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Konzert

Zwischen die Klaviere passt kein Blatt

Das Sinfonieorchester Ludwigsburg erprobt immer wieder neue Formate: Mit seinem Konzert „Nähe“ Mitte April spannen Dirigent Hermann Dukek und das Pianistenduo Barbara und Sebastian Bartmann den Bogen von Tschaikowski über Mozart bis hin zu Bach-Präludien im Stil der Minimal Music. Und man ahnt: Das könnte großartig werden.

Spannende Zusammenarbeit: Dirigent Hermann Dukek (links) und Barbara und Sebastian Bartmann kennen sich schon länger – nun trimmen sie Bach auf Minimal Music.Foto: Holm Wolschendorf
Spannende Zusammenarbeit: Dirigent Hermann Dukek (links) und Barbara und Sebastian Bartmann kennen sich schon länger – nun trimmen sie Bach auf Minimal Music. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg/Stuttgart. Kleine melodische Motive entwirren sich zu feinen Miniaturen. Nicht so ganz zu greifen sind sie und in ihrer Entwicklung kaum vorherzusehen. Frisch, fremdartig und seltsam vertraut zugleich erscheinen die Klänge, die das Stuttgarter Pianistenduo Barbara und Sebastian Bartmann in ihrem feinen Gewebe spinnen. Zwei Musiker, zwei Instrumente? Zwischen diese Klaviere, das wird schnell klar, passt zumindest klanglich kein Blatt. „Minimal Bach“ hat Sebastian Bartmann seine Komposition getauft, die gerade als Album – aufgenommen an vier Tagen im Herbst 2018 in den Ludwigsburger Bauer-Studios – erschienen ist. Sie bildet, als Uraufführung der nun auch orchestrierten Fassung, das Kernstück des am 13..April im Forum anstehenden Konzerts mit dem Sinfonieorchester Ludwigsburg unter der Leitung von Dirigent Hermann Dukek.

Sebastian Bartmann hat für seine Komposition Motive aus den Präludien des „Wohltemperierten Klaviers“ von Johann Sebastian Bach verarbeitet. Anders als Bach beginnt die Reihe bei Bartmann allerdings mit dem c-Moll-Präludium. „Das hat mich besonders fasziniert“, sagt der Komponist. Seit seiner Jugend hat er immer wieder auf seinem Instrument improvisiert, eines Tages kam die Idee auf, die in Bachs Musik bereits meisterhaft ausgeführte Entwicklung von Elementen „auf die Spitze zu treiben“, wie Bartmann sagt. 24 Präludien, gut 60 Minuten maximal, das war die Zielstellung. Prägnante Motive, Schlüsselstellen aus den Präludien hat er herausgegriffen und im Stil der Minimal Music eines Steve Reich, Terry Riley oder Philip Glass in wiederholenden Strukturen fortgesponnen und gewissermaßen collagiert, plötzliche Brüche inklusive. Entstanden ist eine Klangkulisse, die ganz bewusst auch Assoziationen zu Romantik, Impressionismus und Filmmusik weckt. „Ich mag den Mut, mehr Melodie und Perkussives in die zeitgenössische Musik zu bringen“, erklärt Bartmann. Das Pianistenduo und Hermann Dukek kennen sich noch vom Kirchenmusikstudium in Stuttgart, über Jahre war es immer ein Gedanke, einmal etwas zusammen zu machen. Mit der Bach-Neukomposition hat es nun geklappt. Hermann Dukek hat in den vergangenen Wochen intensiv mit der orchestrierten Fassung gearbeitet. Die unterschiedlichen Farben haben mich fasziniert“, schwärmt der Dirigent des Sinfonieorchesters. „Die gezupften Saiten, das Verklingen, die Stille – das alles ergibt sehr viel Drive.“ Das Orchester übernimmt in dieser Fassung keine Teile der Klavierparts, sondern ergänzt diese. „Es erhält eine ganz neue Klanglichkeit“, erklärt Sebastian Bartmann. Aufgestellt sind die beiden Flügel im Forum so ein wenig wie das „Yin und Yang“-Zeichen: Umgekehrt nebeneinander, so dass sich die Instrumente auch räumlich fast aneinanderschmiegen, gleichzeitig ist der Blickkontakt wichtig.

Das Jahr 2019 wird etwas ruhiger, aber nicht minder spannend

Das Motto „Nähe“, mit dem das Konzert überschrieben ist, ist indes auch in den anderen Werken des Abends angelegt. Bei der Ouvertüre zu Bellinis Oper „Norma“ eher im dramatischen Aspekt. Über Tschaikowskis 4. Sinfonie schwebt als Subtext die enge freundschaftliche Beziehung zu seiner Gönnerin Nadeschda von Meck – wobei sich die beiden ganz bewusst nur wenige Male flüchtig begegnet sind. Mozarts einziges Konzert für zwei Klaviere wiederum hat dieser für seine Schwester Nannerl geschrieben. Zwölf Konzerte hat das Sinfonieorchester im Jahr 2018 absolviert, für ein – wenngleich ambitioniertes – Laienorchester eine ganze Menge. Daher lässt man es in diesem Jahr etwas ruhiger angehen – dafür dürfte schon das erste Konzert umso spannender werden.

Info: Das Konzert des Sinfonieorchesters findet am Samstag, 13. April, um 19.Uhr im Forum statt. Einen Trailer zum Album des Duos „Impuls“ gibt es im Internet bei Youtube unter den Suchworten Duo, Impuls, Ludwigsburg.

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