma Bosal Miteigentümer, sechs Jahre später – 2012 – alleiniger Besitzer. Damit war offiziell auch der Name Geschichte, unter dem das Unternehmen 1955 in Möglingen gegründet worden war – Otto Riehle Stuttgart, kurz: Oris.

Ende 2018 folgte die nächste große Veränderung: Der US-Investor Tower Brook Capital kaufte die Firma, die für die Produktion von Pkw-Anhängervorrichtungen bekannt ist. Mit dem neuen Eigentümer sei ACPS wieder ein eigenständiges Unternehmen, sagt deren Chef Gerhard Böhm. Die finanzielle Situation habe sich mit dem Investor so verbessert, dass technologische Ideen – sprich: neue Produkte – nun umgesetzt werden könnten, Das, so Böhm, war nicht möglich, als ACPS nur eine Division des belgischen Abgasspezialisten Bosal war.

In Europa sei ACPS im Bereich Anhängerkupplungen ein führendes Unternehmen, sagt Böhm, in Amerika wachse es: So beliefere das mexikanische Werk in den USA und Mexiko mehrere Hersteller, etwa BMW, Mercedes und Audi. In Detroit wird jetzt ein Vertriebs- und Ingenieurbüro eröffnet, „um näher an den US-Kunden zu sein“, sagt ACPS-Marketingchef Uwe Entenmann.

Nun steht die Firma vor ihrem nächsten Umbruch: Im nächsten Jahr verlegt ACPS Automotive seine Firmenzentrale von Markgröningen in das Ingersheimer Gewerbegebiet. Für das ist der Zweckverband „Gewerbepark Bietigheimer Park“ zuständig, für den sich die Gemeinde Ingersheim und die Stadt Bietigheim-Bissingen zusammengetan haben. Der Vorsitzende des Verbands, Ingersheims Bürgermeister Volker Godel, bezeichnet die ACPS-Ansiedlung als „wichtige Standortentscheidung“ für die Gemeinde und den Zweckverband.

Die Fläche, die nun bebaut wird, sei von 1989 bis 2017 Landschaftsschutzgebiet gewesen. Ein Hektar sei zurückgenommen worden, als Ausgleich seien dem Schutzgebiet Neckartal drei Hektar zugeschlagen worden, so Godel. Er dankte dem Verband Region Stuttgart (VRS) dafür, dass Ingersheim bei der Ausweisung regionaler Gewerbeschwerpunkte mit 16 Hektar berücksichtigt worden war.

Beim gestrigen Spatenstich für den ACPS-Neubau sprach deshalb auch der VRS-Vorsitzende Thomas Bopp. In der Region Stuttgart würden weiterhin Verbrennungsmotoren produziert, „noch viele viele Jahre“. Mit „Industrie 4.0, Elektromobilität und anderen Themen“ stünden aber „große Transformationen“ an – um diesen Strukturwandel bewältigen zu können, „brauchen wir zusätzliche Flächen“. Die Suche danach sei aber „extrem kompliziert“ und „ausgesprochen schwierig und zäh“, weil Bürger sagten, dass sie in ihrer Nähe „nicht zusätzlich Industrie, Gewerbe und Verkehr“ haben wollten. Doch gebe es keine Alternative, „wenn wir die Firmen nicht abwandern lassen wollen“.

Thomas Kiwitt, Leitender Technischer Direktor beim VRS, betonte gestern im Gespräch, dass Unternehmen den Landkreis verlassen könnten, wenn sie dort nicht bauen dürften. Flächen müssten, auch wenn es „viele Widerstände“ gegen vermeintlichen Flächenfraß gebe, bereitgestellt werden, um den Wohlstand zu sichern, betonte Jürgen Kessing, Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen: „Wir wollen Arbeitsplätze für die Menschen haben und den Unternehmen Flächen für Entwicklungen geben.“

Christian Sußner, Dezernent im Landratsamt, lobte ACPS dafür, sich zur Region zu bekennen: „Sie haben sich richtig entschieden, im Landkreis Ludwigsburg zu bleiben.“ ACPS-Chef Böhm bezeichnete gestern den neuen Ingersheimer Standort des Unternehmens als Glücksfall – auch deshalb, weil er nah an der jetzigen Zentrale in Markgröningen liegt und die Mitarbeiter sich deshalb nicht groß umstellen müssten.

Mit dem neuen Eigentümer und dem Standortwechsel unternehme das Unternehmen einen Neustart, sagt Entenmann. Dazu gehört auch die Wiederbelebung eines im Landkreis Ludwigsburg bekannten Namens, unter dem Otto Riehle die Firma vor 64 Jahren gründete: Die Anhängervorrichtungen sollen künftig wieder unter der Marke Oris vermarktet werden.

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