Bundesärztekammer
Kreis Ludwigsburg | 27. Januar 2018

„Freimessen von Bauschutt aus AKW ist verantwortbar“

Die Freigabe von Abbruchmaterial aus Atomkraftwerken, von dem nachweislich eine Strahlenbelastung von unter zehn Mikrosievert pro Jahr ausgeht, zur konventionellen Deponierung ist „aus medizinischer Sicht verantwortbar“. Mit dieser Positionierung folgt jetzt auch der Vorstand der Bundesärztekammer der Auffassung der Strahlenschutzkommission sowie von Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne).

Der Rückbau des Atomkraftwerks in Neckarwestheim ist seit dem Sommer weiter vorangeschritten. Archivfoto: Alfred Drossel
Der Rückbau des Atomkraftwerks in Neckarwestheim ist seit dem Sommer weiter vorangeschritten. Archivfoto: Alfred Drossel

Der Vorstand der berufspolitischen Spitzenorganisation der deutschen Ärzte rückt damit von einer Entschließung des Deutschen Ärztetages ab, der Bedenken gegen das Zehn-Mikrosievert-Konzept geäußert hatte. Seine Konsequenz im Kreis Ludwigsburg: Bauschutt aus dem Rückbau des AKW Neckarwestheim I wird auch auf den kreiseigenen Deponien in Horrheim und Schwieberdingen landen – gegen den Widerstand von Bürgerinitiativen und Kommunalpolitik vor Ort (wir berichteten mehrfach).

Nach Ansicht des Vorstandes der Bundesärztekammer sei die Resolution des Ärztetages „aus wissenschaftlicher Sicht“ nicht haltbar, bestätigte der Präsident der Landesärztekammer, Ulrich Clever, Informationen unserer Zeitung.

Der ohne Gegenstimme, aber offenbar mit der ein oder anderen Enthaltung gefasste Vorstandsbeschluss ist die Konsequenz eines Expertengesprächs, zu dem Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller im November vergangenen Jahres unter anderem hochrangige Vertreter von Medizin und Strahlenschutzkommission eingeladen hatte. Beteiligt war daran auch Frank-Ulrich Montgomery, der nicht nur Präsident der Bundesärztekammer, sondern auch Facharzt für Radiologie ist.

Clever hatte als Präsident der Landesärztekammer bereits vor einem Jahr erklärt, auch wenn es generell keine unbedenkliche ionisierende Strahlung gebe, so halte er selbst die Freimessung von AKW-Bauschutt für „gesundheitlich verantwortbar“. Mit dem Zehn-Mikrosievert-Konzept und der von Untersteller und den Landkreisen zusätzlich vereinbarten Handlungsanleitung für den Umgang mit dem umstrittenen Material werde das Restrisiko auf ein vertretbares Maß beschränkt. Clever hatte damals wie berichtet einem Beschluss des baden-württembergischen Ärztetages widersprochen, dessen Inhalt anschließend auch der Deutsche Ärztetag durchwinkte. In seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer unterstrich Clever jetzt, bei deren Bewertung handele es sich um „eine wissenschaftliche und keine politische Stellungnahme“.

Minister Untersteller hat immer wieder darauf hingewiesen, dass von der diagnostischen und therapeutischen Strahlenmedizin eine ungleich höhere Belastung für die Bevölkerung ausgeht als von „freigemessenem“ AKW-Bauschutt – auch wenn der Einzelne nicht selbst geröntgt oder radiologisch behandelt wird.

Ein Symposium der Landesärztekammer soll das Thema nächste Woche noch einmal vertiefen. Es war als Konsequenz der Resolution des baden-württembergischen Ärztetages bereits vor etlichen Monaten anberaumt worden.

Steffen Pross
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